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Im Gespräch: Alba-Chef Eric Schweitzer : „Der Mensch braucht mindestens drei Mülltonnen“

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Früher zahlte der Bürger für die Beseitigung von Müll. Heute verdient der Entsorger mit der Vermarktung dieser Wertstoffe. Der Alba-Chef Eric Schweitzer über wachsende Abfallberge, verborgene Schätze und die Quietsche-Ente im Restmüll.

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          Früher zahlte der Bürger für die Beseitigung von Müll. Heute verdient der Entsorger mit der Vermarktung dieser Wertstoffe. Der Alba-Chef Eric Schweitzer spricht im Gespräch mit der F.A.S. über wachsende Abfallberge, verborgene Schätze und die Quietsche-Ente im Restmüll.

          Herr Schweitzer, wie viel Plastikmüll verträgt unser Planet noch?

          Ich spreche lieber von Rohstoffen oder Wertstoffen. Ihre Tonnen zu Hause sind im Grunde Rohstofflager. Deswegen ist die entscheidende Frage, wie wir diese Rohstoffe zurückgewinnen.

          Wenn Sie als Entsorgungsunternehmer Müll in Rohstoff umdefinieren, kann es aus Ihrer Sicht auf der Welt gar nicht genug davon geben.

          Beziehen wir diese Frage einmal nur auf Deutschland: Wir als Land haben nur zwei Rohstoffe. Der eine ist der, der in den Köpfen der Menschen steckt, also das Wissen und ihre Intelligenz. Der andere ist der, der sich im Abfall befindet. Aus beiden machen wir in Deutschland zu wenig, um eine Wohlstandsgesellschaft bleiben zu können.

          Bleiben wir beim Müll. Im Grunde sind wir doch mit einer Recycling-Quote unseres Siedlungsabfalls von 63 Prozent ziemlich gut.

          Sind wir nicht. Oder zumindest nicht gut genug. Allein durch Recycling haben wir im vergangenen Jahr für die deutsche Industrie Rohstoffimporte von 3,7 Milliarden Euro eingespart. Das ist schon nicht schlecht. Aber fragen Sie mich lieber, was in Zukunft möglich ist.

          Bitte.

          Es ist immer noch so, dass im Jahr rund 24 Millionen Tonnen Restabfälle - davon immerhin zwei Millionen Tonnen Kunststoff - in Verbrennungsanlagen landen. Allein die Aufgabe, diese Menge zu einem wesentlichen Teil als Rohstoff wiederzugewinnen, ist riesig. Das zu Ihrer Behauptung, für uns als Entsorgungsunternehmen könne es gar nicht genug „Plastik“ auf dem Planeten geben. Wir sollten nicht mehr darüber nachdenken, wie wir uns des Mülls entledigen, sondern darüber, wie wir daraus Rohstoffe gewinnen.

          Das geschieht doch seit Jahren. Immerhin haben wir bundesweit die gelbe Tonne.

          Richtig. Nur ist hier die Situation paradox. Ich darf den Joghurtbecher oder sonstige Leichtverpackungen hineinwerfen, aber eben nicht die ausgediente Quietsche-Ente, die nachweislich auch aus Kunststoff hergestellt wurde und damit ein Rohstoff ist. Die aber landet im Hausmüll und damit in der Verbrennungsanlage. Was für eine Rohstoffverschwendung!

          Also muss noch eine Tonne her, eine für Wertstoffe, die nicht Verpackung sind.

          Wenn Sie die Bürger fragen, dann wollen die nicht noch mehr Tonnen, sondern weniger. Sie würden am liebsten jeglichen Kunststoff, alle möglichen Metalle, Holz und auch noch den elektronischen Kleinschrott in eine einzige Tonne werfen.

          Jetzt sprechen Sie von der Wertstofftonne, die ja vom Umweltminister Norbert Röttgen vorgeschlagen wurde.

          Die Idee ist richtig. Im Grunde müssen Sie es den Menschen einfach machen: Sie sollten alles, was nicht nass ist, in eine Wertstofftonne tun sowie Papier und Glas getrennt sammeln.

          Wie viele Mülltonnen brauchte denn ein Haushalt?

          Mindestens drei, maximal vier. Mehr braucht kein Mensch. Eine für den feuchten Restmüll, eine für Bioabfälle, eine für Papier und eine für alle übrigen trockenen Wertstoffe, egal, ob Verpackung oder nicht. Damit ließen sich Abfälle in Deutschland bestmöglich recyceln.

          Schön einfach. Nur unken die Kommunen jetzt schon, dass dies alles teurer wird. Es muss ja deutlich mehr sortiert werden.

          Es wird nicht teurer. Ich behaupte jedenfalls, dass es ohne Mehrkosten für den Bürger geht, wenn das Recycling der Wertstoffe privatwirtschaftlich im Wettbewerb und somit effizient organisiert wird.

          Würde durch die Wertstofftonne eigentlich die Recycling-Quote steigen?

          Sicher. Nur sollte die Politik hier ambitionierter sein. Im Jahr 2020 soll die Quote laut dem neuen Gesetzentwurf 65 Prozent betragen. Aber wir haben heute doch schon 63 Prozent. Eine Steigerung von zwei Prozent in 10 Jahren ist nicht wirklich anspruchsvoll. Möglich sind 85 Prozent. Das ist zwar heute noch nicht machbar, aber wenn es der Minister ins Gesetz schreibt, wird es 2020 machbar sein. Ich möchte den Minister dazu ermutigen.

          Sie plädieren dafür, weil dies der Entsorgungswirtschaft nützt. Sie verdienen ja daran.

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