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Hohe Sonderabschreibung : Atomausstieg treibt ENBW in die Verlustzone

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Kernkraftwerk Philippsburg: Wegen des Atomausstiegs nimmt ENBW hohe Sonderabschreibungen vor Bild: dpa

Deutschland plant die Energiewende, Atomkraftwerke werden stillgelegt und ENBW nimmt eine hohe Sonderabschreibung vor. Im ersten Halbjahr rechnet der Stromversorger mit einem deutlichen Verlust.

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          Deutschlands drittgrößte Energieversorger ENBW macht keinen Gewinn mehr. Durch den Atomausstieg nimmt das baden-württembergische Unternehmen eine hohe Sonderabschreibung vor und rechnet mit einem Verlust von 590 Millionen Euro im ersten Halbjahr. Das teilte ENBW am Donnerstag in Karlsruhe mit. Im Vorjahr hatte der Stromversorger noch einen Gewinn von 899 Millionen Euro erzielt.

          Seit Mai haben sich die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen „wesentlich verändert“, sagt das Unternehmen. Dem Energieversorger gehören die Kernkraftwerke Neckarwestheim I und II sowie Philippsburg I und II. Die beiden Blöcke mit der Nummer I wurden im Zuge des von der Regierung verhängten Atommoratoriums stillgelegt. Insbesondere diese Stilllegung habe das Unternehmen erheblich finanziell belastet. Das Unternehmen geht rechtlich gegen die Brennelementesteuer vor (siehe Auch ENBW klagt gegen Brennelementesteuer).

          Der frühere Rückbau der Kernkraftwerke führe zu einer außerordentlichen Zuführung zu den Kernenergierückstellungen und zu einer Abschreibung der im Reaktor befindlichen Kernbrennelemente. Hauptsächlich aufgrund dieser Belastungen rechnet das Unternehmen jetzt mit einem Verlust vor Zinsen und Steuern von 600 Millionen Euro. Den Halbjahresfinanzbericht will ENBW am 29. Juli vorlegen.

          ENBW erwartet einen Verlust von 590 Millionen Euro

          Auch Wertberichtigungen tragen zum Verlust bei

          Nicht nur die Kosten der Energiewende belasten das Ergebnis. Hinzu kommen Wertberichtigungen in Höhe von 615 Millionen Euro auf die Beteiligungen des Konzerns am Oldenburger Versorger EWE und am österreichischen Versorger EVN. Unter dem Strich führe dies in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres nach vorläufigen Zahlen zu einem Konzernfehlbetrag von 590 Millionen Euro.

          Das um Einmaleffekte bereinigte operative Ergebnis (adjusted Ebit) sinkt ebenfalls: Wegen des dreimonatigen Kernenergiemoratoriums und der Belastungen durch die Kernbrennstoffsteuer lag es ENBW zufolge mit 875 Millionen Euro 24 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das Unternehmen gehört zu einem großen Teil dem Land Baden-Württemberg (siehe Baden-Württemberg: Parteivorsitzende kontrollieren ENBW).

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