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Hintergrund : Ackermann darf bleiben

  • -Aktualisiert am

Breuers Interview sorgte für Diskussionen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank zeigt sich von dem harschen Urteilsspruch aus Karlsruhe unbeeindruckt. Und tatsächlich spricht einiges dafür, daß sein Vertrag verlängert wird.

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          Josef Ackermann bleibt. Vorerst zumindest. Das hat der Vorstandssprecher der Deutschen Bank am Mittwoch in einer persönlichen Erklärung deutlich gemacht. Zuvor hatte ihm der Aufsichtsrat von Deutschlands größter Bank mit einer Stellungnahme den Rücken gestärkt. Man habe „unbeschränktes Vertrauen“ in Ackermann, heißt es darin.

          Auch von der Bankenaufsicht droht Ackermann vorerst kein Ungemach. Deutschlands oberster Bankenaufseher Jochen Sanio stellte gleic nach dem Urteilsspruch klar, daß er Ackermann wegen des nun wieder neu aufzurollenden Mannesmann-Verfahrens nicht zum Rücktritt drängen werde. Schließlich gelte die Unschuldsvermutung.

          Ackermanns Vertrag dürfte verlängert werden

          Ackermann selbst ließ verbreiten, ihm sei in den vergangenen Tagen von Seiten der Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre „großer Zuspruch“ widerfahren. Das habe ihn darin bestärkt, Sprecher des Vorstands zu bleiben. Die am Mittwoch zunächst heftig hochgekochten Spekulationen über einen baldigen Rücktritt des Spitzenmanagers sind damit fürs erste beendet - auch wenn einige Aktionärsvertreter dies nach dem Urteilsspruch gefordert hatten. Ganz im Gegenteil deuten die Hinweise des Aufsichtsrats auf Ackermanns „erfolgreiche Arbeit“ darauf hin, daß der Vertrag des Vorstandssprechers, der bis gegen Ende 2006 läuft, demnächst verlängert werden dürfte. Darüber werde wohl auf der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats am 1. Februar entschieden, sagte ein Sprecher der Bank.

          Business as usual: Ackermann auf dem Weg zur „Initiative Finanzplatz”

          Einen Tag später will Ackermann das Jahresergebnis der Deutschen Bank öffentlich präsentieren. Der Tag verspricht zu einem Triumph für den 57 Jahre alten Manager zu werden, der das deutsche Spitzeninstitut seit Mai 2002 führt. Denn alles deutet darauf hin, daß der Konzern für 2005 einen Gewinn von knapp sechs Milliarden Euro ausweisen wird. Das entspräche einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent. Genau dieses Ziel hatte Ackermann vor Jahren vorgegeben, um den Konzern im internationalen Vergleich wieder wettbewerbsfähig zu machen und ihm eine Chance zu geben, bei der Konsolidierung der europäischen Banken eine führende Rolle zu spielen. Der harte Sanierungskurs, den Ackermann deshalb in den vergangenen Jahren verfolgte, hat ihm viel Kritik, teils sogar Anfeindungen eingebracht. Doch ist die Deutsche Bank unter seiner visionären Führung inzwischen zu einer der global führenden Investmentbanken aufgestiegen, hat zudem ihr angestammtes Deutschlandgeschäft wieder auf Erfolgskurs gebracht.

          Keine Rücktrittsforderungen von Kollegen

          Auf einem anderen Blatt steht freilich, daß sich der Schweizer mehrfach als ungeschickter Kommunikator mit wenig Gespür für die öffentliche Wirkung seines Tuns und Lassens erwiesen hat - und das nicht nur mit seiner Entscheidung zu den Bonus-Zahlungen für die Mannesmann-Manager und seinem umstrittenen „Victory“-Zeichen zu Prozeßbeginn. Das hat ihm mehr als einmal die Kritik, ja den Zorn seiner Branchenkollegen zugezogen. So entfachte er im Februar dieses Jahres in der breiten Öffentlichkeit einen Sturm der Entrüstung, als er gleichzeitig einen Milliardengewinn verkündete - und den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen.

          Und gerade erst in den vergangenen Tagen hagelte es Kritik, als die Deutsche Bank einen offenen Immobilienfonds „einfror“ und damit nach weitverbreiter Einschätzung das Vertrauen der Anleger in alle Fonds dieser Branche beschädigte. Die Bank hatte es versäumt, ihre - durchaus gewichtigen - Gründe für das Einfrieren des Fonds beizeiten darzulegen. Statt dessen folgte der Ankündigung einen Tag später ein halber Rückzieher, der rechtlich auf sehr wackligem Boden zu stehen scheint. Am Mittwoch, nur Stunden nach dem Urteilsspruch, nahm Ackermann an einer turnusmäßigen Sitzung der „Initiative Finanzplatz Deutschland“ teil. Auf dem Treffen mit Spitzenvertretern der gesamten deutschen Finanzwirtschaft dürfte das Verhalten der Deutschen Bank in dieser Affäre breiten Raum eingenommen haben. Bei der „Bristol-Runde“, einem Treffen der Finanzwirtschaft mit dem neuen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), die zufällig am Tag vorher stattgefunden hatte, wurde über das Thema ebenfalls debattiert. Rücktrittsforderungen aus Kreisen der Branchenkollegen wurden aber nicht laut.

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