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Im Gespräch: Andreas Jacobs : "Wetten verändert die Sportwelt"

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Andreas Jacobs in Baden-Baden Bild: dpa

Der Unternehmer und Pferdezüchter will mit Galopprennen Geld verdienen. Das ist angesichts der desolaten Verfassung vieler Rennvereine ein großes Ziel. Über den Sportvermarkter Infront übernahm der Sohn des Unternehmers Klaus J. Jacobs die Regie beim prestigeträchtigen, aber insolventen Rennsportverein vor den Toren Baden-Badens.

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          Herr Jacobs, gibt es keine bessere Investition für einen international tätigen Sportvermarkter als ausgerechnet Galopprennen? Was erhoffen Sie sich von Ihren Investitionen in Baden-Baden?

          Wir haben das Engagement in Iffezheim mit dem Infront-Management sorgfältig geprüft und als eine vielversprechende Gelegenheit eingestuft. Wir haben hier die Chance, den Betrieb der beliebtesten Rennbahn Deutschlands von Grund auf neu zu gestalten. Der Galoppsport lebt wesentlich von der Wette, das stimmt. Aber dieses Geschäft ist nicht völlig eingebrochen, sondern findet vor allem im Internet statt, meistens in Steueroasen. Für die Bahn in Iffezheim spielt das aber nur eine untergeordnete Rolle. Wir machen hier 80 Prozent der Umsätze vor Ort, mit Eintrittsgeldern, Catering und natürlich mit Wetten. Der Anteil lokaler Umsätze ist bei anderen Rennbahnen weit geringer, deshalb ist das Geschäftsmodell in Baden-Baden auch robuster. Ab 2011, spätestens 2012 erhoffen wir uns Gewinne.

          Sie sind in Baden-Baden nicht nur auf offene Arme getroffen ...

          Klar, die Veränderungen waren mitunter schmerzhaft. Immerhin geht es hier um eine Insolvenz, und viele haben Geld verloren. Aber wir konnten nicht einfach die in besseren Zeiten aufgenommenen Hypotheken von den Vorgängern übernehmen und jahrelang nur für die Banken arbeiten. Es muss sich rechnen. Außerdem gab es zwar weitere Interessenten für die Bahn, aber alle waren am Ende nur an der Vermarktung interessiert, investieren wollte niemand.

          Was wollen Sie denn anders machen? Der noble internationale Club hat vieles schon versucht und ist am Ende in der Insolvenz gelandet.

          Wir haben rund eine dreiviertel Million Euro in Infrastruktur und Marketing investiert, das Catering vor Ort verbessert, neue Kombitickets eingeführt und auch das Wettangebot ausgeweitet: am Sonntag bieten wir in einer Vierer-Wette für 50 Cent Einsatz eine garantierte Gewinnsumme von 100 000 Euro. Das hat es in Deutschland noch nie gegeben. Das ist unternehmerisches Risiko, aber die Zuschauerzahlen und die Wettumsätze geben uns recht. Letztere liegen pro Rennen bisher fast um 20 Prozent über dem Vorjahr.

          Ist es für einen etablierten Vermarkter wie Infront nicht gefährlich, sich in einem kleinen, unbedeutenden Segment so von Wetten abhängig zu machen? Mit Sportwetten verbinden die Menschen Schiebereien im Fußball und dunkle Geschäfte in Spielhallen.

          Sport muss als Sport funktionieren und die Menschen für sich begeistern. Aber eine komplette Trennung von Sport und Wetten lässt sich in Zeiten des Internets nicht mehr verbieten. Das Wetten wird die ganze Sportwelt verändern. Es ist nicht unser Ziel, Sportwettenanbieter zu werden, aber alle in der Sportvermarktung müssen damit offener umgehen. In Iffezheim ist uns das Gesamterlebnis wichtig.

          Welche Rolle spielt denn das Engagement in Baden-Baden für Infront?

          Finanziell ist es sicher gering. Infront ist mittlerweile der weltweit zweitgrößte Sportvermarkter. Wir setzen mehr als 500 Millionen Euro in Europa und Asien um und sind in den vergangenen Jahren immer zweistellig gewachsen. Wenn es in Iffezheim gut läuft, erwarten wir einen kleinen zweistelligen Millionenumsatz, daran können Sie die Bedeutung bemessen. Kleine Events bieten aber manchmal bessere Margen und häufig mehr unternehmerische Optionen.

          Was ist das Hauptgeschäft für Infront?

          Seit unsere Familie 2002 die Mehrheit übernommen hat, hat sich die Firma rasant entwickelt. Unser Hauptgeschäft ist nach wie vor der Fußball: Unter anderem vermarkten wir in Asien die Medienrechte an der Fifa-WM und stemmen seit Jahren die zentrale Medienproduktion, wir vermarkten den DFB-Pokal, die DFB-Länderspiele, zwölf Klubs, sind Berater der italienischen Liga. Seit vier Jahren sind wir zudem sehr stark im Wintersport engagiert, genauer in sechs von sieben Wintersportdisziplinen, und vermarkten erfolgreich die Eishockey-WM. Pferdesport ist zwar noch keine A-Sportart, aber das kann sich durch unser Netzwerk noch ändern.

          Wie wollen Sie das machen?

          Da gibt es viele Möglichkeiten: Wenn wir eine Stunde mit einem Sponsor oder Sender über alle möglichen Kooperationen im Rahmen unseres Portfolios reden, bleiben am Ende noch fünf Minuten für den Pferdesport. Diese Möglichkeit haben andere nicht. Dieses Jahr wird die ZDF-Sportreportage seit langer Zeit einmal wieder ein Galopprennen im Fernsehen zeigen, das ist ein guter Anfang. Und die Große Woche muss ja nicht immer Große Woche heißen. Warum nicht dafür einen Namenssponsor finden.

          Wie wollen Sie in dem Geschäft denn Skaleneffekte erzielen? Sprechen Sie auch mit anderen Rennbahnbetreibern über einen Rennzirkus?

          Nein. So wie sich der Verband und viele Vereine derzeit präsentieren, wäre das keine gute Idee. Aber wenn es in Baden-Baden funktioniert, was wir zunächst einmal beweisen müssen, dann kann ich mir schon Kooperationen mit anderen Pferdeveranstaltungen vorstellen. Nehmen Sie das Turnier in Aachen, das ist ein hervorragendes Sportereignis. Daran sehen Sie aber auch: Auf lange Sicht muss Pferdesport wieder ein Fernsehprodukt werden, sonst bleiben die Skaleneffekte begrenzt.

          Ihre Familie kontrolliert den Schokoladehersteller Barry Callebaut, Sie haben einen maßgeblichen Anteil am Zeitarbeitsunternehmen Adecco, und selbst bei Infront gibt es weit größere Engagements als Pferderennen. Dennoch trommeln Sie jetzt eine ganze Woche für Ihr Galopp-Engagement. Ist das nicht Ressourcenverschwendung?

          Die Veranstaltung hier lebt vor allem von der Region, daher ist es unabdingbar, sich vor Ort zum Neustart einzusetzen. Pferdesport und Pferdezucht liegen mir aber auch persönlich am Herzen. Ich habe Mitte der Neunziger das Gestüt unserer Familie übernommen und verbinde damit sehr schöne Erfahrungen. Viele Mitglieder der Familie treffen sich dort und finden einen Ausgleich zum städtischen Leben, gerade den Kindern tut die Erfahrung auf dem Land gut. Ich züchte selbst Pferde, und ein paar laufen auch hier in Iffezheim, allerdings bisher mit bescheidenem Erfolg. Das alles bringt mich dem Sport natürlich nahe, aber in erster Linie ist es eine Investition, und die muss sich rechnen.

          Hätte eine Minderheitsbeteiligung nicht gereicht?

          Nein. Wenn man Verantwortung will, ist es wichtig, die Mehrheit zu haben. Wir verstehen uns als Familie, die unternehmerisch handelt, nicht als Finanzinvestor. Das erlaubt uns, Unternehmen langfristig zu gestalten und auf alle strategischen und alle Personalentscheidungen Einfluss zu nehmen, das ist wichtig.

          Bei Adecco haben Sie diese Mehrheit aber nicht.

          Uns ist wichtig, dass wir alle Beteiligungen unternehmerisch betreuen. Das ist auch bei Adecco gesichert. Unser Vater hat die Firma mit viel unternehmerischem Herzblut und Weitblick aufgebaut. Wir sind heute bei Adecco nicht nur über die Holding investiert, die ihre Gewinne ausschließlich der Stiftung zugutekommen lässt, sondern auch als einzelne Familienmitglieder - für Leidenschaft ist also auch dort gesorgt.

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