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„Swiss Leaks“ : HSBC-Chef verteidigt seine Briefkastenfirma in Panama

Stuart Gulliver Bild: AFP

Stuart Gulliver tritt bei der britischen Großbank als Reformer auf. Nun holen ihn seine seltsamen privaten Finanzarrangements ein.

          2 Min.

          HSBC-Vorstandschef Stuart Gulliver gerät in den Strudel des Steuerskandals bei der britischen Großbank. Wie jetzt bekannt wurde, nutzte Gulliver in früheren Jahren für sein millionenschweres Arbeitseinkommen ein Schweizer Konto und eine Briefkastenfirma in der lateinamerikanischen Steueroase Panama. Er habe das getan, um zu verhindern, dass im Kollegenkreis bekannt wurde, wie viel Geld er verdiente, verteidigte sich der Bankchef am Montag.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          HSBC steht unter Druck, seit vor zwei Wochen schmutzige Geschäfte in der Genfer Niederlassung der Bank bekannt geworden sind. Gestohlene Kontoinformationen von mehr als hunderttausend HSBC-Kunden deuten darauf hin, dass das Institut im großen Stil Steuersündern half, ihr Geld am Fiskus vorbei zu lenken und auch Geschäfte mit Diktatoren und Terrorunterstützern machte. Die Unterlagen sind den Steuerbehörden verschiedener Länder seit Jahren bekannt, gelangten aber erst jetzt in die Öffentlichkeit.

          Bisher konnte der Vorstandschef Gulliver im Schweizer Steuerskandal die Position des Aufräumers und Reformers einnehmen. Denn der Brite rückte erst 2011 an die Spitze von HSBC und hat seither einen weitreichenden Konzernumbau eingeleitet. Die dubiosen Schweizer Geschäfte fanden dagegen in den Jahren bis 2007 statt. Doch nun gerät auch er ins Zwielicht: Die Bank bestätigte einen Bericht der britischen Zeitung „Guardian“, wonach Gulliver bis zum Jahr 2003 seine millionenschweren Erfolgsboni auf einem Schweizer HSBC-Konto bunkerte. Um seine Identität als Kontoinhaber zu verschleiern schaltete er zusätzlich noch eine Briefkastenfirma in Panama dazwischen.

          Verwaltungsrat bezeichnet Vorwürfe als heiße Luft

          Gulliver arbeitete in den neunziger Jahren in der HSBC-Niederlassung in Hongkong. Der erfolgreiche Banker war zu jener Zeit über Jahre hinweg der bestbezahlte Mitarbeiter des Geldhauses. Der HSBC-Chef versichert nun, dass er seit 2003, als er in die Führungsspitze der Bank aufrückte, stets sein gesamtes Arbeitseinkommen zum Spitzensteuersatz in Großbritannien versteuert habe. Verwaltungsratschef Douglas Flint stärkte Gulliver ausdrücklich den Rücken: Die Vorwürfe gegen den Bankchef seien bloß heiße Luft. „Er hat nichts getan, was für den Verwaltungsrat nicht absolut transparent war“, sagte Flint.

          Die am Montag veröffentlichten Jahreszahlen von HSBC sorgten derweil an der Börse für lange Gesichter. Am Morgen hatte die Großbank einen Rückgang des Gewinns vor Steuern im Gesamtjahr um 17 Prozent auf 18,680 Milliarden Dollar (16,5 Milliarden Euro) bekanntgegeben. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einem um fast 3 Milliarden Dollar höheren Ergebnis gerechnet. Der Aktienkurs von HSBC fiel daraufhin im Handelsverlauf in London um 6 Prozent. Vor allem ein Rückgang beim Zinsergebnis und ein schwaches Abschneiden in der Handelssparte Global Banking & Markets belasteten den Konzerngewinn.

          Im Handelsgeschäft schrumpfte der Gewinn um 38 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar. Unter anderem musste HSBC vergangenes Jahr für Finanzskandale weitere 1,2 Milliarden Dollar aufwenden.

          Im November hat die Bank für Manipulationen im Devisenhandel mehr als 600 Millionen Dollar Strafe bezahlen müssen. Doch die Ermittlungen laufen weiter und die Banker stellten für drohende weitere Geldbußen noch einmal 550 Millionen Dollar zurück. Das Einkommen des HSBC-Chefs Gulliver wurde auch wegen dieser Fehltritte um 5 Prozent auf 7,6 Millionen Pfund (10,3 Millionen Euro) gekürzt. Außer HSBC haben auch die Citigroup, JP Morgan, Royal Bank of Scotland, die Bank of America Merrill Lynch und die UBS im Devisenskandal bereits hohe Strafen bezahlen müssen.

          Der HSBC-Chef gestand am Montag zugleich an, dass die Bank in Zukunft weniger profitabel sein werde als bisher versprochen. HSBC rechnet in den kommenden Jahren nur noch mit einer Eigenkapitalrendite von „mehr als 10 Prozent“. Bei seinem Amtsantritt 2011 hatte Gulliver dagegen noch eine Rendite von 12 bis 15 Prozent in Aussicht gestellt. Höhere Eigenkapitalanforderungen und mehr Aufwand für strengere aufsichtsrechtliche Vorgaben machten dieses Ziel jedoch inzwischen unerreichbar, räumte Gulliver ein.

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