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Hypo Real Estate : Geschichte eines Niedergangs

Vorstandsvorsitzender Georg Funke enttäuscht die Anleger Bild: AP

Die Hypo Real Estate ist aus der Ausgliederung des Immobiliengeschäfts der Großbank HVB entstanden, die später vom italienischen Unicredit übernommen wurde. Im Oktober 2003 ging das Unternehmen an die Börse und schaffte es gut zwei Jahre später in den Dax.

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          Es war vor wenigen Monaten, im Münchener Prominentenlokal Käfer. Dort versicherte der Vorstandsvorsitzende der Hypo Real Estate, Georg Funke, der Kauf seiner Aktie wäre beim aktuellen Kurs von gut 22 Euro langfristig eine hoch attraktive Anlage. Schließlich wollte das amerikanische Beteiligungsunternehmen Flowers zu einem solchen Kurs bis zu einem knappen Viertel seines Kapitals übernehmen. Flowers stieg auch ein - aber genützt hat es der Hypo Real Estate nichts.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Dabei war es in den vergangenen Monaten um das Unternehmen und seine Aktie eher still geworden. Funke hatte zwar schon vor Monaten angekündigt, angesichts der Finanzmarktkrise könne er keine Prognose für das Jahresergebnis 2008 abgeben. Aber das hatte ihm die Börse verziehen - schließlich waren die Zeiten unsicher und anderen Banken ging es noch viel schlechter.

          Enttäuscht hatte Funke, als der Kurs im Januar 2008 nach einer revidierten Ergebniskorrektur um 35 Prozent eingebrochen war. In der Folge forderten Aktionäre seinen Rücktritt. Sie warfen Funke vor, er habe noch einige Zeit zuvor zu gute Stimmung für das Unternehmen verbreitet. Funke selbst hielt die Vorwürfe für nicht angebracht. Später war aus Finanzkreisen zu hören, es habe zwischen Funke und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz eine Auseinandersetzung über die angemessene Kommunikationspolitik gegeben. Funke, ein erfahrener und in der Vergangenheit durchaus erfolgreicher Banker, habe aktiver kommunizieren wollen, sei aber von Viermetz ausgebremst worden.

          Die Hypo Real Estate ist aus der Ausgliederung des Immobiliengeschäfts aus der in München angesiedelten Großbank HVB entstanden, die später vom italienischen Unicredit übernommen wurde. In der Folge zog sie sich aus dem Hypothekengeschäft mit Privatkunden weitgehend zurück und konzentrierte sich auf die Finanzierung gewerblicher Immobilien und auf die Staatsfinanzierung. Als sie den Staatsfinanzierer Depfa für 5 Milliarden Euro übernahm, spendete die Börse Applaus. Die Staatsfinanzierung gilt zwar als margenarmes, aber bombensicheres Geschäft. Dass die Schieflage der Hypo Real Estate nun ausgerechnet in dieser Sparte anfiel, hat Kenner des Marktes überrascht. Ein Versuch, die bedeutende deutsche Immobilienbank Eurohypo zu übernehmen, scheiterte am Widerstand des Managements. Die Eurohypo ging an die Commerzbank.

          Am vergangenen Freitag schloss die Aktie der Bank mit 13,49 Euro - 62,6 Prozent weniger als zu Jahresende 2007. Das entsprach einem Börsenwert von 2,9 Milliarden Euro. Damit war die Hypo Real Estate der billigste Konzern im Deutschen Aktienindex. Der Konzern beschäftigte Ende 2007 2000 Mitarbeiter, davon knapp 900 in Deutschland.

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