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Hochschulfinanzierung : Oxford und Cambridge schielen auf Harvard und Yale

  • Aktualisiert am

Cambridge: Hedge-Fonds statt Festzins Bild: picture-alliance / dpa

Die britischen Eliteuniversitäten wittern das große Geld. Nach Cambridge hat nun auch die Oxford University entschieden, das Stiftungskapital von einem hochprofessionellen Investmentbanker und einem Team von Finanzfachleuten lukrativer anlegen zu lassen.

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          Die britischen Eliteuniversitäten wittern das große Geld. Nach Cambridge hat nun auch die Oxford University entschieden, das Stiftungskapital von einem hochprofessionellen Investmentbanker und einem Team von Finanzfachleuten lukrativer anlegen zu lassen.

          Das Kapital des Zentralfonds der Oxford University in Höhe von 1,4 Milliarden Euro soll nicht mehr nur von traditionellen Fondsmanagern in Festgeld, Anleihen und Standardwerten am Aktienmarkt investiert werden. Sondern Oxford schielt genauso wie auch schon Cambridge auf die deftigen zweistelligen Renditen, die amerikanische Spitzenuniversitäten wie Yale, Harvard und Princeton mit ihrem professionellen Finanzmanagement erzielen.

          Schielen über den Atlantik

          Jahrzehntelang war es Stiftungen in Großbritannien untersagt, Gelder in risikoreichere Vermögenstitel anzulegen. Der sogenannte Trustee Act änderte dies jedoch im Jahr 2000, zumindest für Stiftungen mit praktisch unbefristetem Anlagevermögen.

          Sowohl Cambridge als auch Oxford haben seither reagiert: Als Alison Richard, ehemaliger Mitarbeiterin der Yale University und Finanzfachfrau, im Jahr 2003 den Posten des Chief Chancellor in Cambridge übernahm, forcierte sie die Gründung eines neuen Beratungsausschusses für Finanzfragen, dem Michael Dobson, Chef der Vermögensanlagegesellschaft Schroders, nun vorsteht. Richard ließ sich zudem von dem Anlagechef von der Universität Yale, David Swensen, beraten und heuerte Nick Cavalla an, den Anlagechef des weltgrößten, börsennotierten Hedge-Fonds, Man Global Strategies. Cavalla soll im April als Chief Investment Officer des University of Cambridge Investment Office beginnen und die Anlagephilosophie der 800 Jahre alten Eliteuniversität revolutionieren.

          Die alte Konkurrenz: Oxford - Cambridge

          Ähnliches geschieht in Oxford: auch dort wurde mittlerweile ein neuer Anlageausschuss gegründet und dieser mit Spitzenkräften aus der Londoner City besetzt, darunter einflussreiche Chefs von Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften. Auch Oxford will einen neuen Finanzchef anheuern und ihm freie Hand bei einer lukrativeren Anlagepolitik lassen. Freilich sind die britischen Universitäten viel ärmer als ihre amerikanischen Konkurrenten.

          Nur fünf britische Universitäten verfügen über ein Stiftungsvermögen von mehr als 180 Millionen Euro. In den Vereinigten Staaten sind es mehr als 200 Hochschulen. Da britische Universitäten im Gegensatz zu den amerikanischen Elitehäusern nicht zigtausend Dollar als Studiengebühren einstreichen dürfen, bleibt ihnen weniger für die Ausgaben im Lehrbetrieb, für die Bezahlung von Dozenten, die Ausstattung der Hochschulen mit Computern und Büchern. In der Regel bleiben die Hochschulen mit einem Defizit je Student sitzen, das über Spenden und Investmenterträge ausgeglichen werden muss.

          Alumni-Netzwerk in Amerika stärker ausgeprägt

          Amerikanische Universitäten kreieren bei ihren Absolventen ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl, ein mächtigeres Alumni-Netzwerk und daher eine größere Basis, Spenden- und Stiftungsgelder einsammeln zu können, als dies britischen Universitäten gelingt. Während Cambridge ein Stiftungskapital von insgesamt 6,5 Milliarden Euro hat, besitzt die reichste amerikanische Universität Harvard zum Beispiel ein Stiftungsvermögen von umgerechnet 22 Milliarden Euro. Yale kann auf ein Vermögen von gut 18 Milliarden Euro zurückgreifen. An britischen Universitäten werden zudem nicht alle Gelder in einem Zentralfonds gesammelt und entsprechend professionell angelegt, sondern viele Colleges verwalten ihr Stiftungsvermögen in Eigenregie.

          Mit ihrer Anlagestrategie hielten sich die britischen Universitäten bisher notgedrungen zurück: Die Gelder von Cambridge zum Beispiel hat zu 85 Prozent der Fondsmanager F&C Asset Management in London verwaltet, dem die Universität die Auflage gemacht hatte, das Stiftungsvermögen zu 45 Prozent in britischen Aktien anzulegen und zu 25 Prozent in globale Aktien und zu 15 Prozent in Anleihen zu investieren. Die restlichen 15 Prozent des Kapitals wurden in Immobilien gesteckt, die LaSalle Investment Management verwaltete. Die Jahresrendite auf diese Anlage ergab 8,6 Prozent - nicht einmal die Hälfte dessen, was die Universität Yale in den vergangenen zehn Jahren mit 17,2 Prozent jährlich erzielte.

          Mit Hedge-Fonds die Rendite steigern

          Diese investiert neben Aktien und Anleihen 25 Prozent des Kapitals in Hedge-Fonds und 17 Prozent in Private-Equity-Gesellschaften. Einer der Hedge-Fonds, in den Yale-Stiftungsgelder steckt, ist der The Children's Investment Fund (TCI) von Chris Hohn. TCI hatte den Übernahmeversuch der Londoner Börse durch die Deutsche Börse und den damaligen Börsenchef Werner Seifert torpediert.

          Cavalla zielt darauf ab, die Rendite auf das Anlagekapital des Zentralfonds von Cambridge in Höhe von 1,2 Milliarden Pfund zunächst auf 550 Basispunkte über Einzelhandelspreisindex zu steigern. Dies wäre eine Jahresrendite von 9,7 Prozent. Mit der Anlage in Hedge-Fonds, Private-Equity-Kapital und professionelleren Anlagemethoden erzielen die amerikanischen Universitäten jährlich zweistellige Renditebeträge, die auch Cavalla langfristig nicht missen möchte. Auf Dauer soll daher eine Anlagephilosophie eingeschlagen werden, die mehr dem Vorbild der investitionsfreudigen amerikanischen Universitäten entspricht.

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