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Hochtief : Die hübsche Tochter in Australien

Australische Hochtief Tochter Leighton: hoch profitabel, aber eigenwillig Bild: AFP

Das australische Unternehmen Leighton gilt als Kronjuwel des Baukonzerns Hochtief, der sich gegen eine Übernahme durch den spanischen Wettbewerber ACS stemmt. Um die Übernahme zu erschweren, wollte Hochtief ACS zwingen, ein gesondertes Angebot für Leighton zu machen. Doch daraus wird nichts.

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          „Die Spanier“, so sagt unser Mann, „spielen doch nur über Bande.“ Der Mann, dessen Name wir hier nicht nennen dürfen, sitzt in Sydney. Sein Blick aber reicht in diesen Tagen über Essen bis nach Madrid: Von dort aus versucht der spanische Baukonzern Actividades de Construcción y Servicios (ACS) die deutsche Hochtief AG zu übernehmen. Damit aber fiele den Spaniern auch der australische Bauriese Leighton Holdings in die Hände, an dem die Deutschen 54,5 Prozent halten. „Auf ihn haben die Spanier es eigentlich abgesehen“, sagt der Kenner von Leighton. „Der Kauf von Hochtief dient ihnen dabei nur als Mittel zum Zweck.“ Kurz: ACS will die langweilige deutsche Mutter kaufen, um die hübsche Tochter in Australien zu bekommen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mit ihr aber liegt die Mutter seit Jahren im Streit. Der eskalierte in den vergangenen Monaten. „Leighton ist ein eigentümliches Wesen. Durch und durch australisch, aber mehrheitlich in Händen eines rumpelnden deutschen Gebildes mit schwachen Ergebnissen und einer instabilen Eigentümerstruktur, das beängstigend von den beiden Märkten in Amerika und Europa abhängt, die die Finanzkrise am härtesten getroffen hat“, demontiert der „Sydney Morning Herald“ den deutschen Weltkonzern Hochtief. Und trifft damit die Sicht der meisten Australier. Dabei bräuchte Hochtief Leighton dringender denn je, um eine gemeinsame Abwehrfront gegen ACS zu schmieden.

          Die Fakten stützen die Sicht der Australier: Der Börsenwert von Leighton liegt insgesamt mit gut 11 Milliarden australischen Dollar (7,8 Milliarden Euro) bald doppelt so hoch wie derjenige von Hochtief. Als dessen Noch-Vorstandsvorsitzender Wal King vor 23 Jahren das Ruder übernahm, betrug die Marktkapitalisierung nicht mal 70 Millionen Dollar. Das Unternehmen brummt dank seines Asiengeschäftes - abgesehen von seinen Leiden in Dubai. Gut 80 Prozent des Vorsteuergewinns von Hochtief stammen von Leighton. Kings Erfolg ist unbestritten. Doch nun hat der König noch ein paar Rechnungen mit den Deutschen offen. Und wird so zu einer Schlüsselfigur im Übernahmekampf zwischen Essen und Madrid.

          Als ein „rumpelndes deutsches Gebildes mit schwachen Ergebnissen und einer instabilen Eigentümerstruktur” schreibt der „Sydney Morning Herald” über den deutschen Weltkonzern Hochtief
          Als ein „rumpelndes deutsches Gebildes mit schwachen Ergebnissen und einer instabilen Eigentümerstruktur” schreibt der „Sydney Morning Herald” über den deutschen Weltkonzern Hochtief : Bild: dpa

          Ein „ausgemachter Krieg“ zwischen Mutter und Tochter

          Die Deutschen wiederum blicken auf ein nerviges Ringen mit ihrem Tochterhaus: Nie akzeptierten die arroganten Australier, dass die Deutschen bei ihnen das Sagen haben. Wiederholte Verschmelzungsofferten aus Essen wischten King und seine Mannen zuletzt im März vom Tisch. Nicht vergessen ist auch, dass die australische Investmentbank Macquarie, die wie Leighton in Sydney sitzt, 2007 erwog, Hochtief zu übernehmen, dann Leigthon auszugliedern und damit den gesamten Kauf zu finanzieren. Sollte ACS nun nach diesem Plan verfahren? Hat King etwa mit den Spaniern darüber gesprochen? Seit Monaten durfte sich die australische Geschäftswelt an den Kämpfen zwischen King und seinen deutschen Mehrheitseigentümern ergötzen. Von einem „ausgemachten Krieg“ zwischen Mutter und Tochter schrieben die Zeitungen schon im Mai.

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