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Im Gespräch: Andreas Jacobs : "Wetten verändert die Sportwelt"

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Seit unsere Familie 2002 die Mehrheit übernommen hat, hat sich die Firma rasant entwickelt. Unser Hauptgeschäft ist nach wie vor der Fußball: Unter anderem vermarkten wir in Asien die Medienrechte an der Fifa-WM und stemmen seit Jahren die zentrale Medienproduktion, wir vermarkten den DFB-Pokal, die DFB-Länderspiele, zwölf Klubs, sind Berater der italienischen Liga. Seit vier Jahren sind wir zudem sehr stark im Wintersport engagiert, genauer in sechs von sieben Wintersportdisziplinen, und vermarkten erfolgreich die Eishockey-WM. Pferdesport ist zwar noch keine A-Sportart, aber das kann sich durch unser Netzwerk noch ändern.

Wie wollen Sie das machen?

Da gibt es viele Möglichkeiten: Wenn wir eine Stunde mit einem Sponsor oder Sender über alle möglichen Kooperationen im Rahmen unseres Portfolios reden, bleiben am Ende noch fünf Minuten für den Pferdesport. Diese Möglichkeit haben andere nicht. Dieses Jahr wird die ZDF-Sportreportage seit langer Zeit einmal wieder ein Galopprennen im Fernsehen zeigen, das ist ein guter Anfang. Und die Große Woche muss ja nicht immer Große Woche heißen. Warum nicht dafür einen Namenssponsor finden.

Wie wollen Sie in dem Geschäft denn Skaleneffekte erzielen? Sprechen Sie auch mit anderen Rennbahnbetreibern über einen Rennzirkus?

Nein. So wie sich der Verband und viele Vereine derzeit präsentieren, wäre das keine gute Idee. Aber wenn es in Baden-Baden funktioniert, was wir zunächst einmal beweisen müssen, dann kann ich mir schon Kooperationen mit anderen Pferdeveranstaltungen vorstellen. Nehmen Sie das Turnier in Aachen, das ist ein hervorragendes Sportereignis. Daran sehen Sie aber auch: Auf lange Sicht muss Pferdesport wieder ein Fernsehprodukt werden, sonst bleiben die Skaleneffekte begrenzt.

Ihre Familie kontrolliert den Schokoladehersteller Barry Callebaut, Sie haben einen maßgeblichen Anteil am Zeitarbeitsunternehmen Adecco, und selbst bei Infront gibt es weit größere Engagements als Pferderennen. Dennoch trommeln Sie jetzt eine ganze Woche für Ihr Galopp-Engagement. Ist das nicht Ressourcenverschwendung?

Die Veranstaltung hier lebt vor allem von der Region, daher ist es unabdingbar, sich vor Ort zum Neustart einzusetzen. Pferdesport und Pferdezucht liegen mir aber auch persönlich am Herzen. Ich habe Mitte der Neunziger das Gestüt unserer Familie übernommen und verbinde damit sehr schöne Erfahrungen. Viele Mitglieder der Familie treffen sich dort und finden einen Ausgleich zum städtischen Leben, gerade den Kindern tut die Erfahrung auf dem Land gut. Ich züchte selbst Pferde, und ein paar laufen auch hier in Iffezheim, allerdings bisher mit bescheidenem Erfolg. Das alles bringt mich dem Sport natürlich nahe, aber in erster Linie ist es eine Investition, und die muss sich rechnen.

Hätte eine Minderheitsbeteiligung nicht gereicht?

Nein. Wenn man Verantwortung will, ist es wichtig, die Mehrheit zu haben. Wir verstehen uns als Familie, die unternehmerisch handelt, nicht als Finanzinvestor. Das erlaubt uns, Unternehmen langfristig zu gestalten und auf alle strategischen und alle Personalentscheidungen Einfluss zu nehmen, das ist wichtig.

Bei Adecco haben Sie diese Mehrheit aber nicht.

Uns ist wichtig, dass wir alle Beteiligungen unternehmerisch betreuen. Das ist auch bei Adecco gesichert. Unser Vater hat die Firma mit viel unternehmerischem Herzblut und Weitblick aufgebaut. Wir sind heute bei Adecco nicht nur über die Holding investiert, die ihre Gewinne ausschließlich der Stiftung zugutekommen lässt, sondern auch als einzelne Familienmitglieder - für Leidenschaft ist also auch dort gesorgt.

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