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Höherer Börsenwert : Apple zieht an Microsoft vorbei

Vorbeigezogen: Apple (Foto: Apple-Chef Steve Jobs im April in Cupertino) hat Microsoft auch beim Börsenwert überholt Bild: REUTERS

Apple hat einen höheren Börsenwert als Microsoft. Zum Handelsschluss am Mittwoch kam Apple auf eine Marktkapitalisierung von rund 222 Milliarden Dollar, Microsoft dagegen auf 219 Milliarden Dollar. Nur Mobil-Exxon wird noch höher bewertet als Apple.

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          Der Computer- und Elektronikkonzern Apple hat am Mittwoch für eine symbolträchtige Wachablösung gesorgt. Apple ist mit seinem Börsenwert an seinem Erzrivalen Microsoft vorbeigezogen und ist nun das teuerste Technologieunternehmen der Welt. Apple hatte am Mittwoch zum Handelsschluss eine Marktkapitalisierung von rund 222 Milliarden Dollar, Microsoft kam auf 219 Milliarden Dollar. In Amerika wird damit nur noch der Ölkonzern Exxon-Mobil höher bewertet als Apple.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Microsoft wurde entthront, kurz nachdem das Unternehmen einen Neuanfang im Geschäft mit der Konsumelektronik angekündigt hat, wo der Konzern Boden gegenüber Apple verloren hat. Robbie Bach gibt seinen Posten als Chef der Sparte auf, in der das Geschäft mit Mobiltelefonen und Unterhaltungsprodukten wie der Videospielekonsole Xbox oder dem digitalen Musikspieler Zune gebündelt ist.

          Bach wird nicht direkt ersetzt, vielmehr nimmt Microsoft-Chef Steve Ballmer die Zügel selbst fester in die Hand. Die bisherigen Chefs der einzelnen Produktbereiche innerhalb der Sparte sollen künftig direkt an Ballmer berichten. Neben Bach gibt auch J Allard, der bisherige Design- und Entwicklungschef der Konsumsparte, seine Aufgaben ab. Der Abschied des 48 Jahre alten Robbie Bach, der zu den prominentesten Managern aus der Führungsriege von Microsoft gehört, kommt plötzlich. Bach beschrieb den Wechsel als freiwillige Entscheidung. Er ist ein Microsoft-Veteran und seit 1988 im Unternehmen. Unter seiner Führung hat Microsoft die Xbox eingeführt und ist neben Sony und Nintendo zu einer ernstzunehmenden Größe im Videospielemarkt geworden.

          Microsoft-Chef Steve Ballmer hat noch eine neue Aufgabe zu lösen

          Seine Gesamtbilanz ist aber durchwachsen: Die Hoffnung, Apple und seinem Musikspieler iPod mit dem Zune Konkurrenz zu machen, hat sich nie erfüllt. Noch viel gravierender ist aber die Schwäche von Microsoft im Handygeschäft: Der Konzern ist hier mit Betriebssystemen für Mobiltelefone vertreten und hat schon früh auf Software für internettaugliche Multimediahandys oder Smartphones gesetzt. In den vergangenen Jahren musste Microsoft aber zusehen, wie Konkurrenten in diesem wachstumsträchtigen Markt das Tempo vorgaben: Apple mit dem iPhone, Research in Motion mit dem Blackberry und Google mit der Software Android.

          Verkaufsschlager iPad

          Microsoft verliert rapide Marktanteile: Laut Marktforscher Gartner stürzte der Anteil des Konzerns am weltweiten Markt für Smartphonebetriebssysteme im ersten Quartal von 10,2 auf 6,8 Prozent ab. Im gleichen Zeitraum schaffte Google mit Android einen Sprung von 1,6 auf 9,6 Prozent, und Apple legte mit dem iPhone von 10,5 auf 15,4 Prozent zu. Research in Motion hat leicht auf 19,4 Prozent eingebüßt. Eine neue Bedrohung könnte in dem Markt auch der Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP) werden, der kürzlich die Akquisition des Smartphoneherstellers Palm angekündigt hat. Microsoft hat auch dem jüngsten Vorstoß von Apple bei Tablet-Computern wenig entgegenzusetzen. Das im April in Amerika eingeführte iPad von Apple ist ein Verkaufsschlager. Microsoft arbeitet selbst zwar schon seit Jahren an Tablet-Computern, aber ohne nennenswerten Erfolg. Kürzlich wurde bekannt, dass Microsoft ein Tablet-Projekt mit dem Codenamen „Courier“, das in der Branche als möglicher iPad-Rivale gehandelt wurde, eingestellt hat.

          Steve Ballmer wies in der Mitteilung zum Rückzug von Robbie Bach darauf hin, dass Microsoft einige Trümpfe in der Hand habe: So kommt in diesem Jahr die nächste Version des Handybetriebssystems „Windows Phone 7“ auf den Markt, die in der Fachwelt gute Kritiken bekommen hat. Außerdem steht im Videospielegeschäft die Einführung von „Project Natal“ bevor. Das ist eine Sensorentechnologie, die es Spielern erlaubt, das Geschehen mit Körperbewegungen zu steuern.

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