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Depressive Hunde : Wenn Bruno auf die Couch muss

  • -Aktualisiert am

Was bedeutet dieser Blick? Hundepsychologen können helfen. Bild: Picture-Alliance

Schweißpfoten und eingezogener Schwanz: Auch Hunde haben Ängste. Wird es zu schlimm, können sie zum Psychotherapeuten.

          4 Min.

          Kerstin Gebhardt arbeitet seit acht Jahren als Hundepsychologin in einer Hundeschule in Düsseldorf. Zuvor war sie 24 Jahre in einem Versicherungsunternehmen tätig, doch der Beruf gefiel ihr nicht mehr. Eines Tages sah sie eine Werbung im Fernsehen, in der eine Hundenanny von ihrer Tätigkeit erzählte, und war beeindruckt. „Ich hatte Angst vor Hunden, aber dieser Beruf hat mich trotzdem enorm angesprochen“, erzählt Gebhardt. Sie legte sich einen Hund zu.

          Grundsätzlich kann sich jeder Hundepsychologe nennen, aber nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes brauchen Personen, die beruflich mit Tieren arbeiten, eine behördliche Erlaubnis dafür. Es gibt verschiedene Institute, in denen man sich ausbilden lassen kann. „Ich habe ein zweijähriges Studium bei der Akademie für Tiernaturheilkunde abgeschlossen“, erzählt Daniela Esch.

          Sie ist seit sieben Jahren Hundepsychologin; ihr Unternehmen heißt „Folgerichtig“ und befindet sich im saarländischen Tholey. Auch Hundeschulen bieten Ausbildungen an. „Man hat immer die Gelegenheit, sich fortzubilden, und es ist auch wichtig, sich dies zu Herzen zu nehmen. Vor allem sollte man viel Praxis machen, da die Verhaltensweise eines Hundes ein wirklich komplexes Thema ist“, erklärt Esch.

          Wo kommt das Tier her?

          Zunächst versuchen Hundepsychologen, ein auffälliges Verhaltensmuster eines Tieres zu verstehen. „Es ist sehr wichtig zu wissen, wo der Hund herkommt, denn wenn beispielsweise die Mutter ängstlich war, wirkt sich dieses Verhalten auf die Welpen aus“, erklärt Gebhardt. Wenn ein Hund an einem ruhigen Ort groß wird, entwickelt er eher eine Angst vor lauten Geräuschen als ein Hund, der in einer Großstadt aufwächst. „Man kann sich das gar nicht vorstellen, was für eine Umstellung das ist, wenn ein Hund, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, plötzlich in einer Stadt lebt. Die Geräusche sind komplett fremd für ihn“, betont Gebhardt.

          Diagnosen aus der Humanpsychologie werden auch Vierbeinern gestellt, denn sie sind ebenfalls soziale Wesen, die Gefühle wie Angst, Trauer und Verlust verspüren können. Die Hunde­psychologie beschreibt verschiedene Ängste: zum Beispiel vor dem Autofahren, vor Geräuschen, vor Trennung. Tatsächlich drücken Hunde Ängste durch Mimik und Gestik aus. Sie können vor Angst Magenschmerzen oder Schweißpfoten bekommen. Angst verdeutlichen sie mit einem eingezogenen Schwanz oder nach hinten gelegten Ohren. „Diese Angst hat einen Ursprung, und man sollte sie verstehen und verhindern, dass sie immer mehr wächst“, sagt Gebhardt.

          Die meisten Hunde brauchen nicht mehr als vier Therapiestunden. „Ganz oft liegen die Probleme auch an der Kommunikation zwischen Hund und Hundebesitzer“, berichtet Esch. Manche Vierbeiner sind freilich schon seit einigen Jahren in Behandlung; auf ein gelöstes Problem folgt das nächste ungelöste. Dann müsse man sich die Vergangenheit des Hundes ganz genau anschauen, und nicht nur daran ar­beiten, das nach außen hin proble­matische Verhaltensmuster zu beseitigen, sagt Esch. Einige Hunde wüchsen mit ­Alkoholikern auf, erzählt sie. Die Tiere waren Schutzhunde, weshalb sie gegenüber Menschen übertrieben aggressiv sind.

          Alle drei bis vier Wochen

          In der Corona-Pandemie haben sich mehr Menschen gegen die Einsamkeit einen Hund zugelegt. Nach dem Verband für das Deutsche Hundewesen sind im Jahr 2020 im Vergleich zu den vorherigen Jahren 20 Prozent mehr Hunde gekauft worden. Das bedeutet im Prinzip auch mehr Arbeit und Einkommen für die Hundepsychologen.

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