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Isländische Fluggesellschaft : Icelandair feuerte erst alle Flugbegleiter – nun folgt der Rückzieher

  • Aktualisiert am

Die Fluggesellschaft Icelandair ist eine Tochtergesellschaft der börsennotierten Icelandair Group. Bild: obs

Von Montag an sollten Piloten der nationalen Fluggesellschaft von Island nicht mehr nur fliegen – sondern auch den Bordservice übernehmen. Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft seien gescheitert. Nun rudert Icelandair zurück.

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          Die isländische Fluggesellschaft Icelandair hatte angekündigt, alle seine Flugbegleiter zu entlassen und vorübergehend die Piloten für den Bordservice einzusetzen. Dies war das Ergebnis gescheiterter Tarifverhandlungen, berichtete die größte Tageszeitung des Landes, „Fréttablaðið“, bereits am Freitag. Seit Wochen verhandelte die nationale Fluggesellschaft mit der inländischen Flugbegleiter-Gewerkschaft Flugfreyjufélag Íslands (FFÍ) über neue Tarifverträge für das Bordpersonal. Nun rudert Icelandair nach neuen Verhandlungen zurück.

          Nach weiteren Gesprächen zwischen der Airline und der Gewerkschaft gab die Fluglinie bekannt, dass in der Nacht zu Sonntag ein neuer Tarifvertrag verhandelt worden sei. Dieser werde schon am Montag den FFÍ-Mitgliedern vorgelegt. Die Abstimmung über die neue Vereinbarung ende demnach am 27. Juli. Im neuen Verhandlungsprozess sei man zu einer Einigung gekommen, die gleichzeitig eine höhere Effizienz der Arbeitsabläufe gewähre, ohne dass das Gehalt des Personals gekürzt würde, hieß es. „Ich hoffe aufrichtig, dass die Mitglieder von FFÍ dem neuen Vertrag zustimmen“, sagte der Geschäftsführer Bogi Nils Bogason am Sonntag.

          Eine Einigung schien bereits vor einigen Wochen in Sicht: Ende Juni einigten sich beide Parteien auf einen Tarifvertrag mit niedrigeren Löhnen für die Flugbegleiter. Doch der Vertrag scheiterte in der Urabstimmung unter den Gewerkschaftern. Nur 24 Prozent der FFÍ-Mitglieder stimmten dem Ergebnis der Tarifverhandlungen zu – der Großteil, rund 73 Prozent, lehnte den Vertrag ab.

          Piloten nun doch nicht im Service

          Am Freitag teilte das Management der börsennotierten Airline mit, dass die Verhandlungen gescheitert seien. Die harte Konsequenz: Icelandair wollte alle im Unternehmen beschäftigten Flugbegleiter entlassen. In einer Erklärung teilte die Fluggesellschaft mit: „Das Ziel war es, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten und gleichzeitig die Vergütungen und Arbeitsbedingungen des Kabinenpersonals zu sichern.“ Eine einvernehmliche Lösung ließe sich nicht finden.

          Von Montag an sollten die Piloten ursprünglich die Verantwortung für die Sicherheit an Bord der Flugzeuge übernehmen, und damit vorübergehend die Serviceaufgaben der Flugbegleiter durchführen. Das ist offenbar vom Tisch. Die Leistungen an Bord wären aus diesem Grund auf ein Minimum beschränkt worden, wie die Airline am Freitag mitteilte. Nach der Nachverhandlung in der Nacht zum Sonntag soll das Kabinenpersonal nun doch weiterhin für die Serviceleistungen an Bord eingestellt bleiben.

          „Die Zeit läuft ab und wir sind gezwungen, nach anderen Wegen zu suchen. Diese Entscheidung war hart, aber sie war notwendig“, hatte Geschäftsführer Bogason gegenüber „Fréttablaðið“ am Freitag zur Kündigung des Bordpersonals erklärt. Für weitere Verhandlungen wäre demnach die Gewerkschaft infrage gekommen, die zuvor die Flugbegleiter und Piloten der isländischen Billigfluggesellschaft Wow Air vertreten hatte. Das Unternehmen stellte 2019 seinen Flugbetrieb ein, nachdem es Insolvenz angemeldet hatte. Ausländisches Besatzungspersonal einzustellen lehnte der Geschäftsführer hingegen strikt ab.

          Wie ein Großteil der Flugbranche leidet auch Icelandair unter schwindenden Passagierzahlen in der Corona-Krise. Schon vor einiger Zeit kündigte das Unternehmen aus diesem Grund an, eine finanzielle Umstrukturierung vorzunehmen. Die Neuverhandlung der Tarifverträge war ein Teil davon. Analysten hatten darauf hingewiesen, dass das Unternehmen auf dem globalen Markt durch die überdurchschnittliche Entlohnung des Kabinenpersonals weniger wettbewerbsfähig sei als seine Konkurrenz.

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