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Hugo Boss : „Für neue Schuhe finden Frauen immer einen Grund“

  • Aktualisiert am

Claus-Dietrich Lahrs in seinem Büro in Metzingen Bild: Daniel Pilar

Claus-Dietrich Lahrs steht seit August vorigen Jahres an der Spitze von Hugo Boss. Im Gespräch mit der Sonntagszeitung spricht er über globale Modetrends, die Ansprüche seines Großaktionärs und die Einkäufe seiner Frau.

          Claus-Dietrich Lahrs steht seit August vorigen Jahres an der Spitze von Hugo Boss. Im Gespräch mit der Sonntagszeitung spricht er über globale Modetrends, die Ansprüche seines Großaktionärs und die Einkäufe seiner Frau.

          Herr Lahrs, Hugo Boss hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Wofür steht die Marke heute?

          Für Qualität, Internationalität und perfekte Passform.

          Das klingt wenig sexy. Hat Boss keinen Glamour mehr?

          Oh doch, Hugo Boss hat weltweit ein hervorragendes Image, aber eben nicht nur. Genau das hebt uns von der Konkurrenz ab. Inszenierung ist überaus wichtig, schneidern für die Menschen rund um den Globus ist dagegen eine Kunst.

          Vor sieben Monaten sind Sie von Dior zu Boss gewechselt. Zuvor war das Unternehmen monatelang führungslos. Was fanden Sie vor - Chaos?

          Wir sind hier am Fuße der Schwäbischen Alb, da gibt es kein Chaos.

          Ihr Vorgänger Bruno Sälzer und seine Gefolgsleute sind geflüchtet vor dem neuen Eigner, der Private-Equity-Gesellschaft Permira.

          Hugo Boss hat vor anderthalb Jahren einen neuen Großaktionär bekommen. Das ist ein ganz gewöhnlicher Vorgang.

          Ungewöhnlich war, wie Herr Sälzer öffentlich gegen die neuen Herren gestichelt hat.

          Da hat man eventuell Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen. Das war lange vor meiner Zeit. Das interessiert mich auch nicht. Wir konzentrieren uns auf die Zukunft.

          Na ja, Permira hat sich gleich eine gewaltige Sonderausschüttung genehmigt, die mit Kredit finanziert wurde. Ohne die wäre Boss besser gewappnet für harte Zeiten.

          Die Sonderausschüttung hat uns in keiner Weise geschadet. Wir sind weniger verschuldet als die meisten Dax-Konzerne, und zukünftige Investitionen bleiben gesichert.

          Wie stark hat das Image der Marke unter der öffentlichen Debatte gelitten?

          Gar nicht.

          Kommen Sie!

          Schauen Sie: Nur in Deutschland grassieren diese irrationalen Heuschrecken-Ängste. Ich habe mich mit dem Aktionär auf eine langfristige Wachstumsstrategie verständigt. Dazu gehört, unsere starke Marke in Deutschland weiter zu stärken. Wir sind eine emotional aufgeladene Marke, da schlagen die Wellen eben hoch, wenn es stürmt.

          Der Sturm drückt sich in Zahlen aus: Ihr Umsatz sinkt in Deutschland.

          Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Deutschland ist ein extrem schwieriger Markt, auch für unsere Konkurrenz. Alle leiden. Wir aber sind eine internationale Marke, machen nur noch ein Fünftel des Umsatzes hier. Asien und Amerika, das sind unsere Wachstumsmärkte.

          Dumm nur, dass diese Länder in diesen Zeiten nicht leicht zu erobern sind. Wer wartet dort auf Hugo Boss?

          Unsere Geschäfte in New York laufen erfreulich gut. Es gibt noch viele Amerikaner, die gut gekleidet sein wollen . . . Aber im Ernst: Amerika ist ein Land der Extreme. Die rutschen jetzt tief, dafür sind sie auch als Erste wieder obenauf. Da bin ich ganz sicher.

          Woher nehmen Sie den Optimismus?

          Ich weiß das, weil ich für Louis Vuitton lange in Amerika gearbeitet habe.

          Und wann geht's allgemein wieder aufwärts?

          Ich rechne nicht vor 2010 mit einer leichten Entspannung.

          Ihre Großkunden wie P&C kürzen derzeit ihre Orders um zwanzig Prozent, so ist in der Branche zu hören.

          Die Zahl ist völlig überzogen. Unsere Partner sind vorsichtig und bestellen zurückhaltend. Alle spüren das. Unsere Konkurrenz sicher mehr als wir.

          Luxus verkauft sich immer, hieß es bislang. Jetzt leiden auch die Nobelmarken?

          Da wird einiges korrigiert. Die Luxusbranche kann sich von den Erschütterungen nicht abkoppeln. Die Branche hat in den letzten Jahren eine Breitenwirkung erzielt und ist damit genauso von der Krise betroffen. Aber eines ist sicher: Mode wird in unserem Leben immer eine besondere Rolle spielen.

          Warum eigentlich? Keiner braucht jeden Frühling einen neuen Anzug.

          Wir haben wenige Ausdrucksmittel, die so effizient sind wie ein gutsitzender, eleganter Anzug. Darauf verzichtet keiner, der sich daran gewöhnt hat.

          Deswegen trägt auch niemand die Schuhe der letzten Saison?

          Also, als Frau sollten Sie wissen, dass man bei Schuhen nicht sparen sollte. Ich sehe doch bei meiner Frau, wie schnell da zehn pro Jahr zusammenkommen.

          Ihre Frau gönnt sich nur zehn Paar neue Schuhe im Jahr?

          Na, vielleicht 15. Hohe, flache, Sneakers, casual, schicke, feste, regenfeste - mir erscheinen die Gelegenheiten, für die Frauen Schuhe brauchen, fast unerschöpflich. Ähnlich wie bei Handtaschen. Wir Männer haben es da viel einfacher. Handtaschen brauchen wir eigentlich nicht. Und Schuhe sind bei den meisten Männern ein überschaubares Gebiet. Wir lassen uns eher von Uhren begeistern.

          Wie viel legt Ihre Klientel für einen Anzug hin?

          Je nach Marke und nach Region. In Deutschland verlangen wir in einem sehr aggressiven Handelsumfeld 400 bis 1000 Euro für einen Anzug. Im Ausland liegen die Preise um einiges höher.

          Franzosen, Chinesen, Russen ist der gleiche Anzug deutlich mehr wert?

          Ich sage ja, der deutsche Markt ist hart umkämpft.

          Deswegen zielen Ihre Expansionspläne auf das Ausland.

          Wir müssen noch internationaler werden . . .

          . . . und in Asien expandieren. Das hat Ihr Vorgänger uns auch schon erzählt.

          Er hat davon geredet. Wir machen es.

          Wie das? Sie rechnen mit sinkenden Umsätzen in diesem Jahr. Sie sparen, legen Neubauprojekte auf Eis. Sind das die richtigen Voraussetzungen, um einen Markt in schwierigen Zeiten zu erobern?

          Das Jahr 2009 mag hart werden, aber Hugo Boss ist bestens darauf vorbereitet. Wir haben in der Region Asien bereits 550 Verkaufspunkte und planen, weitere zu eröffnen. Wir werden auch 2009 gezielt investieren.

          Sie starten eine Luxus-Linie "Tailored Line". Steht den Boss-Kunden der Sinn nach mehr Luxus?

          Wir wollen unsere Marken weiter voneinander abheben. Unsere Premium-Marke Boss Selection wird sich noch mehr von Boss Black unterscheiden. Wir werden beweisen, dass wir auf höchstem Niveau mitspielen können.

          Zugleich bauen Sie Personal ab: Im Januar haben Sie 150 Mitarbeiter entlassen.

          Die 150 Arbeitsplätze sind weggefallen, weil wir umstrukturiert haben.

          Allein 20 Manager haben den Konzern verlassen.

          Und wir vermissen sie nicht. Der Schnitt war notwendig und hat nichts mit der Krise zu tun. Wir werden 2009 auch vereinzelt wieder einstellen, keine Sorge.

          Sie führen den Konzern momentan zu zweit. Früher gab es mehr Vorstände. Finden Sie keine Verstärkung?

          Im Laufe dieses Jahres sitzen wir hier sicher wieder zu dritt.

          Man kann sich also bewerben?

          Auf jeden Fall.

          Angeblich verlangt Ihr Großaktionär Permira zehn Prozent Wachstum pro Jahr. Können Sie Wunder vollbringen?

          Kann ich, aber ich sage nicht welche. Wir werden die Welt mit Hugo Boss immer wieder überraschen, seien Sie sicher! Aber zehn Prozent Wachstum, das ist für 2009 natürlich illusorisch. Das ist auch unserem Mehrheitsaktionär klar.

          Sie kürzen die Dividende, und auch sonst haben Boss-Aktionäre keinen Grund zur Freude. Wie lange reicht die Geduld Ihrer Investoren?

          Anders als stets kolportiert wird, ist Permira aus langfristigem Interesse bei uns eingestiegen. Das Unternehmen hat schon viele schwierige Situationen erlebt und stets bewiesen, dass es gestärkt daraus hervorgeht. So wird es auch diesmal sein, glauben Sie mir. Boss ist und bleibt eines der erfolgreichsten Modeunternehmen der Welt, und wir werden unsere Aktionäre auch in Zukunft zufriedenstellen.

          Haben Sie sicherheitshalber bei Frau Merkel wegen Staatshilfe vorgesprochen?

          Nein. Ich glaube, die hat genügend Bewerber. Hugo Boss ist kein Fall für Staatshilfe. Wir schaffen das in Eigenregie.

          Sie garantieren, dass es Boss in einem Jahrzehnt noch gibt?

          Sonst säße ich nicht hier.

          Und der Sitz des Konzerns bleibt in Metzingen?

          Na, aber ganz sicher. Unser Blick auf die Schwäbische Alb ist wunderschön.

          Der neue Boss in Metzingen

          Claus-Dietrich Lahrs ist seit August vorigen Jahres Vorstandsvorsitzender von Hugo Boss . Der 45 Jahre alte Bielefelder startete seine Karriere in der Quandt -Gruppe und wechselte 1992 zum Juwelier Cartier . Fünf Jahre später unterschrieb er bei Louis Vuitton und stieg 2004 zum Geschäftsführer von Christian Dior Couture auf. Damit stand er als erster deutscher Manager an der Spitze eines Pariser Modekonzerns.

          Nach den Schlagzeilen um den Großaktionär Permira soll Lahrs nun die Mode wieder zum Hauptthema bei Boss machen. Über den Finanzinvestor verliert er, anders als sein Vorgänger, kein schlechtes Wort. 2008 sank der Gewinn von Hugo Boss um 27 Prozent auf 112 Millionen Euro. Der Umsatz stieg leicht auf 1,69 Milliarden Euro.

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