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Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht : Österreich verhindert den Domino-Effekt

Bild: F.A.Z.

Die Hypo Group Alpe Adria war Jörg Haiders Vorzeigebank. Dubiose Geschäfte haben sie ins Trudeln gebracht: In Kroatien, Serbien und Bosnien soll sie mehr als tausend Luxus-Jachten sowie etliche Privat-Jets finanziert haben. Das Ende der HGGA hätte das Bundesland Kärnten und andere österreichische Banken vor riesige Probleme gestellt.

          Die Republik Österreich verstaatlicht die marode Hypo Group Alpe Adria (HGAA) zur Gänze. Damit ist das sechstgrößte Geldhaus des Landes gerettet. Ein Konkurs, so argumentiert die Regierung, hätte enormen Schaden für die Balkanländer und andere österreichische Banken nach sich gezogen. Für je einen symbolischen Euro geben die Bayerische Landesbank, das Land Kärnten und die Grazer Wechselseitige Versicherung ihre Anteile an der Hypo Alpe Adria ab. Zur Rettung der Bank müssen aber auch sie beitragen, stellt Österreichs Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) klar: „Manche haben gesagt, die Alteigentümer wollten die Bank verschenken, der Republik aufs Auge drücken. Aber unser Ziel war es, ganz klar die Eigentümer der Bank hart in die Pflicht zu nehmen.“

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Die Bank mit rund 130.000 Kunden in Österreich und einem besonders starken Engagement in Südosteuropa erhält nun eine Kapitalzufuhr in der Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro, damit sie bilanzieren kann. Insgesamt 1,05 Milliarden Euro kommen von den Alteigentümern. Den größten Anteil leistet der Mehrheitsgesellschafter BayernLB mit 825 Millionen Euro. Von der Grazer Wechselseitigen kommen 30 Millionen Euro, Kärnten steuert 200 Millionen Euro bei. Der Bund wird sich mit bis zu 450 Millionen Euro an der Rettung beteiligen. Die österreichischen Großbanken Erste Bank, Raiffeisen, Bank Austria und Bawag haben 500 Millionen Euro an Sicherheiten zugesagt.

          Harte Auseinandersetzungen mit Kärnten

          Es habe mit Kärnten sehr harte Auseinandersetzungen gegeben, sagte Pröll. Dass der Kärntner Landeshauptmann Dörfler der finanziell angespannten Lage des Landes zum Trotz noch am Samstag Geldgeschenke in Form eines Teuerungsausgleichs an die Kärntner Bürger verteilt hat, hat das Verhandlungsklima wohl nicht verbessert. Der Teuerungsausgleich wurde noch vom früheren Landeshauptmann Haider eingeführt und kostet das Land rund drei Millionen Euro jährlich.

          Endstation Klagenfurt: die Zentrale der Hypo Group Alpe Adria

          Pröll betonte die Dramatik der Situation. "Die Gefährdungslage dieser Bank hat eine enorme Bedrohung für den Finanzstandort Österreich und den gesamten Wirtschaftsraum bedeutet, und wir konnten diese Gefahr für die Sparer und die Wirtschaftstreibenden gemeinsam abwenden." Ein Drittel der Spareinlagen soll in den vergangenen Wochen von der Hypo Alpe Adria abgeflossen sein. Auch Depots wurden gekündigt. Die Notenbank hat zuletzt alle zwei Stunden die Spareinlagenentwicklung bei der Hypo überprüft. Ihr Ende wäre auch für das Land Kärnten problematisch gewesen. Dem am stärksten verschuldeten Bundesland Österreichs hätte dann aufgrund von Haftungen selbst die Zahlungsunfähigkeit gedroht. Raiffeisen und Erste Group wiederum sorgten sich dem Vernehmen nach nicht nur um ihre Tochtergesellschaften in Ost- und Südosteuropa, falls die Hypo dort kollabiert wäre. Eine Insolvenz hätte sich wohl auch wieder in ihren eigenen Börsenkursen gespiegelt.

          Von einer Provinzbank zu einem der Marktführer

          Die HGAA haben nach einem rasanten Aufstieg von einer Provinzbank zu einem der Marktführer in Südosteuropa dubiose Geschäfte ins Trudeln gebracht. Nach Zeitungsberichten hat die Bank allein in Kroatien, Serbien und Bosnien mehr als tausend Luxus-Jachten sowie etliche Privat-Jets finanziert. Ein Teil dieser Leasing-Verträge und Objekte ist nicht mehr auffindbar. Die Bank war zudem mit dem Aufstieg Jörg Haiders verbunden. Dessen Prestigeobjekte vom Schlosshotel Velden bis zur Klagenfurter Seebühne finanzierte sie genauso wie die Verschuldung des Landes Kärnten, von dem Haider einst selbstbewusst behauptete: "Am Kärntner Wesen wird diese Republik genesen."

          Haider ist seit einem Jahr tot. Sein Modell Kärnten hat sich wie die angebliche Musterbank Hypo als Debakel erwiesen. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) wies den Vorwurf früherer Versäumnisse zurück. Seit Jahren sei die Bank durch die FMA "massiv unter Beobachtung" gestanden, unter anderem sei der Vorstand ausgetauscht worden, sagte der FMA-Vorstandsdirektor Helmut Ettl am Montag dem Fernsehsender ORF. In der Hypo hätten "Risiken geschlummert", die erst das vor einem halben Jahr gestartete Asset-Screening offengelegt habe.

          Die Hypo Group Alpe Adria ist nun auch ein Fall für die österreichische Justiz geworden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt bestätigte Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue, Beschuldigte nannte sie nicht. Zu vermuten ist, dass der Verkauf von Anteilen an die BayernLB eine Rolle spielt, zumal auch die Münchner Staatsanwaltschaft in dieser Richtung ermittelt.

          Die HGAA ist nach dem Gemeindefinanzierer Kommunalkredit die zweite österreichische Bank, die verstaatlicht wird. Dass weiteren Instituten ein ähnliches Los droht, schließt der Sprecher der österreichischen Kreditwirtschaft, Walter Rothensteiner, vorerst aus. Ein am Montag von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) veröffentlichter Stresstest zeigt jedoch eine "gemischte Lage" der Branche. Die Kreditinstitute können demnach zwar gute operative Erträge erzielen, die Kreditausfälle steigen jedoch weiterhin an. Der anhaltend hohe Fremdwährungsanteil erhöhe dieses Risiko weiter. Sorgen macht der Notenbank unter anderem die Entwicklung in der Ukraine, wo die Lage auch innenpolitisch instabil sei. Die Stresstests deuten aus Sicht der OeNB insgesamt jedoch auf eine "vertretbare Risikotragfähigkeit" hin.

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