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Hugo Boss : „Das Wichtigste für die Frau sind Schuhe und Taschen“

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Macht mit Parfüms Profit: Boss-Chef Bruno Sälzer Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer spricht im Interview über steigende Profite mit Parfüm und Leder, Zara als Vorbild für die Modebranche, den ersten Anzug aus China, den Standort Honolulu und Bundeskanzlerin Merkel als interessanten Typ, „kleidungsmäßig“.

          5 Min.

          Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer spricht mit dern Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über steigende Profite mit Parfüm und Leder, den ersten Anzug aus China und den Standort Honolulu.

          Herr Sälzer, womit ist mehr verdient: Mit einem Anzug für 400 Euro oder einer Tasche zum selben Preis?

          Das hängt von der Stückzahl ab. Vermutlich spielt dies bei der Tasche noch eine größere Rolle als bei Anzügen. Exakt weiß ich das nicht, noch gehören wir bei Leder-Accessoires zu den kleinen bis mittelgroßen Anbietern. Im Moment bauen wir einen Betrieb in Italien auf, um dann in Großserie Taschen zu produzieren.

          Boss-Werbung

          Ihre Wettbewerber, die großen Lifestyle-Konzerne, verdienen heute bereits 80 Prozent mit Accessoires, Sie nicht mal 10 Prozent. Haben Sie da was verpaßt?

          Das ist keine Frage von Fehlern, sondern der Geschichte. Hugo Boss kommt aus der klassischen Bekleidung. Marken wie Gucci oder Louis Vuitton hatten ihre Kernkompetenz immer bei den lederorientierten Accessoires.

          Um in die Liga der ganz Großen aufzusteigen, braucht es Schuhe und Taschen?

          Keine Frage. Wir wollen zu den ganz großen Spielern gehören. Und dann muß man das machen.

          Ab welchen Umsätzen lohnt sich das Geschäft mit Leder?

          2006 werden wir sicher weit über 100 Millionen Euro einnehmen mit Schuhen, Taschen, Kleinlederwaren. Und ab dann lohnt es sich. 100 Millionen ist so ein Punkt. Den müssen Sie überschreiten.

          Und dann schnell wachsen.

          Natürlich. Wenn der Bereich 2006 nur um elf Prozent steigt, dann hätten wir einen Fehler gemacht. Ob es dann 20 oder 28 Prozent werden, ist zweitrangig. Schließlich kommen wir bei den Accessoires von Null. Daß wir da überhaupt so schnell in die Luxusklasse vorgestoßen sind, ist ein extremer Erfolg. Für unsere Verhältnisse war das ein Blitzstart.

          Zu Ihrem Konzept gehören eigene Läden nur für Taschen und Schuhe. Rechnet sich das?

          Ja. Die Zahlen für die ersten beiden Geschäfte, in Amsterdam und Frankfurt, liegen nach drei Monaten über den Erwartungen. Dieses Jahr werden nochmal 20 reine Shops für Accessoires dazukommen. Mit denen schreiben wir schon im ersten Jahr schwarze Zahlen - im Unterschied zur Damenmode.

          Damit haben Sie 50 Millionen Euro versenkt.

          Die sind weg, unwiderruflich. Zum Glück machen wir mit Boss woman jetzt schon eine ganze Zeit Gewinn. Der Umsatz ist die letzten beiden Jahre um 38 beziehungsweise 36 Prozent gestiegen.

          Kann es sein, daß das Geschäft mit Taschen einfacher und profitabler ist, weil die Figur der Kundin keine Rolle spielt?

          Klar, es gibt keine Probleme mit der Paßform. Ob Größe 38 oder 42, das ist für die Wahl der Tasche egal.

          Das hat den Vorteil, daß Ihre Stammklientel, die Männer, auch als Käufer in Frage kommen.

          Nein. Das kaufen nur Frauen. Männer kennen sich da nicht aus, leider. Es ist schon ein Fortschritt, wenn die ihre Anzüge selbst kaufen. Deren Modebewußtsein und Stilsicherheit hat zugenommen. Vor zehn Jahren sahen Sie oft einen tollen Anzug und unmögliche Schuhe dazu - solche Ausreißer findet man heute nicht mehr.

          Sie behaupten, Frauen ticken anders als Männer: Ob eine Marke hip ist oder nicht, entscheiden die nicht anhand der Kleider, sondern anhand der Taschen.

          Das ist so. Bei der Damenmode können Sie nur groß werden mit den Accessoires. Was der Anzug beim Mann ist, das ist bei der Frau der Schuh, die Tasche. Vermutlich die Tasche noch mehr. Alle erfolgreichen Marken sind über die Tasche und den Schuh aufgestiegen.

          Und alle Designer bieten den dazugehörigen Duft - in unterschiedlicher Aufmachung, mit unterschiedlichem Namen und abgefüllt meist von Procter & Gamble, ohne daß der Kunde das merkt.

          Wenn Sie im Geschäft vor 150 Düften stehen, spielt es keine Rolle, ob die Vertriebsmannschaft von Procter die da reinverkauft hat oder L'Oreal oder Unilever. Die Kraft einer Marke zeigt sich am Regal. Da entscheidet sich: Was macht die Faszination von Boss aus im Unterschied zu Gucci oder Armani?

          Wieviel verdienen Sie pro verkauftem Flakon?

          Für die Lizenz zahlt uns Procter einen festen Betrag pro Jahr, dazu eine umsatzabhängige Beteiligung.

          Wie hoch ist die? Teilen Sie 50 zu 50?

          Nein. Procter hat ja den gesamten Kostenblock, die bekommen deutlich mehr als wir. Der Anteil der Namensgeber ist immer einstellig - je stärker die Marke, um so höher. Wir liegen sicher am oberen Ende, da Hugo Boss sich weltweit vermarkten läßt. Wir sind mit Abstand die größte Männer-Duftmarke der Welt.

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