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Holtzbrinck : Geschäft unter Brüdern

          2 Min.

          Es ist ungewöhnlich, wenn mitten in der Medienkrise in einem Verlagshaus schlagartig Euphorie ausbricht. So geschehen in der Verlagsgruppe Handelsblatt am Donnerstag: Vor wenigen Wochen ist der mit starken Umsatzrückgängen kämpfende Verlag auf einen harten Sparkurs eingeschworen worden, da besserte sich die Stimmung nun durch die Bekanntgabe des Eigentümerwechsels.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Dieter von Holtzbrinck übernimmt zum 1. Juni von seinem Halbbruder Stefan die nationalen Zeitungen des Stuttgarter Holtzbrinck-Verlags. Neben dem „Handelsblatt“ kontrolliert der Altverleger damit auch die Titel „Wirtschaftswoche“ und „Tagesspiegel“ sowie 50 Prozent der Wochenzeitung „Die Zeit“, für die er vor Jahren schon die Verantwortung trug. Im Gegenzug verzichtet Dieter von Holtzbrinck auf finanzielle Ansprüche, die ihm aus seiner vormaligen Trennung von der Verlagsgruppe zustehen.

          Der ältere Bruder legt ein klares Bekenntnis zu den Printmedien ab

          Das Comeback des Verlegers im Ruhestand ist eine kleine Sensation. Eigentlich hatte sich der heute 67 Jahre alte Dieter von Holtzbrinck 2006 zurückgezogen. Sein Vermögen wollte er, wie es damals hieß, „schrittweise in eine Familienstiftung überführen.“ Diese Schritte konnte sein gut 20 Jahre jüngerer Halbbruder finanziell offenbar nicht mitgehen.

          Überraschender Coup: Dieter von Holtzbrinck
          Überraschender Coup: Dieter von Holtzbrinck : Bild: dpa

          In der Branche wird kolportiert, dass Stefan von Holtzbrinck die jährlich fälligen Raten von angeblich 30 Millionen Euro nicht länger aufbringen wollte, weil damit die Eigenkapitalbasis der Gruppe, die mit knapp 17.000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn (EBITDA) von 165 Millionen Euro erwirtschaftet hat, zu sehr geschwächt worden wäre. Offiziell wird das freilich nicht bestätigt. In einer Mitteilung heißt es lediglich, dass durch den Verkauf der Beteiligungen „die Verbindlichkeiten gegenüber Dieter von Holtzbrinck und seiner Stiftung getilgt“ werden.

          In einem Interview in eigener Sache legte Dieter von Holtzbrinck im „Handelsblatt“ (Freitagsausgabe) ein klares Bekenntnis zu den Printmedien ab: Die von ihm erworbenen Zeitungen sollten eigenständig bleiben, er setze auf eine dezentrale Führung und sehe seine eigene Rolle als „aktiver Aufsichtsrat“.

          Der jüngere Bruder investiert in das Internet

          Stefan von Holtzbrinck galt dagegen nie als ein großer Zeitungsfreund. Er investierte lieber in das Internet - und das nicht immer erfolgreich. So mancher Ausflug in die neue Medienwelt ging daneben. Nur ein Jahr nach der Gründung musste Holtzbrinck Anfang Februar etwa sein Nachrichtenportal „Zoomer“ wieder einstellen. Dabei galt „Zoomer“ als ambitioniertes Projekt, für das sogar der frühere Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert als Herausgeber verpflichtet wurde. Und selbst ein erfolgreiches Portal wie die Internet-Kontaktbörse „StudiVZ“ dürfte der Holtzbrinck-Verlag zumindest zu teuer erworben haben: Anfang 2007 zahlten die Stuttgarter rund 85 Millionen für „StudiVZ“. Als kürzlich die RTL-Gruppe das vergleichbare Netzwerk „Wer-kennt-wen“ zu 100 Prozent übernahm, musste sie für die fehlenden 51 Prozent Branchengerüchten zufolge weniger als 10 Millionen Euro aufbringen.

          Im Zuge der Wirtschaftskrise setzte Holtzbrinck für die Zeitungen ein Sparprogramm auf. Verlagsgeschäftsführer Joachim Liebler soll intern bekräftigt haben, dass Stefan von Holtzbrinck selbst im Krisenjahr 2009 „eine schwarze Null“ erwarte. Mehrere Unternehmensberatungen entwarfen in der Folge Sparprogramme. Im Verlag hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass die Redaktionen von „Handelsblatt“ und „Wirtschaftswoche“ zusammengelegt werden sollten - mit einem gewaltigen Stellenabbau als Konsequenz. Solch ein Vorhaben ist von Verlagsseite jedoch dementiert worden.

          Ganz verabschiedet sich Stefan von Holtzbrinck jedoch nicht vom Medium Print: Ihm bleiben die regionalen Tageszeitungen, eine Reihe von Fachtiteln der Verlagsgruppe Handelsblatt, Buch- und Fachverlage im Ausland und die andere Hälfte an der „Zeit“.

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