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Hilmar Kopper : Mr. Peanuts geht

  • -Aktualisiert am

Abschied von Hilmar Kopper Bild: AP

An diesem Mittwoch legt Hilmar Kopper den Vorsitz des Aufsichtsrats von Daimler-Chrysler nieder: Es ist sein letztes großes Mandat. Sein Abschied ist zugleich ein Symbol für den endgültigen Abschied von der Deutschland AG. Holger Steltzner blickt zurück auf die Geschichte des „Mr. Peanuts“.

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          Hilmar Kopper hat Humor. Er kann sogar über sich selbst lachen. „Sie glauben gar nicht, wie viele Erdnüsse mir die Menschen geschenkt haben, echte, falsche, sogar versilberte.“ Er hat sie alle gesammelt. Sie sind für ihn zu einer Art Markenzeichen geworden.

          Als langjährigen Sprecher des Vorstands und späteren Aufsichtsratschef der Deutschen Bank oder als Vorsitzenden des Aufsichtsrats von Daimler-Chrysler kennen ihn nur wirtschaftlich beschlagene Beobachter. Für die meisten Leute ist er noch heute Mr. Peanuts von der Deutschen Bank. Sein legendärer Vergleich der offenen Rechnungen über 50 Millionen DM, auf denen der Pleitier Jürgen Schneider seine Handwerker sitzenließ, mit Peanuts, also mit Erdnüssen, machte ihn berühmt.

          50 Millionen DM - Kleingeld?

          Kopper steht noch heute dazu. Der durch New York geprägte Banker benutzte schlicht den geläufigen amerikanischen Ausdruck für einen kleinen Geldbetrag. Verglichen mit der Kreditsumme von insgesamt fünf Milliarden DM, die der gescheiterte Baulöwe Schneider aufgetürmt, die er von gutgläubigen Banken erschlichen und natürlich nie zurückgezahlt hatte, ist das nur ein Prozent, also „Kleingeld“.

          Doch natürlich sind 50 Millionen viel Geld, die Aufregung also verständlich. Die Deutsche Bank hat als Hauptgläubigerin dann zwar 1994 die Rechnungen der Handwerker beglichen, Kopper seitdem jedoch seinen Ruf weg. Er ist auf selbstironische Art damit umgegangen. Für die vielfach ausgezeichnete Werbekampagne der Frankfurter Allgemeinen („Hinter der Zeitung steckt ein kluger Kopf“) hat er sich im Herzen Amerikas ablichten lassen, auf einer Waggonladung Erdnüsse sitzend, die F.A.Z. lesend.

          Vom Lehrling bis ganz an die Spitze

          Er ist ein Eigengewächs der Deutschen Bank; er hat sich vom Lehrling ganz unten nach ganz oben an die Spitze gearbeitet. Sein Lebenslauf liest sich wie aus einer anderen Zeit. Geboren am 13. März 1935 als zweites von vier Kindern eines Landwirts in Westpreußen, gehört Kopper nicht zur Spezies geschmeidiger Banker, wie sie heute allerorten anzutreffen sind. Er verkörpert den seltenen Typus des kantigen Bankmanagers, dem die Gepflogenheiten des internationalen Parketts zwar nicht fremd sind, der es aber auch versteht, vor Mittelständlern oder der freiwilligen Feuerwehr zu überzeugen.

          Im November 1989, nach dem tödlichen Terroranschlag der RAF auf den charismatischen Vorstandssprecher Alfred Herrhausen, rückt Kopper an die Spitze der Deutschen Bank. Seine Amtszeit lässt sich weniger an kurzfristiger öffentlicher Wirkung als vielmehr an langfristigen Weichenstellungen für die Bank messen. Mit ihm begann die Internationalisierung, die Ausrichtung auf das Investmentbanking, die Expansion nach London und New York. „Das war die wichtigste Zeit“, sagt Kopper. Bei seinem Wechsel in den Aufsichtsratsvorsitz im Mai 1997 war der Umbau noch nicht abgeschlossen, doch blieb die Bank unter seinem Aufsichtsratsvorsitz auf Kurs. Vollendet hat sein Werk schließlich Josef Ackermann, Koppers Mann an der Spitze der Deutschen Bank.

          Sein Herz hängt an Daimler

          In den Jahren der Wiedervereinigung bricht die Bank nach Osten auf. „Wir haben angepackt, alle haben mitgezogen, manche sogar in Zelten übernachtet. Das war die schönste Zeit.“ Als kritischste Zeit sieht er die Fusionspläne mit der Dresdner Bank, die Koppers Nachfolger auf dem Chefsessel der Deutschen Bank, Rolf Breuer, mit dem Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank, Bernhard Walter, im Jahr 2000 praktisch im Alleingang durchziehen wollte. Zum Glück sei daraus nichts geworden, man sehe ja bis heute, wie schwer die Allianz an der Dresdner Bank zu tragen habe.

          An diesem Mittwoch leitet er seine letzte Daimler-Hauptversammlung. Eigentlich ist das Routine. Schließlich hat der 72jährige in 61 Aufsichtsräten gesessen, darunter waren 13 Gesellschaften aus dem Dax. „Die Zahl ist erschreckend, vor allem die der Dax-Konzerne“, sagt Kopper. Er gibt zu: Der Abschied von Daimler-Chrysler fällt ihm besonders schwer, weil es sein letztes großes Mandat ist, weil er die Geschicke des Autobauers schon seit 17 Jahren überwacht, vor allem aber, weil sein Herz an Daimler hängt. „Eine bemerkenswerte Firma, Erfinder des Automobils, Premiumfabrikant besonders schöner Autos und auch noch größter Anbieter schwerer Nutzfahrzeuge.“

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