https://www.faz.net/-gqe-94yh2

Steuervermeidung : EU untersucht Ikeas Steuerzahlungen

  • Aktualisiert am

Auch in Deutschland sehr beliebt: Möbelhändler Ikea Bild: STEINBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ikea steht immer wieder in der Kritik, Steuerzahlungen zu umgehen. Jetzt schreitet die Europäische Union wegen eines umstrittenen Deals in den Niederlanden ein.

          2 Min.

          Nach einer Reihe von amerikanischen Konzernen nimmt die EU-Kommission nun auch das schwedische Möbelhaus Ikea wegen möglicher unzulässiger Praktiken zur Steuervermeidung ins Visier. Zwei Steuerabkommen mit dem niederländischen Staat könnten dem Franchise-Tochterunternehmen von Ikea einen unfairen Vorteil gegenüber anderen Unternehmen gegeben haben, erklärten die EU-Wettbewerbshüter am Montag. Daraus könne sich ein Verstoß gegen EU-Regeln zu Staatsbeihilfen ergeben.

          Der Konzern soll in den Jahren 2009 bis 2014 Steuern in Höhe von einer Milliarde Euro gespart haben, geht schon aus einem Bericht vom Februar 2016 hervor, den die Grünen im Europäischen Parlament in Auftrag gegeben hatten. Demnach soll Ikea in den Niederlanden, Luxemburg und Liechtenstein ein Netz an Tochtergesellschaften aufgebaut haben, zwischen denen Gewinne hin- und hergeschoben worden sind.

          Die Untersuchung, die die EU-Kommission jetzt eingeleitet hat, bezieht sich offenbar auf den Vorwurf, eine niederländische Tochtergesellschaft von Ikea habe Lizenzgebühren für geistiges Eigentum an eine Tochtergesellschaft in Luxemburg gezahlt. Ikea verwies damals darauf, dass einige Annahmen in dem Bericht falsch gewesen seien. Nun prüft die EU-Kommission, ob Ikea in den Niederlanden möglicherweise illegale Staatshilfe erhalten hat.

          „Alle Unternehmen, ob groß oder klein, multinational oder nicht, sollten ihren gerechten Steueranteil zahlen", betonte EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager am Montag. „Die Mitgliedstaaten können nicht zulassen, dass einige Unternehmen weniger Steuern zahlen, da sie ihre Gewinne anderswo künstlich verlagern können.“

          Ikea wies mögliche illegale Steuervorteile in den Niederlanden am Montag zurück. „Die Art und Weise, wie wir von den nationalen Behörden besteuert wurden, steht unseres Erachtens im Einklang mit den EU-Vorschriften“, teilte das Unternehmen am Montag mit. Die von den EU-Wettbewerbshütern angekündigte Prüfung könne Klarheit bringen und das bestätigen. Die Ikea-Gruppe und auch die in den Niederlanden ansässige Tochtergesellschaft Inter Ikea Systems hielten sich überall, wo sie aktiv seien, an die geltenden Steuergesetze und Vorschriften. Die Untersuchung sei Sache der EU-Kommission und der Niederlande. Ikea werde kooperieren und alle Fragen der Behörden beantworten.

          Ikea: Haben mehr als eine Milliarde im Jahr an Steuern gezahlt

          Die Inter-Ikea Holding hält die Markenrechte an Ikea und befindet sich wie der Ikea-Konzern im Besitz einer Stiftung. Der Konzern - das sind die Ingka Holding zusammen mit kontrollierten Unternehmen - betreibt als Franchisenehmer 355 Einrichtungshäuser in 29 Ländern und zahlt dafür Franchisegebühren an Inter Ikea. Im Geschäftsjahr 2016/2017 war der Jahresüberschuss in Folge von Umschichtungen stark gesunken, von 4,2 auf 2,5 Milliarden Euro. Der Umsatz übertraf mit 36,3 Milliarden Euro das Vorjahr nur um 1,7 Prozent.

          Auf die Erträge seien 800 Millionen Euro Steuern gezahlt worden, teilte das Unternehmen Ende November mit. Einschließlich anderer Steuern und Abgaben ergebe sich eine steuerliche Belastung von insgesamt 1,3 Milliarden Euro. Ikea sieht sich immer wieder Kritik ausgesetzt, das Geflecht aus Firmen diene dem Versuch, Steuerzahlungen zu umgehen.

          Die Europäische Union untersucht derzeit mehrere Steuerabkommen, die europäische Regierungen mit multinationalen Konzernen geschlossen haben, auf mögliche illegale Staatshilfe. So weigert sich etwa Irland, Steuernachzahlungen von bis zu 13 Milliarden Euro von Apple einzutreiben. Nach den EU-Beihilfevorschriften sind gezielte Steuervorteile für einzelne Unternehmen unzulässig. Auch Starbucks, Fiat und Amazon stehen wegen Steuervermeidung in der Kritik.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach Kritik an F.A.Z.-Beitrag : Thierse erwägt SPD-Austritt

          Im Streit mit der Parteiführung hat der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse seinen Austritt aus der SPD angeboten. Hintergrund des Streits ist ein Gastbeitrag Thierses in der F.A.Z., in dem er Kritik an einer rechten, aber auch linken „Cancel-Culture“ übte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.