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Deutscher Weltmarktführer : Thermostate für Auto-Stresstests und die Raumfahrt

  • -Aktualisiert am

Unistate sorgen in Labors für exakte Temperaturen und stabile Prozessbedingungen. Bild: Huber Kältemaschinenbau

Huber Kältemaschinenbau produziert Prozessthermostate. Die Technik gilt als führend auf der Welt in der Lösung anspruchsvoller Temperieraufgaben.

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          „Was haben Raumfahrt und ein kühles Bier gemeinsam?“ Dieser Werbespruch der Peter Huber Kältemaschinenbau AG ist auf Schulbussen im Ortenaukreis zu sehen. Das Offenburger Unternehmen, das zu 100 Prozent im Besitz der Familie Huber ist, stellt Temperiergeräte her. Man verkauft vor allem Prozessthermostate der „Unistat“-Modellreihe. Die Technik gilt als führend auf der Welt in der Lösung anspruchsvoller Temperieraufgaben.

          „Unistate sorgen in unzähligen Forschungslaboratorien, Pilotanlagen und Kilo-Labors für exakte Temperaturen und stabile Prozessbedingungen. Unistate werden zudem für Temperatursimulationen und temperaturabhängige Materialprüfungen und Stresstests in fast allen Industriebranchen eingesetzt“, erklärt Pressesprecher Michael Sauer. „Die Listenpreise reichen von rund 800 Euro für den kleinsten Einhängethermostat bis zu mehreren hunderttausend Euro für ein Unistat-Temperiersystem.“

          Zu den wichtigsten Kunden zählen Audi, BMW und Volkswagen; sie nutzen die Produkte für Stresstests an Motoren und Getrieben. Andere Einsatzgebiete sind die temperaturabhängige Prüfung von Lebensmitteln, Kosmetikprodukten und Baustoffen sowie die Simulation von Alterungsprozessen.

          Spektakuläres Projekt

          „Hier zählen Unternehmen wie Nestlé, Coca-Cola, Henkel, Schwarzkopf und Unilever zu unseren Kunden“, berichtet Sauer. Die Produkte werden außerdem verwendet in der Temperierung von Forschungs- und Produktionsreaktoren. Kunden sind dann Chemie- und Pharmakonzerne wie BASF, Bayer, Roche und Ratiopharm.

          Ein besonderer Auftrag war die Mitwirkung an einem spektakulären Projekt. Am 12. November 2014 landete erstmals eine Raumsonde, die Philae, auf einem Kometen. Zuvor wurden aufwendige Tests durchgeführt, um die Bedingungen auf dem Himmelskörper zu simulieren. An ihnen war Huber beteiligt.

          Es wurde eine Hochvakuum-Klimakammer aufgebaut, die schnell wechselnde und sehr tiefe Temperaturen für die Tests benötigte. Für die Temperierung der Tests und der Bauteile wurden Unistat-Temperiersysteme eingesetzt.

          Eintritt in Cannabis-Industrie

          Das Unternehmen beschäftigt mehr als 350 Mitarbeiter. 2018 stieg der Umsatz auf knapp 60 Millionen Euro. „Rund 70 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt“, sagt Sauer. Problematisch sei die Abhängigkeit von Kältemitteln. „Aufgrund der globalen Bemühungen um den Klimaschutz ist der Zuliefermarkt für Kältemittel seit einigen Jahren ziemlich turbulent.“ Die Preise schwankten stark.

          Wegen dieser Abhängigkeit stellte das Unternehmen im Oktober 2018 ein weiteres Umwälzkühler-Modell, den Unichiller CO2, vor. Dieser arbeitet mit CO2 als Kühlflüssigkeit, das um einiges unschädlicher ist als die bisher üblichen Kältemittel.

          Um auf dem eigenen Nischenmarkt Weltmarktführer zu bleiben, müsse man permanent an Innovationen arbeiten, sagt Sauer. „Ein aktuelles Beispiel dafür ist der erfolgreiche Eintritt in einen jungen Wachstumsmarkt: die Cannabis-Industrie.“ Sie wachse wegen der Legalisierung von Cannabis in mehreren amerikanischen Bundesstaaten erheblich. „Im Zuge des Verarbeitungsverfahrens werden auch Temperierlösungen nachgefragt.“

          Auch in der Bierherstellung

          Was haben nun Raumfahrt und ein kühles Bier gemeinsam? Beides wird mit Huber Temperiertechnik erforscht. „Bei Raumsonden müssen beispielsweise extreme Temperaturänderungen simuliert werden“, erklärt Sauer. Ein Beispiel ist das Vorbeifliegen einer Raumsonde an der Sonne. Die Oberfläche der Raumsonde erwärmt sich in wenigen Minuten um mehrere hundert Grad Celsius. „Solche Verhältnisse werden mit Unistaten in Vakuumkammern simuliert.“ In der Bierherstellung werden die Produkte eingesetzt, um die Haltbarkeit zu bestimmen.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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