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Hugo-Boss-Chef Lahrs: : „Das Handy ist zum Accessoire geworden“

  • Aktualisiert am

Claus-Dietrich Lahrs Bild: ddp

Hugo Boss hat sich längst vom schwäbischen Herrenschneider zum internationalen Modekonzern entwickelt. Im Gespräch mit der F.A.Z. spricht der neue Chef von Boss, Claus-Dietrich Lahrs, über Permira, Preise und Prestige.

          Hugo Boss hat sich längst vom schwäbischen Herrenschneider zum internationalen Modekonzern entwickelt. Neue Duftmarken setzt nun der 45 Jahre alte Claus-Dietrich Lahrs, der seit August Boss-Chef ist.

          Wer die Boss-Firmenzentrale betritt, sieht sofort das Fitness-Studio. Nutzen Sie das auch, Herr Lahrs?

          Ja, einmal pro Woche. Das ist prima, da kommt man automatisch mit Mitarbeitern ins Gespräch. Bei Hugo Boss haben die vielfältigen Möglichkeiten, Sport zu treiben, die Kultur geprägt. Wir pflegen einen besonderen Kampfgeist: Man kämpft gemeinsam für ein großes Ziel.

          Auf dem Weg zum großen Ziel sind Boss eine ganze Reihe von Führungskräften abhandengekommen, nachdem drei von vier Vorstandsmitgliedern im Streit mit dem Finanzinvestor Permira das Unternehmen verlassen haben.

          Wir haben ein erstklassiges, sehr internationales, weltoffenes Management, verbunden mit der vielgerühmten schwäbischen Tüchtigkeit. Man kann sich auch darauf verlassen: Ein Wort ist ein Wort. Außerdem ist die Umsetzungsgeschwindigkeit einmal getroffener Entscheidungen sehr hoch.

          Permira ist vor allem dadurch aufgefallen, dass der Finanzinvestor sich bei Hugo Boss eine satte Dividende genehmigt hat, für die sogar ein Kredit aufgenommen werden musste.

          Mit der gegenwärtigen Kapitalstruktur sehe ich genügend Spielraum für unsere zukünftigen Investitionspläne. Wir stehen damit nach wie vor besser da als der Durchschnitt der im M-Dax notierten Unternehmen.

          In welchem Zustand haben Sie Hugo Boss vorgefunden?

          Seit Jahren schon habe ich Boss beobachtet. Daher wusste ich, dass Boss das attraktivste Unternehmen dieser Branche in Deutschland ist. Es gibt keine andere deutsche Marke, die so erfolgreich Mode und Accessoires für internationale Märkte entwickelt. Und ich wusste, dass es hier Menschen gibt, die nicht nur darüber sprechen, sondern es auch tun. Meine Einschätzung hat sich bestätigt. Zugleich sehe ich, dass Boss noch viel Potential hat.

          Wo sehen Sie denn das größte Potential?

          Wir werden die Prioritäten ändern und wesentlich konzentrierter die Internationalisierung vorantreiben. Die Marke Boss ist auf der ganzen Welt bekannt. Diese nahezu hundertprozentige Bekanntheit muss in Umsatz verwandelt werden. Dabei ist unser Ziel, rund 50 Prozent des Geschäfts außerhalb Europas zu erzielen, während es bisher erst 30 Prozent sind. Damit würde Boss auch unabhängiger werden von der konjunkturellen Entwicklung einzelner Regionen.

          Das klingt nicht wirklich revolutionär. Die Internationalisierung galt doch bisher schon als großes Ziel.

          Ja, aber die Entwicklung fand in der Vergangenheit stark in Europa statt. Die Chancen in Asien und Amerika wurden unterschätzt. Aber ich bin überzeugt: In diesen Regionen wird die Wachstumsdynamik in der Zukunft stärker sein, ungeachtet der jetzigen Krise. In Asien haben wir die Situation, dass die Konsumenten gerade erst dabei sind, sich ein Bild über die Marken zu machen. Da haben wir noch die einmalige Chance, dieses Bild zu formen. Dabei gilt: Je weiter man von zu Hause weggeht, desto eindeutiger muss die Botschaft der Marke sein.

          Die da lautet?

          Hugo Boss ist unerreicht in Qualität, Modernität und vor allem Passform. Diese Kernkompetenzen müssen wir in den Vordergrund rücken. Außerdem gilt, dass Boss heute eine Größenordnung erreicht hat, die es notwendig macht, die vorhandenen Marken schärfer abzugrenzen und sie eindeutiger zu positionieren. Für unser Label Boss Orange planen wir im nächsten Jahr – für die Kunden wird das im übernächsten Jahr sichtbar – einen kompletten Relaunch.

          Wie unterscheiden sich die Boss-Marken dann?

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