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Weg von der grünen Wiese : Ikea geht in die Fußgängerzone

  • Aktualisiert am

Grüne Wiesen vor der Tür wird es bei Ikea in Zukunft nur noch selten geben. Bild: Reuters

Ikea ändert die Strategie: Die nächsten Möbelhäuser sollen in den Innenstädten entstehen. Sogar geplante Projekte werden dafür gestoppt.

          Das schwedische Möbelhaus Ikea will in Deutschland künftig vor allem auf die Innenstädte setzen und stampft dafür bislang geplante Projekte ein. „Neue Märkte werden insbesondere in den Innenstädten und Metropolregionen entstehen. Format und Größe werden unterschiedlich sein“, sagte Johannes Ferber, Expansionschef von Ikea Deutschland, am Mittwoch.

          „Wichtig ist eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Auch Kunden ohne Auto müssen uns gut erreichen können.“ Ferber sagte: „Wir werden kaum noch neue Standardstores sehen und erst recht nicht auf der grünen Wiese.“

          Erste Erfahrungen in der Innenstadt hat Ikea seit 2014 mit der Filiale in Hamburg-Altona gesammelt. „Wir werden Altona so aber nicht wiederholen. Wir wollen individuelle Standorte entwickeln, zum Beispiel ohne komplettes Warenlager“, sagte der Manager. Vorstellbar seien Ikea-Geschäfte in der Fußgängerzone, einem Warenhaus oder einem Einkaufszentrum. Um die Lieferzeiten bei Online-Bestellungen zu verkürzen, plant Ikea mittelfristig sechs bis neun neue Verteilzentren in Deutschland. Dafür sollen 300 bis 400 Millionen Euro investiert werden.

          Bei neuen Projekten in den Innenstädten kann sich der Möbelriese auch zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten vorstellen, zum Beispiel Büros oder Wohnungen auf dem Dach eines Ikea-Hauses. „Wir trauen uns zu, solche Modelle zu entwickeln. Umgesetzt werden sollten sie dann mit lokalen Partnern“, sagte Ferber.

          Bereits geplante Projekte werden gekippt

          Vom Tisch ist das geplante Haus in Bottrop. „Die dezentralen Lage des Grundstücks abseits des Stadtzentrums ist nicht mehr zukunftsfähig“, sagte Ferber. Neben dem Neubau des bestehenden Hauses in Essen ist weiterhin eine Neuansiedlung in Bochum oder Herne vorgesehen, ein langfristig angedachter Standort in Castrop-Rauxel ist hingegen vom Tisch. „Im Ruhrgebiet bewertet Ikea das Potential inzwischen anders als noch vor ein paar Jahren“, sagte Ferber. Ob die Zahl der Möbelhäuser auf lange Sicht von derzeit 53 auf bundesweit 70 steigen wird, lasse sich angesichts der neuen Strategie schwer vorhersagen.

          In Bayern steht Memmingen auf dem Prüfstand. Das dort ursprünglich geplante Standard-Einrichtungshaus wird den Angaben zufolge nicht weiter verfolgt. Noch nicht entschieden ist, wie ein mögliches geändertes Konzept aussehen könnte. Das neue Haus in Nürnberg sowie der Neubau des Einrichtungshauses in München-Eching bleiben auf der Agenda. Format und Größe werden aber überprüft.

          Auch wenn Ikea in Deutschland künftig in die Innenstädte strebt, die bestehenden Häuser außerhalb der Zentren werden Ferber zufolge weiter eine wichtige Rolle spielen. "Die Kunden möchten sich Möbel ansehen und ausprobieren und später vielleicht online bestellen. Wichtig ist für uns eine enge Verzahnung von stationärem und Online-Handel". Sechs Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet Ikea Deutschland inzwischen online und verzeichnet jährlich zweistellige Zuwachsraten.

          Der Möbelhändler war im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/2017 (31. August) in Deutschland nicht mehr so schnell gewachsen wie zuvor. Auf ihrem wichtigsten Einzelmarkt setzten die Schweden knapp 4,9 Milliarden Euro um, was einen Zuwachs von 2,4 Prozent bedeutete. Zuvor hatte Ikea Deutschland ein Wachstum von 7 Prozent geschafft.

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