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Hühnergrippe : Die Sorge vor der tödlichen Hühnergrippe wächst

  • Aktualisiert am

Bisher gab es keine Übertragung von Mensch zu Mensch Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Ein Ausbruch der Hühnergrippe in Asien könnte Verkehr und Handel zum Erliegen bringen, mit gefährlichen Folgen für die Wirtschaft. Einziger Gewinner ist der Pharmakonzern Roche, der ein wirksames Medikament produziert.

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          Gut 20.000 Haushalte in Hongkong erhalten dieser Tage Post von der Stadtverwaltung. Darin liegt ein weißes Päckchen. In ihm finden Mundschutz, Pillen und ein Thermometer Platz. Ein beigelegtes Handbuch gibt Anweisungen, wie die Ansteckung mit Grippe vermieden werden kann.

          2.600 Kilometer südlich, auf der Singapurer Insel Pulau Ubin, müssen die Bauern bis Mittwoch kommender Woche ihr Federvieh keulen - sonst droht eine Strafe von 10.000 Singapur-Dollar (4.900 Euro) und einem Jahr Gefängnis.

          In der indonesischen Hauptstadt Jakarta prüfen Fachleute der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Blutprobe eines Arbeiters aus Süd-Sulawesi auf den Verdacht der Ansteckung mit dem Virus H5N1 - der Hühnergrippe. Sie wird auch auf der Tagesordnung der Regierungschefs der führenden Industrienationen G8 bei ihrem Treffen in Großbritannien im Juli stehen.

          Warnsignale aus Asien

          Die Hühnergrippe zieht immer weitere Kreise in Asien und treibt nun auch den Rest der Welt zum Handeln. Noch springt das Virus nur von Geflügel auf Menschen über. Breitet es sich aber erst von Mensch zu Mensch aus, könnte dies zu einer globalen Katastrophe führen, die ihren Ursprung in Asien fand. Deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sind kaum abzusehen.

          "Alle Fachleute sind sich einig: Die nächste Pandemie wird kommen, ja ist überfällig", sagt David Ho, der das Aids-Forschungszentrum in New York leitet und nun hilft, die Vogelgrippe zu erforschen. "Wir haben keine Ahnung, ob eine Pandemie in der nächsten Woche oder im nächsten Jahr ausbrechen wird", sagt Klaus Stohr, der die Grippebekämpfung der WHO leitet.

          "Es gibt keine Sicherheiten, aber es gibt Sorgen." Und die wachsen. "Anders als Erdbeben geben Pandemien Warnsignale - und all diese leuchten derzeit in Asien", heißt es im Wissenschaftsmagazin "Nature".

          Verbreitung könnte Millionen töten

          Beim Ausbruch der spanischen Grippe 1918/19 starben weltweit zwischen 20 und 40 Millionen Menschen. Die asiatische Grippewelle 1957 und die Grippe in Hongkong 1968 hingegen kosteten jeweils weniger als eine Million Menschenleben.

          "Damals aber zählte China 790 Millionen Menschen und 12,3 Millionen Stück Geflügel. Heute liegen die Zahlen bei 1,3 Milliarden Menschen und 13 Milliarden Stück Federvieh. Entsprechend sind die Werte für andere asiatische Länder gewachsen - ein unglaubliches Brutgebiet für Viren", warnt Michael T. Osterholm vom Zentrum für Infektionskrankheiten der Universität Minnesota.

          Die WHO rechnet damit, daß bei einer Verbreitung des H5N1-Virus 1,5 Milliarden Menschen behandelt werden müßten. Zwischen zwei und sieben Millionen könnten sterben. Osterholm will 40 Millionen Tote nicht ausschließen.

          Ausbruch kostet bislang 8 bis 12 Milliarden Dollar

          Schon das vorsichtigste Planspiel aber birgt dramatische Folgen für die Wirtschaft der Region, ja der Welt. "Regierungen würden bei einem Ausbruch sofort Auslandsreisen und den Außenhandel einschränken, ja müßten sie beenden", warnt Osterholm. Dieses Szenario weckt in Asien Erinnerungen an die vor zwei Jahren grassierende Lungenkrankheit Sars, in deren Folge Handel und Reiseverkehr zum Erliegen kamen.

          Ende 2003 wurde das Virus H5N1 in Thailand und Vietnam entdeckt. Die dadurch ausgelöste Grippe grassierte in China, Indonesien, Japan, Kambodscha, Korea und Laos. Seit 2003 zählte die WHO 97 Ansteckungen eines Menschen und 54 Tote. Mehr als 140 Millionen Stück Federvieh wurden seitdem geschlachtet, der Welthandel mit Geflügel hat enorm gelitten.

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