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Umsatz schrumpft kräftig : Boss schafft trotz Krise einen Gewinn

Metzingen: Eine Schaufensterpuppe steht auf dem Firmengelände der Hugo Boss AG vor dem Schriftzug des Unternehmens. Bild: dpa

Die Vermarktung über Influencer und Online-Kanäle wird immer wichtiger. Wegen der instabilen Lage wagt der Modekonzern aber keine Prognose.

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          Viele Modeunternehmen zählen zu den Verlierern der Corona-Krise. Umso mehr überrascht, dass Hugo Boss für das dritte Quartal einen Gewinn ausweist – 3 Millionen Euro zwar nur, was quasi nur eine schwarze Null ist, aber vor Zinsen und Steuern liegt das Ergebnis bei 15 Millionen Euro, und so errechnet sich bei 533 Millionen Euro Umsatz immerhin eine Umsatzrendite von 2,7 Prozent. An der Börse kamen die Zahlen von Hugo Boss gut an. Der Kurs der Aktie, die vor der Pandemie noch über 40 Euro kostete, zuletzt aber sogar unter 20 Euro gerutscht war, stieg am Vormittag um 6 Prozent auf 21,25 Euro.  

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Ein wichtiger Treiber des Wachstums ist das Online-Geschäft. Das habe im dritten Quartal ein Plus von 70 Prozent gezeigt, obwohl 95 Prozent der Geschäfte in aller Welt wieder geöffnet waren, berichtete Boss-Vorstandssprecher Yves Müller in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Mit „Online only“-Sortimenten spreche man sehr erfolgreich vor allem auch jüngere Käuferschichten an. Dabei spielen Influencer eine immer größere Rolle. Die 25 Jahre alte Hamburgerin Caro Daur beispielsweise, die auf Instagram 2,6 Millionen Follower hat, war Partnerin für eine kleine Sonder-Kollektion. „Der Trenchcoat war innerhalb von Stunden ausverkauft“, schilderte Yves Müller den Erfolg. Ähnlich positiv sei die Zusammenarbeit mit dem britischen Boxer und Schwergewichtsweltmeister Anthony Joshua verlaufen.  

          Verlust von 249 Millionen Euro

          Weil der Online-Handel von Hugo Boss lange Zeit vernachlässigt wurde, macht das Geschäft am Gesamtumsatz trotzdem erst 10 Prozent aus. Noch dieses Jahr werde man aber die Schwelle von 200 Millionen Euro Umsatz überschreiten, bis zum Jahr 2022 sollen es 400 Millionen Euro sein, lautet die Prognose von Müller. Eine Prognose für den Gesamtkonzern in diesem Jahr wagt er dagegen nicht, zu groß seien die Unsicherheiten über die Pandemie und die Maßnahmen der Politik, sagte er.  

          Influencerin Caro Daur hat eine kleine Kollektion für Boss entworfen.
          Influencerin Caro Daur hat eine kleine Kollektion für Boss entworfen. : Bild: HUGO BOSS AG

          Bisher hat der durch Corona bedingte drastische Rückgang des Tourismus für die Geschäfte in vielen Großstädten, vor allem auch in Amerika für herbe Umsatzrückgänge gesorgt, während das Geschäft in China kräftig gewachsen ist.  Nach drei Quartalen liegt Boss mit einem Umsatz von 1,36 Milliarden Euro um ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. 

          Obwohl der Modekonzern mittlerweile die Gewinnzone erreicht hat, addierte sich seit Jahresanfang ein Verlust (Ebit) von 249 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein positives Ebit von 220 Millionen Euro erreicht wurde. Finanzvorstand Yves Müller, der die Position des Vorstandssprechers übernommen hat bis im nächsten Jahr der Daniel Grieder als Boss-Chef antritt, betonte aber die finanzielle Solidität von Hugo Boss. Kreditmöglichkeiten im hohen dreistelligen Millionenbereich würden nicht in Anspruch genommen.

          Vielmehr sei es durch straffes Kostenmanagement gelungen, im dritten Quartal einen starken Free Cashflow von 155 Millionen Euro zu erwirtschaften, fast doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Bemerkbar mache sich, dass man viele Zugeständnisse bei den Mieten erreicht habe, außerdem habe man die Personalkosten um 15 Prozent reduziert. Noch immer seien 300 Mitarbeiter in Kurzarbeit, zudem seien Fristverträge nicht verlängert worden, so Müller;  betriebsbedingte Kündigungen habe es aber keine gegeben. Aktuell beschäftigt Hugo Boss knapp 14.000 Mitarbeiter, das sind 900 Beschäftigte weniger als vor einem Jahr.  

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