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HypoVereinsbank : „Wir haben viel an Vertrauen verloren“

  • Aktualisiert am

Theodor Weimer Bild: ddp

Mitten in der Finanzkrise hat Theodor Weimer das Amt des Vorstandssprechers übernommen. Jetzt will der 49 Jahre alte gelernte Investmentbanker die HVB neu ausrichten - und das Denken der Banker auch. Sein erstes Interview.

          Mitten in der Finanzkrise hat Theodor Weimer die Führung übernommen. Jetzt will der 49 Jahre alte, gelernte Investmentbanker die HVB neu ausrichten: Sicherheit statt Risiko, Vertrauen statt Rendite. Aus der Krise müsse eine neue Bankergeneration die richtigen Lehren ziehen, wenn sie glaubwürdig werden will, sagt Weimer in seinem ersten Interview.

          Herr Weimer, an einem Tag, an dem die Bank of America noch mal knapp 34 Milliarden vom Staat braucht, sind die Anleger erleichtert. Spielt die Börse verrückt, oder ist die Finanzkrise schon wieder vorüber?

          Nein, die Krise ist nicht vorüber, es hat auch niemand mit Blick auf die Dimension der Krise übertrieben. Wenn ein Land wie Deutschland etwa in diesem Jahr einen historischen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von voraussichtlich 6 Prozent erlebt, kann auch niemand mehr diese Krise kleinreden. Die Finanzmärkte sind extrem verunsichert, gleichzeitig ist aber auch enorm viel Liquidität im System vorhanden. Und wenn Sie sich nun vergegenwärtigen, dass das weltweite Finanzsystem drei- bis viermal so groß ist, wie die gesamte Weltwirtschaftsleitung, ist völlig klar, dass es Kurse in die eine oder andere Richtung bewegen kann, wenn die Marktteilnehmer kurz- oder mittelfristig mit Gewinnen rechnen.

          Aber viele institutionelle Investoren haben doch ihre Aktienquote nach unten gefahren. Kaufen jetzt vor allem Zocker?

          Nicht nur. Es gibt einen großen Anlagedruck bei vielen institutionellen Investoren, auch das treibt die Kursschwankungen.

          Die Gefahr eines neuerlichen Stimmungsumschwungs ist also noch riesengroß?

          Ja, die Volatilität ist noch sehr groß, das ist Teil unseres gegenwärtigen Problems. Das Finanzsystem wird derzeit neu kartiert – das macht es nicht einfacher.

          Manche sagen, diese Krise haben risikofreudige Investmentbanker verursacht. Sie selbst waren Investmentbanker, doch jetzt sieht es bei der HVB so aus, als würde ausgerechnet unter Ihrer Regie das Investmentbanking zum Feigenblatt des Firmenkundengeschäfts …

          … das sehe ich gänzlich anders. Investmentbanking ist für ein Haus wie das unsere ein zentraler Bestandteil. Das geben wir nicht auf. Denn unsere Firmenkunden erwarten ein breites Produktspektrum von uns, sie fragen nicht nur den einfachen Kredit nach, sondern auch komplexere Produkte, von Währungsabsicherungen bis hin zu M&A-Strategien. Gleiches gilt im übrigen auch für unsere privaten Kunden. Für eine internationale Bank ist die Nähe zum Kapitalmarkt auch noch aus einem anderen Grund wichtig: nur so erhalten sie die nötigen Informationen, um zu verstehen, was an den Kapitalmärkten los ist. Diese Krise ist nicht das Ende der Welt und auch nicht des Investmentbanking.

          Ihre Investmentbanker können also weitermachen wie bisher auch?

          Nein, das heißt es nicht! Wir passen derzeit unser Investment Banking an die gänzlich veränderten Marktbedingungen an und verabschieden uns auch von einzelnen Geschäftsfeldern, die nicht zum direkten Kundengeschäft gehören. Zum Beispiel führen wir den Eigenhandel stark zurück. Wir brauchen keine Geschäfte, bei der wir mit dem Kapital der Bank am Kapitalmarkt „zocken“. Das ist nicht unser Geschäft. Die Unicredit Gruppe gehört zu den Banken, die es sich aufgrund ihrer breiten Kundenbasis leisten können, mit deutlich geringerem Risikoprofil zu operieren. Wir haben rund 40 Millionen Privat- und Firmenkunden, das ist die eigentliche Stärke unserer Gruppe und diese Kunden wollen und werden wir weiter mit Investmentbanking Produkten versorgen.

          Ihren Firmenkunden gewähren Sie aber bevorzugt nur noch dann Kredit, wenn er Ihnen auch Produkte des Investmentbanking abnimmt, oder?

          Das ist Teil unserer Strategie. Die HVB verfolgt sehr stark den Ansatz des loyalitätsbasierten Banking, wir wollen „Unternehmensbankier“ sein.

          Klingt nach altem Wein in neuen Schläuchen. Früher Investmentbanker, heute Unternehmensbankier.

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