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Im Funkloch : Privatsender wollen aus DVB-T aussteigen

2015 nicht mehr über DVB-T zu sehen: Privatfernsehen von RTL Bild: dpa

Das Antennenfernsehen DVB-T wird für Privatsender offenbar immer unattraktiver: RTL Deutschland hat bereits den Ausstieg angekündigt. Nun stellt auch Pro Sieben Sat 1 den Übertragungsweg auf den Prüfstand.

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          Das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T wird für die privaten Rundfunksender immer unattraktiver. Nachdem RTL Deutschland bereits den Ausstieg aus diesem Übertragungsweg bis zum Jahr 2015 angekündigt hat, stellt auch die Pro Sieben Sat 1 Media AG DVB-T auf den Prüfstand. Bis Ende März solle eine Entscheidung getroffen werden, ob es mit der terrestrischen Verbreitung weitergehe, sagte eine Sprecherin der Münchner Sendergruppe am Donnerstag.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Es sind vor allem wirtschaftliche Gründe, die die beiden privaten Medienanbieter ins Feld führen. Fernsehen über DVB-T koste RTL etwa 30 mal so viel wie die Ausstrahlung über Satellit, sagte ein Unternehmenssprecher. RTL will seine Programme künftig nur noch im Kabel und per Satellit verbreiten. Über beide Wege erreicht RTL in Deutschland nach eigenen Angaben 95,8 Prozent aller Haushalte, während nur noch 4,2 Prozent über Antenne zuschauten. Sowohl bei RTL als auch bei Pro Sieben Sat 1 laufen die DVB-T-Verträge Ende 2014 aus. Im Großraum München ist schon früher Schluss: Hier werden die Sender RTL, RTL II, VOX und Super RTL schon vom Juli an nicht mehr über den terrestrischen Weg zu empfangen sein.

          Marc Schröder, Geschäftsführer der RTL Interactive GmbH, sprach von Investitionen in einem zweistelligen Millionenbereich, den DVB-T bis zum Jahr 2020 erforderlich mache. Gleichzeitig gebe es aber unsichere rechtliche Rahmenbedingungen. „Ein durch Bund und Länder gemeinsam garantierter stabiler Verbleib der terrestrischen Frequenzen im Verfügungsbereich des Rundfunks“ sei über das Jahr 2020 hinaus „nicht erkennbar“, sagte Schröder. Tatsächlich wurde zuletzt diskutiert, einige terrestrische Rundfunkfrequenzen von 2020 an für den Mobilfunk zu nutzen. Ohnedies sind über DVB-T nur etwa 30 Programme zu empfangen, während es über das Kabel durchschnittlich 93 und über Satellit 117 sind. Auch sorgt der Ausbau des hochauflösenden Fernsehen (HD) für immer größere Engpässe bei DVB-T. RTL Deutschland musste bereits hinnehmen, dass der neue Sender RTL Nitro und der Nachrichtenkanal N-TV bundesweit nicht über Antenne zu sehen sind. Bei Pro Sieben Sat 1 hat man die Hoffnung auf eine Weiterentwicklung der terrestrischen Verbreitung - wie bei DVB-T2 angedacht - noch nicht aufgegeben.

          Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten müssen wegen ihrer Pflicht zur Grundversorgung an dem unwirtschaftlichen Verbreitungsweg festhalten. ARD und ZDF kostete DVB-T laut Finanzkommission KEF pro Haushalt im vergangenen Jahr 37,26 Euro, während sie für Satellit 4,02 Euro und für Kabel sogar nur 2,32 Euro aufwenden mussten. Und obwohl die Öffentlich-rechtlichen dank der umstrittenen Umstellung der Rundfunkgebührenerhebung zu Jahresbeginn vermutlich erhebliche Mehreinnahmen zu erwarten haben, wollen sie ausgerechnet in der für sie günstigsten Infrastruktur Einsparungen vornehmen: Ebenfalls seit Jahresbeginn zahlen ARD und ZDF den großen Kabelunternehmen keine Einspeisegebühr mehr und wurden daraufhin vor mehreren Gerichten verklagt (F.A.Z. vom 7. Januar).

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