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HRE-Chefin Manuela Better : Die Eiserne

„Verluste nimmt sie heute nicht mehr persönlich: HRE-Chefin Manuela Better Bild:

Die verstaatlichte Hypo Real Estate ist als einzige deutsche Bank durch den Stresstest gefallen. Die Chefin Manuela Better macht den Job, den keiner will. Und sie macht ihn gut.

          Sie weiß, sie darf jetzt nicht durchdrehen. Schon bevor das Scheitern der HRE im Stresstest zum Wochenende offiziell wird, steht das Urteil des Boulevards fest: Am Mittwochmorgen bereits sieht Manuela Better ihr Gesicht in der „Bild“-Zeitung auf der Titelseite, Rubrik „Gewinner und Verlierer“. Sie ist der Verlierer. Die Bank, die sie retten soll, hat als einzige in Deutschland den Test nicht bestanden. „6, Setzen!“ steht unter ihrem Kopf.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Es ist etwas albern, weil ohnehin niemand Manuela Better kennt und ihr Gesicht nicht zum Feindbild taugt. Die 80er-Jahre-Frisur, die Brille – so sieht eher die Frau am Schalter aus, die die Rente auszahlt. Aber nicht die Vorstandsvorsitzende eines ehemaligen Dax-Konzerns, der als erste Bank vom deutschen Staat gerettet wurde.

          In der Bilanz stehen aus den Zeiten des Größenwahns immer noch 210 Milliarden Euro an teilweise wertlosen Risiken. Kredite, die bis ins Jahr 2075 laufen. Für die der deutsche Steuerzahler mit bis zu über 100 Milliarden Euro haftet.

          Schmiss einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz im März 2010 hin: der ehemalige Vorstandsvorsitzende Axel Wieandt

          Ein Spielball der Politik

          Die Leute vom staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin, an dessen Tropf die HRE hängt und der die Bank überwacht, haben vorhin angerufen und versichert, es sei alles in Ordnung. Ruhig bleiben. Doch Manuela Better weiß, heute Abend kann das schon wieder anders aussehen. Ihr Arbeitgeber, die Hypo Real Estate Holding AG, gehört zu 100 Prozent der Bundesrepublik Deutschland, und das macht die Bankenchefin zu kaum mehr als einer Abteilungsleiterin des Bundesfinanzministeriums. Sie ist ein Spielball der Politik.

          Dort spielt man gerne. Immer wieder hatten Experten kritisiert, die Stresstests seien zu lasch, es sei für die Banken zu einfach, sie zu bestehen. Nun ist die HRE schon sitzengeblieben, bevor es überhaupt Zeugnisse gibt, und das Signal, das davon ausgeht, hat etwas Beruhigendes: So lasch waren sie wohl doch nicht, die Tests. Ein „Bauernopfer“ sei die HRE, ätzen Kenner des Betriebs. Eine Bank durchfallen zu lassen, bei der die Lösung des Problems schon vorgezeichnet sei – das sei die perfekte PR-Strategie, um das Vertrauen der Investoren in den Bankenplatz Deutschland zurückzugewinnen.

          Better weiß, dass die HRE nur deshalb durchgefallen ist, weil der Soffin das frische Geld, das sie vor einer gefühlten Ewigkeit beantragt hat, zwar zugesagt, aber die 2 Milliarden Euro noch nicht ausgezahlt hat. Denn die Bad Bank, in der sie 210 Milliarden Euro an Krediten und Wertpapieren aus ihrer Bilanz entsorgen will, muss erst noch von der Europäischen Kommission genehmigt werden, woran niemand ernsthaft zweifelt. Der Test ist also nicht ganz fair, aber das würde Manuela Better so niemals sagen. Das wäre eitel.

          Die dritte Wahl?

          Ihr Vorgänger Axel Wieandt hat nie ein Problem damit gehabt, den Beamten, die ihn und die Bank kontrollierten, mitzuteilen, was er von ihnen hält. Wieandt kommt im Oktober 2008 aus dem Vorstand der Deutschen Bank auf Geheiß Josef Ackermanns zur HRE, um den teuersten Komapatienten der deutschen Bankengeschichte möglichst geräuschlos zu beerdigen. Es knallt dann aber ziemlich laut, als Wieandt im März 2010 in der „Herrenstube“ des Restaurants Bogenhausener Hofs in München dem versammelten Aufsichtsrat genervt die Brocken vor die Füße schmeißt. Einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz.

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