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Hamburg-Köln-Express : Ein Bahn-Konkurrent knickt ein

Im Hamburger Bahnhof: Ein Zug des Hamburg-Köln-Express Bild: imago/Rüdiger Wölk

Der Hamburg-Köln-Express wollte der Deutschen Bahn richtig Konkurrenz machen. Doch nicht nur die neuen Fernbusse machen ihm zu schaffen. Jetzt gibt er den Fernverkehr auf.

          Das Bahnunternehmen Hamburg-Köln-Express GmbH (HKX) wollte dem Platzhirsch Deutsche Bahn im Fernverkehr richtig Konkurrenz machen. Doch von schwarzen Zahlen ist das Unternehmen mit seinen täglichen Zugfahrten von der Elbe an den Rhein und zurück weit entfernt. Deshalb gibt HKX jetzt seine ehrgeizigen Ziele auf und tritt nicht mehr als Wettbewerber für Fernstrecken an. „Ziel ist es, das Verkehrsangebot neu als Regionalverkehr im Markt zu positionieren“, heißt es versteckt am Ende einer Pressemitteilung, vordergründig informiert das Unternehmen darin über das Ausscheiden von Geschäftsführerin Eva Kreienkamp. Die strategische Neuorientierung bestätigt Hans Leister, der das HKX-Geschäft im Auftrag von deren Hauptgesellschafter, der amerikanischen Railroad Development Corporation, auf Trab bringen soll. „Es sind neue Rezepte gefragt“, sagt Leister. „Wir sind dabei, uns neu zu erfinden.“

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          HKX ist eines von zwei Unternehmen in Deutschland, die dem Bahnkonzern im Fernverkehr auf der Schiene ein bisschen Paroli zu bieten versuchen. Seit Juli 2012 verkehren die Züge auf rund 450 Kilometern zwischen Hamburg und Köln, bis zu dreimal am Tag in jede Richtung. HKX, das seinen Betrieb durch das Verkehrsunternehmen Veolia erledigen lässt, fährt mit älteren, renovierten Wagen. Die überraschend hohen Wartungskosten belasten stark. Das Unternehmen verbuchte 2013 zwar 12 Millionen Umsatz brutto, blieb aber im Minus. Die zunehmende Konkurrenz der Fernbusse schwächt die labile Marktposition zusätzlich.

          Auch der Luftverkehr macht den Marktneulingen aus ihrer Sicht schwer zu schaffen. „Der Markt hat sich in den letzten beiden Jahren extrem verändert“, sagt Leister, früher führender Manager bei der Deutschen Bahn, Veolia und Keolis. „Als HKX antrat, war weit und breit nichts außer dem DB-Konzern. Jetzt sind da allein vier Fernbusbetreiber zwischen Hamburg und Köln unterwegs. Und nicht zu vergessen: Germanwings fliegt täglich 32 Verbindungen zwischen Hamburg und Köln sowie Düsseldorf. Unser ursprüngliches Konzept können wir nicht einfach unverändert weiterführen.“

          Mit einer einzigen Fahrkarte von Kiel nach Bonn

          Das Segment des eigenwirtschaftlichen Fernverkehrs ist schwierig: Anders als im Nahverkehr sind hier die Einnahmen nicht durch die öffentliche Hand gesichert. Deshalb ist die Zahl der Wettbewerber für die große Bahn so gering. Die einzige Fernlinie neben HKX fährt derzeit Veolia mit dem Interconnex mit zwei Zügen täglich zwischen Leipzig und Rostock. Die Verbindungen zwischen Dresden und Stralsund sowie zwischen Köln und Rostock wurden mangels Erfolgs wieder eingestellt.

          Bei HKX soll nun Carsten Carstensen, nach Kreienkamps Weggang allein Geschäftsführer, das Unternehmen im Nahverkehrsmarkt etablieren. HKX wird auch dabei „eigenwirtschaftlich“ agieren, sich nicht auf staatliche Regionalisierungsmittel verlassen können. Als Vorbild für den Neubeginn dient ausgerechnet die Deutsche Bahn – und zwar der Zug, den sie seit April zwischen Berlin und Hamburg als Ergänzung zu den schnellen, teuren ICEs einsetzt: Der Interregio-Express fährt zum Billigtarif mit Halten in Stendal, Salzwedel, Uelzen und Lüneburg. Leister sagt: „Für HKX-Kunden ändert sich erst mal nichts, weder im Fahrplan noch bei Pauschalangeboten. Wir fahren weiter von Köln nach Hamburg über Düsseldorf, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Münster und Osnabrück. Ein Halt im Raum Bremen ist beantragt, scheitert derzeit an der Infrastruktur. Neu fahren wir in Zusammenarbeit mit der Nord-Ostsee-Bahn bis Sylt. Aber wir klassifizieren den Zug als Nahverkehr.“

          HKX verbindet damit die Hoffnung auf mehr Kunden – etwa auf solche, die über die Internetseite der Bahn auf das Nahverkehrsangebot stoßen. „HKX erscheint dann im Fahrplan mit dem Nahverkehrs-Fahrpreis, und man kann von Kiel nach Bonn fahren mit einer einzigen Fahrkarte“, sagt Leister. „Die Umsetzung wird aber noch etwas dauern, bis wir in das System der DB und der anderen Bahnen aufgenommen sind.“ Der Antrag sei beim Tarifverband der bundeseigenen und nicht-bundeseigenen Eisenbahnen gestellt.

          Leister wehrt sich gegen die Annahme, auch HKX habe wie die Deutsche Bahn die zunehmende Fernbus-Konkurrenz unterschätzt. Er beklagt aber eine Wettbewerbsverzerrung: HKX zahle hohe Trassenpreise für die Benutzung des Schienennetzes. Dagegen seien Fernbusse von der Autobahnmaut befreit. Eine Busmaut will Leister dennoch nicht fordern. „Es sollte nicht das Ziel sein, umweltfreundlichen Verkehr zusätzlich zu belasten“, sagt er. „Viel sinnvoller wäre es, die Trassenpreise zu halbieren und so die Bahnen zu entlasten.“

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