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HSH Nordbank wechselt den Chef : Jetzt kommt ein Mathematiker

  • Aktualisiert am

Der neue neben dem alten Chef: Jens Nonnenmacher (l) und Hans Berger Bild: F.A.Z.-Archiv

Schon wieder muss ein Bankmanager seinen Posten räumen: Wegen der Folgen der Finanzkrise tritt der Chef der HSH Nordbank, Hans Berger, zurück. Er übernehme damit die Verantwortung für den enttäuschenden Geschäftsverlauf, hieß es. Als Nachfolger steht mit Jens Nonnenmacher ein Mathematik-Professor bereit.

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          Wegen der Folgen der Finanzkrise tritt der Vorstandsvorsitzende der HSH Nordbank, Hans Berger, zurück. Er übernehme damit die Verantwortung für den enttäuschenden Geschäftsverlauf der Bank, sagte eine Sprecherin am Montag. Gleichzeitig teilte die Bank mit, dass auch für das Gesamtjahr ein Verlust erwartet werde. Berger habe eingeräumt, die Risiken der Krise nicht richtig eingeschätzt zu haben. Die HSH Nordbank geriet seit dem vergangenen Herbst immer stärker in den Strudel der internationalen Finanzkrise.

          Vorläufigen Zahlen zufolge musste die Bank in den ersten neun Monaten des Jahres einen Verlust von 360 Millionen Euro verbuchen. Abschreibungen, Wertberichtigungen und Kapitalbedarf stiegen dramatisch an; der geplante Börsengang liegt auf absehbare Zeit auf Eis. Die HSH Nordbank hatte im Lauf des Jahres mehrfach erklärt, alle Risiken seien bekannt, um dann doch wieder neue Millionenlöcher offenbaren zu müssen. Das Institut will Bundes-Kreditbürgschaften bis zu 30 Milliarden Euro beantragen, wie die Bank erst vor einer Woche mitgeteilt hatte. Nach Angaben des Hamburger Finanzsenators Michael Freytag verhandelt die Bank außerdem bereits über eine Bundesbeteiligung am Kapital. Zuletzt hatte die HSH Nordbank nur erklärt, eine Kapitalbeteiligung des Bundes werde geprüft. Berger hatte vor einer Woche erklärt, mit einer Kernkapitalquote von 7,4 Prozent stehe die Bank nicht unter Zeitdruck.

          Jens Nonnenmacher wird neuer Chef

          Die Leitung der HSH Nordbank soll jetzt Dirk Jens Nonnenmacher übernehmen, der seit Oktober 2007 als Finanzchef im Vorstand sitzt. Damit solle klar werden, dass die Risikokontrolle nun oberste Priorität habe, erklärte die Bank.

          Nonnenmacher studierte Mathematik und Medizin in Deutschland und in den Vereinigten Staaten. Nach seiner Promotion 1990 und seiner Habilitation 1993 im Fach Mathematik lehrte und forschte Nonnenmacher an Universitäten in Deutschland un Amerika. Derzeit lehrt er als Honorarprofessor an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Parallel zu seiner Hochschultätigkeit beriet er Unternehmen der Finanzindustrie in den Bereichen Konzernsteuerung, Risikomanagement und Produktentwicklung. 1998 übernahm Nonnenmacher als Bereichsleiter für die Dresdner Bank in Frankfurt/Main und London die globale Entwicklung und Umsetzung der Methoden für das Markt- und Kreditrisiko. Von 2004 an leitete er das Strategische, Risiko- und Financial Controlling der DZ Bank in Frankfurt/Main bis er 2007 als Chief Financial Officer (CFO)zur HSH Nordbank stieß und dort auch für das Risiko-Management zuständig war.

          Stichwort: HSH Nordbank

          Die HSH Nordbank ist weltweit der größte Schiffsfinanzierer. Sie entstand im Jahr 2003 aus der Fusion der Landesbanken in Kiel und Hamburg. Im Immobiliengeschäft zählt sie zu den drei bedeutendsten Banken in Deutschland. Die Bank mit einer Bilanzsumme von rund 204 Milliarden Euro beschäftigt weltweit rund 4900 Mitarbeiter und unterhält einen Doppelsitz in Hamburg und Kiel.

          Seit 2006 ist die HSH Nordbank keine lupenreine öffentliche Bank mehr, sondern wesentliche Anteile werden von neun Investorengruppen rund um den amerikanischen Investmentbanker J.C. Flowers gehalten. Sie ist damit die erste Landesbank mit privaten Gesellschaftern. Größter Aktionär ist Hamburg mit 30,41 Prozent, Schleswig-Holstein hält 29,10 Prozent, der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig- Holstein 13,20 Prozent, die schleswig-holsteinische Sparkassen- Vermögensverwaltungs- und Beteiligungs GmbH & Co. KG 1,62 Prozent und die von Flowers vertretenen Investorengruppen besitzen 25,67 Prozent.

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