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Hu Jintao in Washington : Boeing sichert sich Großauftrag aus China

Hu Jintao trifft Obama in Washington: Differenzen nur mühsam verdeckt Bild: AFP

Dem pompösen Empfang für Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao im Weißen Haus folgte am Mittwoch ein wirtschaftlicher Paukenschlag: Für 19 Milliarden Dollar will das Reich der Mitte dem amerikanischen Flugzeugbauer Boeing 200 Maschinen abkaufen.

          Sieg für Boeing, Niederlage für Airbus: Die Chinesen haben 200 Flugzeuge beim amerikanischen Während des Staatsbesuchs des chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao in den Vereinigten Staaten sind Handels- und Investitionsverträge im Umfang von 45 Milliarden Dollar geschlossen worden. Unter anderem wird China in den nächsten drei Jahren für 19 Milliarden Dollar 200 Boeing-Flugzeuge kaufen, teilte das Weiße Haus mit.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Insgesamt könnten amerikanische Unternehmen nach dem Abkommen zwischen Peking und Washington mit Industrieaufträgen im Gesamtvolumen von 45 Milliarden Dollar rechnen. Den Aufträgen steht ein Defizit Amerikas im Chinahandel gegenüber, das für 2010 auf 275 Milliarden Dollar geschätzt wird.

          Neben dem Aluminium-Hersteller Alcoa und dem Mischkonzern General Electric ist Boeing der mit Abstand größte Nutznießer dieses Abkommens, heißt es in Regierungskreisen weiter. Der Großkunde aus China erhält neben den Mittelstrecken-Maschinen des Typs B 737 auch die teuren Langstreckenjets B 777. Mit dem Prestigeauftrag ist nach Angaben der amerikanischen Regierung der Erhalt von 100.000 Arbeitsplätzen im Inland verbunden.

          Großer Empfang vor dem Weißen Haus

          Für Boeing kommt der Exporterfolg im Reich der Mitte zum idealen Zeitpunkt. Der Hersteller aus Seattle fiel in jüngster Zeit gegenüber Airbus stark zurück und lag mit 530 Neubestellungen im vergangenen Jahr deutlich unter dem entsprechenden Wert des europäischen Rivalen mit 574 Maschinen. Airbus vermeldete im November, dass 100 Flugzeuge des Mittelstrecken-Flugzeugs A 320 zum offiziellen Listenpreis von insgesamt 14 Milliarden Dollar an China verkauft würden.

          Die beiden Staaten sicherten einander zum Auftakt des Staatsbesuchs zu, ihre Kooperation zu vertiefen. Der amerikanische Präsident Obama sagte, beide Länder hätten ein großes Interesse am Erfolg des jeweils anderen. Indirekt sprach Obama die Verletzungen der Menschenrechte in der Volksrepublik an. „Die Geschichte zeigt, dass Gesellschaften harmonischer, Nationen erfolgreicher und die Welt gerechter ist, wenn die Rechte und Verantwortlichkeiten aller Nationen und aller Völker aufrechterhalten werden, einschließlich der universellen Rechte jedes einzelnen Menschen.“ Hu sprach von einer Kooperation, die auf gegenseitigem Respekt und Vorteil gründen müsse. China und die Vereinigten Staaten sollten respektieren, dass jeder seinen eigenen Entwicklungspfad wähle.

          Die Vereinigten Staaten lassen Hu alle Ehren zukommen. Zur Begrüßung vor dem Weißen Haus gab es 21 Salutschüsse und Aufmärsche von Ehrengarden. Doch das verdeckt nur mühsam die außen- und rüstungspolitischen Differenzen.

          Außenministerin Clinton sprach am Mittwoch von „provokativem Verhalten“ Chinas. „Einige chinesische Einheiten“ hielten sich nicht an die nuklearen Sanktionen gegen Iran, sagte Frau Clinton. Amerika und China wollen eine Vereinbarung zur nuklearen Sicherheit bekanntgeben; gemeinsam soll ein Sicherheitszentrum in China finanziert werden. Im Wechselkursstreit werden von dem Staatsbesuch keine Fortschritte erwartet. China sperrt sich dagegen, den chinesischen Renminbi schneller aufzuwerten. China ist mit mindestens rund 900 Milliarden Dollar größter ausländischer Gläubiger Amerikas und fordert eine Garantieerklärung zur Stabilität des Dollars.

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