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Tarifstreit : Lufthansa-Manager droht Piloten mit neuer Gesellschaft

  • Aktualisiert am

Die Führung der Lufthansa streitet schon viele Monate mit ihren Piloten um deren Gehalt, Ruhestands-Regelung und mehr. Bild: dpa

Am Dienstag endet die Schlichtung im schier endlosen Tarifstreit zwischen der Lufthansa und ihren Piloten. Ein Vorstand des Unternehmens denkt nun über einen radikalen Schritt nach.

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          Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa hat ihre Piloten vor den Konsequenzen eines zu hohen Tarifabschlusses infolge der laufenden Schlichtung gewarnt. Man müsse dann darüber nachdenken, anstehende Investitionen nicht mehr in die Lufthansa-Kerngesellschaft zu lenken, sagte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister an diesem Sonntag in Frankfurt. Neue Flugzeuge könnten unter Umständen künftig nicht mehr in ein System kommen, das seine Wettbewerbsfähigkeit verloren habe und nicht reformierbar sei.

          Am kommenden Dienstag soll die Schlichtung im Tarifkonflikt um die Gehälter von rund 5400 Piloten der Gesellschaften Lufthansa Classic, Lufthansa Cargo und Germanwings enden. Getreu ihres Konzerntarifvertrages darf die Lufthansa in den Maschinen der Kerngesellschaft ausschließlich Piloten nach diesem Tarifwerk beschäftigen.

          „Man darf nicht Lufthansa draufschreiben“

          Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sieht durch die Äußerungen Hohmeisters die Schlichtung beeinflusst. „Der Vorstand will offenbar den Schlichter einschüchtern, weil er der Kraft der eigenen Argumente nicht traut“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Das sei sicherlich nicht hilfreich.

          Neu ankommende, eigentlich für Lufthansa Classic vorgesehene Jets könnten in andere Konzernbereiche integriert werden, in denen der Konzerntarifvertrag der VC nicht gilt, sagte Hohmeister. Kurzfristig könne das über die Lufthansa-Schwesterunternehmen Swiss und Austrian geschehen. „Man kann aber auch über eine Lufthansa-nahe Neugründung nachdenken. Da darf man dann vielleicht nicht Lufthansa draufschreiben, aber sicher etwas Ähnliches.“

          „Wir brauchen echte Alternativen“

          Die Kerngesellschaft des Konzerns mit derzeit 334 Maschinen schrumpft schon seit drei Jahren, weil viele Strecken auf die Tochtergesellschaften Eurowings übergingen und beim verbleibenden Interkontinental-Verkehr samt Zubringerflügen nach München und Frankfurt kein Wachstum mehr stattgefunden hat. Eine weitere Übertragung von Lufthansa-Flügen auf Eurowings ist aber eher unwahrscheinlich, weil die beiden Systeme organisatorisch nicht miteinander verknüpft werden sollen.

          Die Lufthansa hat jedoch bereits in der Vergangenheit unter dem Projektnamen „Jump“ Langstrecken-Flugzeuge mit Piloten der Regio-Tochtergesellschaft Lufthansa Cityline besetzt, die weniger verdienen als ihre Kollegen im Konzerntarifvertrag der Classic. Diese im Vertrag vorgesehene Ausnahme könne man wieder forcieren und fünf bis sechs weitere Langstrecken-Maschinen so betreiben, sagte Hohmeister. „Das reicht aber vielleicht nicht aus. Wir müssen auch über eine echte Alternative im Lufthansa-Kerngeschäft nachdenken.“

          Kooperation mit Etihad

          Als mögliche Größe der neuen Gesellschaft nannte er 30 bis 40 Maschinen. „Das ist keine Tarifflucht, sondern das ist eine Flucht vor einem bislang nicht kompromissfähigen Tarifpartner“, meinte der frühere Swiss-Chef weiter.

          Nach jüngsten Angaben hat der Lufthansa-Konzern einschließlich des Jahres 2016 mehr als 250 Flugzeuge bestellt. Die Lufthansa hat den Piloten über einen mehrjährigen Tarifzeitraum eine Einmalzahlung und 4,4 Prozent mehr Geld angeboten. Die Piloten wollen mehr - vor allem aber sind sie gegen den geplanten Konzernumbau.

          „Wenn man sich jetzt irgendwo dazwischen trifft, löst das zusätzliche Millionenkosten auf einem ohnehin bereits zu hohen Sattel aus“, sagte Hohmeister zu einem möglichen Kompromiss: „In diese Plattform könnten wir nicht mehr investieren. Wir müssten die Investitionen anderswo hinlenken.“ Er setze aber dennoch auf eine Lösung: „Um es klar zu sagen, eine solche Entwicklung wollen wir nicht. Wir wollen mit der Lufthansa wachsen, wir wollen gemeinsam mit den Tarifpartnern Lösungen finden, um das zu verhindern.“

          Daneben hat die Lufthansa für den kommenden Mittwoch zu einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der arabischen Fluggesellschaft Etihad in Abu Dhabi eingeladen. Es gehe um künftige Kooperationen. Teilnehmen werden die Vorstandsvorsitzenden der beiden Unternehmen James Hogan und Carsten Spohr, geht aus der Einladung von Etihad hervor.

          Unlängst hatten die beiden Konzerne ihre Zusammenarbeit bekannt gemacht: Die Lufthansa mietet nicht nur 38 Jets vom Etihad-Partner Air Berlin, sondern bietet auf einigen Strecken Gemeinschaftsflüge an. Damals hatte Spohr gesagt, er könne sich  vorstellen, die Zusammenarbeit auf andere Bereiche auszuweiten.

          Kürzlich hatte Hogan wiederum Spekulationen zurückgewiesen, nach denen sein Konzern sich an der Lufthansa beteiligen wolle. In den Gesprächen zwischen den Unternehmens-Führungen gehe es um Gemeinschaftsflüge und eine Zusammenarbeit etwa im Bereich des Bordessens, hatte ein mit der Angelegenheit vertraute Person gesagt. Am Dienstag gab die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi dann bekannt, dass Hogan im zweiten Halbjahr dieses Jahres seinen Posten an der Konzernspitze abgeben werde. Etihad hat sich mit seiner Europastrategie verhoben durch Engagements in den Fluggesellschaften Air Berlin und Alitalia, die beide Probleme haben.

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