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Umsatz steigt um ein Viertel : Noch trotzt Huawei dem Bann Amerikas

Noch trotz Huawei dem Bann Amerikas. Bild: dpa

Seitdem Huawei keine Teile und Software von amerikanischen Zulieferern mehr erhält, verlangsamt sich das Wachstum des chinesischen Konzerns. Trotzdem sind die Verkaufszahlen überraschend gut – zu gut, um wahr zu sein?

          Die Gesetze der Ökonomie schienen nicht zu gelten am Dienstagnachmittag, als im südchinesischen Shenzhen der Technologiekonzern Huawei seine Quartalsergebnisse präsentierte: „Wir kämpfen um das Überleben und versuchen gleichzeitig zu wachsen.“ So beschrieb der derzeitige Vorstandsvorsitzende Liang Hua die Situation, in der sich das strategisch wichtigste Unternehmen Chinas befindet, nachdem es von der amerikanischen Regierung im Mai mit einem Bann belegt wurde.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Nachdem Washington Huawei auf eine schwarze Liste („Entity List“) gesetzt hat, dürfen amerikanische Zulieferer wie die Chiphersteller Qualcomm und Intel sowie Google, Hersteller des Smartphone-Betriebssystems Android, nicht mehr ohne Weiteres ihre Produkte an den chinesischen Konzern liefern. „Kämpfen ums Überleben“ meint, dass Huawei auf die Technologie aus Amerika angewiesen ist.

          Oder doch nicht? Das „gleichzeitige Wachsen“ von Huawei in seinem Überlebenskampf gelingt augenscheinlich überraschend gut. Die Zahlen für die Erlöse im zweiten Quartal, die Vorstandschef Liang präsentierte, sind mehr als ordentlich. Um 23 Prozent ist der Umsatz des Konzerns in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen. 2018 hatte das Wachstum im ersten Halbjahr nur 15 Prozent betragen.

          Der „kontrollierbare“ Bann

          Das ist überraschend. Noch im Juni hatte Huawei-Gründer Ren Zhengfei, der eigentliche Chef im Konzern, davon gesprochen, dass der Bann Amerikas seinem Unternehmen im laufenden Jahr ein stagnierendes Wachstum nahe Null bescheren werde. Weil die Kunden in aller Welt es sich nun zweimal überlegen würden, ob sie sich ein Smartphone zulegen, dessen Betriebssystem Android möglicherweise bald nicht mehr mit Updates versorgt wird, waren interne Analysen davon ausgegangen, dass die Verkäufe der Telefone um 40 bis 60 Prozent einbrechen würden.

          Nun sind die Verkäufe der Smartphones im ersten Halbjahr im Jahresvergleich nach den offiziellen Zahlen Huaweis um 24 Prozent gestiegen. Der Bann Washingtons habe „einige Wirkung auf unsere Entwicklung“, sagte Vorstandschef Liang. Insgesamt jedoch sei diese jedoch „kontrollierbar“. Zwar gebe es einen gewissen Rückgang im Vertrauen der Konsumenten in die Marke. Mittlerweile verkaufe Huawei aber wieder vier Fünftel der Menge an Telefonen, die es vor dem Bann verkauft habe.

          Sie reden wieder

          Das gelte auch für das Geschäft mit den Netzwerkausrüstern in Europa. Huawei ist nicht nur der zweitgrößte Smartphonehersteller der Welt, sondern baut auch überall auf der Welt Mobilfunknetze. Amerika hat alliierte Staaten wie Deutschland und Großbritannien gedrängt, beim Bau neuer Netze mit der ultraschnellen Übertragungstechnik 5G auf die Hilfe des Marktführers aus China zu verzichten, der so viel günstiger ist als die Konkurrenz.

          Die Gewinnmarge gibt das Unternehmen für das erste Halbjahr mit 8,7 Prozent an. Weder die Produktion noch die Lieferungen der Huawei-Produkte sei auch nur für einen einzigen Tag unterbrochen worden, sagte Liang in Shenzhen am Dienstag. Allerdings könne es sein, dass es kurzfristig stärkere Auswirkungen auf das Wachstum gebe.

          Das wird auch davon abhängen, ob sich der amerikanische Präsident Donald Trump daran hält, was er am Rande des G20-Treffens in Japan vor einem Monat gesagt hat: Er werde es amerikanischen Unternehmen wieder erlauben, ihre Produkte an Huawei zu liefern – so jedenfalls waren die reichlich unklaren und verworrenen Aussagen Trumps zu dem chinesischen Unternehmen interpretiert worden.

          Dies ist jedoch bisher nicht geschehen – vielleicht deshalb, weil Trump sich in den Verhandlungen mit China im Handelsstreit einen Joker bewahren möchte. Am heutigen Dienstag und morgigen Mittwoch reden die Delegationen beider Länder in Schanghai wieder miteinander. Die Erwartungen an den Erfolg der Gespräche sind allerdings nicht allzu hoch.

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