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IATA : Luftfahrtbranche halbiert Gewinnprognose

Steigende Treibstoffkosten belasten die Ergebnisrechnung der Fluggesellschaften. Bild: ddp

Der Dachverband der Fluggesellschaften IATA hat die Gewinnprognose für das laufende Jahr drastisch nach unten korrigiert. Vor allem der hohe Ölpreis und derTsunami nach dem Erdbeben in Japan belasten die Ergebnisse.

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          Die Fluggesellschaften halbieren ihre Gewinnerwartung. Hatte der Branchenverband International Air Transport Association (IATA) im März noch mit einem Reingewinn der Fluggesellschaften von 8,6 Milliarden Dollar in diesem Jahr gerechnet, so nahm er die Schätzung nun auf 4 Milliarden Dollar zurück. 2010 hatte der summierte Gewinn noch bei 18 Milliarden Dollar gelegen. "Nachhaltige Profitabilität wird unsere größte Herausforderung sein", sagte Giovanni Bisignani, der scheidende Generaldirektor der IATA auf der Jahrestagung des Verbandes am Montag in Singapur. Auch deshalb wehrt sich die gesamte Branche immer lauter gegen die für den 1. Januar geplante Einführung eines Emissionshandelssystems in der Europäischen Union (EU). Christoph Franz, der neue Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, geht von zusätzlichen Kosten bis zu 350 Millionen Euro aus. "Wir kaufen schon Karbonrechte", sagte Franz.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Noch liegt der Grund für die deutliche Verringerung der Gewinnprognose der Gesellschaften aber vor allem im hohen Ölpreis. "Ein Anstieg von einem Dollar je Barrel Öl kostet die Linien 1,6 Milliarden Dollar" sagte Bisignani. Sein Verband erwartet nach zuvor 96 Dollar nun einen durchschnittlichen Ölpreis von 110 Dollar je Barrel. Auf den Gewinnen lasten zudem die Atomkatastrophe in Japan und die Unruhen in Nordafrika und dem Mittleren Osten. Die Branche rechnet mit einem Umsatz von 598 Milliarden Dollar für dieses Jahr. Wird der Gewinn 2011 wirklich auf 4 Milliarden Dollar sinken, fällt die Marge auf nur noch 0,7 Prozent. "Da bleibt kaum noch ein Puffer für weitere Schocks", sagte Bisignani mit Blick auf die bisherigen Katastrophen dieses Jahres.

          Kampfansage an die EU-Klimapolitik

          Die Kosten für Treibstoff summieren sich inzwischen auf 30 Prozent der Gesamtkosten einer Fluggesellschaft. Vor einer Dekade machten sie noch 13 Prozent aus. Bisignani warf den Ölkonzernen vor, nicht an der Entwicklung umweltgerechter Treibstoffe interessiert zu sein: "Sie stecken sich lieber eintausend Milliarden Gewinn ein, statt in grüne Initiativen zu investieren."

          Teuer, aber ungeeignet für den Umweltschutz empfindet die Branche die geplante Einführung von Emissionshandelsrechten in der EU. Nachdem Amerika dagegen klagt, und China und Russland mit dem Streichen von Landerechten oder der Einführung eigener Gebühren drohen, wehrt sich nun auch Indien.

          Airbus-Vorstandschef Tom Enders hat in einem Brief an die EU-Kommissarin für Klimaschutz, Connie Hedegaard, vor dem "Wahnsinn, einen Gegenschlag zu riskieren" gewarnt. "Die EU ignoriert mit ihrem Plan internationales Recht", sagte Bisignani. "Damit sackt sie sich einzig 1,5 Milliarden Dollar im nächsten Jahr ein, ohne die Emissionen zu verringern." Auch die Angaben zur Auslastung korrigierte der IATA-Chef nach unten: Statt mit einem Wachstum von 5,6 Prozent im Passagiermarkt rechnen die Fluggesellschaften nun mit 4,4 Prozent Zuwachs, im Frachtbereich dürften sie statt um 6,1 Prozent um 5,5 Prozent zulegen. In der Erholung nach der Krise haben die Fluggesellschaften ihre Kapazitäten kräftig aufgestockt. Nun aber hinkt das Nachfragewachstum hinterher.

          Weitgehend unbeeindruckt von den Risiken bauen die Asiaten ihre Kapazitäten aus. So hatte etwa die indische Fluggesellschaft Kingfisher Airlines während der Finanzkrise Lieferungen neuer Flugzeuge verschoben. Nun muss Gründer Vijay Mallya Maschinen leasen: "Wir haben im vergangenen halben Jahr Ladefaktoren gesehen, wie ich sie noch nie erlebt habe." Gleichwohl sieht IATA den Gewinn in Asien von 10 Milliarden Dollar 2010 auf 2,1 Milliarden Dollar schmelzen. Damit bleibt Asien aber die Region mit dem höchsten Gewinn der Welt. In Amerika dürfte der Reingewinn von 4,1 Milliarden 2010 auf 1,2 Milliarden Dollar sinken. In Europa werde er nach 1,9 Milliarden Dollar noch 500 Millionen Dollar betragen, schätzt IATA.

          Aufgrund der Unruhen wird der Gewinn der Gesellschaften im Mittleren Osten sogar von 900 auf nur noch 100 Millionen Euro schmelzen. IATA vertritt 230 Fluggesellschaften, die 93 Prozent des Linienverkehrs abwickeln. Nach einer Dekade an der Spitze der IATA folgt dem Italiener Giovanni Bisignani in wenigen Wochen Tony Tyler, der bisherige Vorstandsvorsitzende von Cathay Pacific Airways aus Hongkong.

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