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Erhöhung der Prognose : Hoffnung auf mehr Umsatz treibt Aktie von Delivery Hero

Das Logo von Delivery Hero hängt in der Zentrale in Berlin Bild: dpa

Der Essenslieferdienst Delivery Hero gewinnt mehr neue Kunden als erwartet. Gründer und Chef Östberg geht nun davon aus, den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr zu verdoppeln. Die Aktie zieht kräftig an.

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          Der Essenslieferdienst Delivery Hero hat seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit erhöht. Das Berliner Unternehmen geht nun davon aus, 200 Millionen Euro mehr als zuvor gedacht einzunehmen. Damit kommt Delivery Hero auf einen erwarteten Umsatz von 1,3 bis 1,4 Milliarden Euro. Schon zur Vorlage der Quartalszahlen im April hatte das Unternehmen seine Prognose leicht nach oben korrigiert und war danach von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro Umsatz ausgegangen. Schon zu diesem Zeitpunkt war der Lieferdienst offenbar von der stark steigenden Zahl an Neukunden überrascht worden. 

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Diese Entwicklung hat sich nun beschleunigt. Mit der abermaligen Korrektur geht Niklas Östberg, Gründer und Chef von Delivery Hero nun davon aus, den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr zu verdoppeln. „Das Geschäft hat unsere Erwartungen für die ersten beiden Monate des zweiten Quartals 2019 übertroffen, da die Anzahl der Neukunden, die auf unserer Plattform bestellen, signifikant gestiegen ist“, lässt sich Östberg in einer Mitteilung zitieren.

          Die Nachricht kam bei Anlegern sehr gut an. Zum Handelsstart gewann die Aktie in der Spitze um 16 Prozent. Sie kletterten damit zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit September. Zuletzt lagen die Aktin noch etwa elf Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs um mehr als ein Viertel gestiegen, mit unter 40 Euro liegt der Kurs aber deutlich von dem 52-Wochen-Hoch von 52,36 Euro vom vergangenen Sommer entfernt.

          DELIVERY HERO SE NA O.N.

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          Die rasche Expansion vor allem in noch jungen Märkten, das Geschäft mit eigenen Lieferungen und die Abdeckung von Restaurants sei besser gelaufen als erwartet, vor allem Asien habe stark zugelegt. „Wir sehen, dass sich der Trend für den Rest des Jahres fortsetzen wird“, sagt Östberg. 

          Zukunft in anderen Regionen rosiger als in Europa

          Das Unternehmen hatte Ende vergangenen Jahres sein gesamtes Deutschlandgeschäft für rund 930 Millionen Euro an den niederländischen Konkurrenten Takeaway.com verkauft und dafür im Gegenzug auch Anteile an Takeaway erhalten. Damit gingen die Marken pizza.de, Lieferheld und Foodora hierzulande in Lieferando über.

          Das Heimatgeschäft hatte für Delivery Hero zwar immer einen wichtigen Teil des Umsatzes betragen, das Wachstum in Deutschland war aber wegen der hartnäckigen Konkurrenz teuer erkauft. Von den 792 Millionen Euro Umsatz kam mehr als ein Achtel nur aus dem Markt. Ohne das Deutschlandgeschäft stand für das Jahr 2018 allerdings auch nur ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebitda) von minus 100 Millionen Euro zu Buche, der Wettbewerb hierzulande belastete das Ergebnis nochmals um mehr als 41 Millionen Euro.

          Die Gewinnschwelle möglichst schnell zu erreichen, plant Delivery Hero indes weiterhin nicht. Zwar soll in der zweiten Jahreshälfte das Geschäft in Europa schwarze Zahlen schreiben, doch soll das Ebitda zum Jahresende irgendwo zwischen 320 und 270 Millionen Euro im Minus landen. Vor allem in Asien, Südamerika und dem Nahen Osten sollen nun erst einmal neue Kunden gewonnen werden.

          Die Zukunft in anderen Regionen sieht rosiger aus als in Europa und dort sind zukunftsträchtigere Experimente möglich. In Südamerika etwa testen die Berliner schon, ob sie zusätzlich zur Essenslieferung auch andere Produkte transportieren können, auf die ihre Kunden nicht lange warten wollen – Windeln etwa oder Medikamente gegen Kopfschmerzen. Online-Händler wie Amazon sind zwar schon schnell in der Lieferung, aber in dieser Zustelllogistik müssen sich die Lieferdienste nicht verstecken. Für solche Experimente die richtige Struktur und die richtigen Partner zu finden, so verlautet es aus dem Unternehmen, ist im Moment in Südamerika leichter als anderswo. Einen weiteren Markteintritt plant Delivery Hero indes nicht, Östberg will sich stärker darauf konzentrieren, wo er schon Geschäfte macht.

          Rund 410 Millionen Euro will das Unternehmen deshalb in diesem Jahr investieren, und zwar vor allem im Nahen Osten und in Asien. „Wir sind zuversichtlicher als je zuvor, dass wir durch unsere Investitionen Millionen neuer Kunden für unsere Plattform gewinnen können“, sagte Östberg schon im Februar. 

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