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Hochzeit auf Kosten Renaults? : Die Ghosns und die Affäre von Versailles

Carlos Ghosn in Versailles am 10. Oktober 2016. Bild: Picture-Alliance

Carlos Ghosn hat in Versailles geheiratet – offenbar auf Kosten Renaults. Das haben französische Ermittler jetzt aufgedeckt. Wie viel von Ludwig XIV. steckt in Ghosn?

          Seit seiner Verhaftung im vergangenen November hat vor allem der japanische Autohersteller Nissan Vorwürfe gegen den multikulturellen Manager Carlos Ghosn vorgebracht. Von prächtigen Residenzen im Libanon und in Brasilien – zwei seiner vielfachen Heimaten – war die Rede sowie von schiefgelaufenen Finanzgeschäften, aus denen sich Ghosn mit Mitteln von Nissan herauspauken ließ. Nun aber bringt auch die französische Seite aus dem einstigen Konzernreich des Managers Beschuldigungen in die Öffentlichkeit – und sie haben eine Note, die nicht besser zu Frankreich passen könnte.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Am 16. Oktober 2016 feierten Carlos und Carole Ghosn ihre Hochzeit – und zwar im königlichen Schloss von Versailles, vor den Toren der französischen Hauptstadt, und dort im Palast des Grand Trianon, den früher nicht nur die verschiedenen Ludwigs als Könige nutzten, sondern auch Napoleon. Ghosn und seine dann zweite Frau hatten geladen, und einige kamen auch standesgemäß in Kostümen der Louis-XIV-Epoche.

          Ghosn wie Ludwig XIV.

          Die exklusive Veranstaltung hat jedoch einen Beigeschmack, der Ghosns großzügigen Umgang mit den Konzernprivilegien zeigt. Die Schlossverwalter von Versailles haben Ghosn für das Nutzen der exklusiven Gebäude offenbar keinen Centime berechnet, wie die Tageszeitung „Le Figaro“ berichtet. Dabei würde ein Abend in den historischen Gemäuern normalerweise rund 50.000 Euro kosten.

          Auf die Ungereimtheiten sind die Ermittler des Autoherstellers Renault gestoßen, die nach Ghosns Verhaftung in Japan eingesetzt wurden. Ihnen ist natürlich nicht entgangen, dass der französische Autohersteller zu den allgemeinen Sponsoren des Schlosses gehört.

          Versailles hat einen Teil seiner jüngeren Renovierungsarbeiten mit dem Geld des Autokonzerns finanziert. Ein Dokument, das die Ermittler fanden, zeigt, wie die Schlossverwalter den prunkvollen Hochzeitsabend unter den Gegenleistungen zugunsten des Sponsors aufführten.

          Somit hat der ehemalige Chef der Autohersteller Renault, Nissan und Mitsubishi wahrscheinlich von einer kostenfreien Miete profitiert, die in Wirklichkeit aber sein französischer Arbeitgeber bezahlte. Ghosn gerät somit in den Verdacht, dass er ähnlich verschwenderisch mit seinem Hofstaat umgegangen ist wie einst Ludwig XIV.

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