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Hypo Real Estate : Funke geht - Wieandt übernimmt

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Der seit Tagen in der Kritik stehende Chef des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate, Georg Funke, verlässt mit sofortiger Wirkung das Unternehmen. Seinen Posten übernimmt Axel Wieandt, der bisherige Strategiechef der Deutschen Bank.

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          Der seit Tagen in der Kritik stehende Chef des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, verlässt mit sofortiger Wirkung das Unternehmen. Im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat habe der Vorstandschef sein Amt und alle seine Mandate niedergelegt, teilte das Institut am Dienstag in München mit. Sein Amt soll der bisherige Strategiechef der Deutschen Bank Axel Wieandt übernehmen, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück am Dienstag vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages.

          Steinbrück kündigte an, der gesamte Vorstand des Münchener Immobilienfinanzierers werde ausgetauscht - mit Ausnahme eines „sehr tüchtigen“ weiblichen Mitglieds. Der neue Vorstand werde sich dann vor allem aus Vertretern der Deutschen Bank und der Commerzbank zusammensetzen, sagte Steinbrück. Auch an der Spitze des Aufsichtsrates erwarte er einen Wechsel. Chefkontrolleur der HRE ist Kurt Viermetz, der sich auch an der Spitze des Aufsichtsrates der Deutschen Börse mit Rückzugsforderungen konfrontiert sieht.

          Beste Kontakte in der Branche

          Wieandt ist bei der Deutschen Bank unter anderem für die Beteiligungen des Konzerns zuständig. Er stammt aus einer traditionsreichen Bankerfamilie und hat beste Kontakte in der Branche. Der jüngere Bruder Carl Wieandt wurde im vergangenen Jahr zum Partner für Corporate Finance bei der Unternehmensberatung McKinsey berufen. Seine Schwester Dorothee Blessing ist Partnerin bei Goldman Sachs, sein Schwager Martin Blessing Vorstandssprecher der Commerzbank.

          Axel Wieandt soll das Ruder übernehmen
          Axel Wieandt soll das Ruder übernehmen : Bild: dpa

          Die Banken sollen bereits am Sonntag im Gegenzug zu ihrer Aufstockung des Kredits für die Hypo Real Estate durchgesetzt haben, dass der Vorstandsvorsitzende alsbald sein Amt niederlegt. Auch ein Amtsverzicht von Aufsichtsratschef Kurt Viermetz sei seinerzeit vereinbart worden.

          Scharfe Kritik von Steinbrück

          Am Montag hatte Steinbrück nach der jüngsten Zuspitzung der Krise bei der Hypo Real Estate Group ein Verbleiben des Managements ausgeschlossen und sich damit indirekt Forderungen nach Rücktritten angeschlossen. „Ich halte es für undenkbar, dass mit dem jetzigen Management weiter zusammengearbeitet wird,“ hatte Steinbrück im „Deutschlandfunk“ gesagt.

          In der Nacht zum Montag hatten sich Regierung und Finanzwirtschaft nach einer Zitterpartie um das Überleben des Konzerns auf ein neues Rettungspaket für den Immobilienfinanzierer geeinigt, nachdem der erste Hilfsplan Ende vergangener Woche gescheitert war. Insgesamt beläuft sich das neue Rettungspaket für die HRE-Gruppe auf 50 Milliarden Euro. (Siehe auch: Einigung über Rettungspaket für Hypo Real Estate)

          Jahrelang hatte Georg Funke als einer der unauffälligsten Manager in der deutschen Finanzbranche gegolten. Heimlich, still und leise hatte er den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate vor knapp drei Jahren in den Deutschen Aktienindex Dax geführt. Große Auftritte waren dem bodenständigen Gelsenkirchener schon immer fremd, er ließ lieber die Zahlen sprechen. Anfang des Jahres handelte sich der 53-Jährige dann erstmals Probleme ein, als er völlig überraschend Belastungen durch die Finanzkrise einräumte und den Aktienkurs damit auf Talfahrt schickte. Mit der Zeit stellte sich dann heraus, dass das Ausmaß der Schieflage immens war. Das Debakel gipfelte in der jüngsten Rettungsaktion mit dem Milliardenrettungspaket vom Sonntag.

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