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Hilmar Kopper : Machtmensch unter Verdacht

  • -Aktualisiert am

„Viel zu stark in Gesetzen und Regularien gefangen”: Kopper mit Schrempp Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Hilmar Kopper will den Insiderverdacht bei Daimler-Chrysler nicht einfach hinnehmen. Aus der Zeitung habe er von den Vorwürfen erfahren, klagt der Banker und beteuert seine Unschuld. Er wirkt allerdings nicht so locker und abgeklärt wie sonst.

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          Nicht nur Jürgen Schrempp verschwand rasch aus den Schlagzeilen. Auch um Hilmar Kopper, den Aufsichtsratsvorsitzenden, war es nach der überraschenden Rücktrittsankündigung des Vorstandsvorsitzenden von Daimler-Chrysler Ende Juli vergangenen Jahres verhältnismäßig ruhig geworden. Jetzt schlagen die Wogen wieder hoch - dieses Mal aber nicht wegen Schrempp, sondern wegen Kopper. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Zwar scheint weder diejenige in Stuttgart noch die in Frankfurt große Lust zu verspüren, dem Insiderverdacht gegen Kopper nachzugehen, aber einfach einstellen geht ebenfalls nicht.

          Kopper geht am Tag der Veröffentlichung der Insidervorwürfe wie üblich den Geschäften des ehemaligen Vorstandssprechers und Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank nach, den es nicht in seinem Privathaus im Westerwald hält. Er ist bis heute eine zentrale Figur in der deutschen Wirtschaft und arbeitet immer noch gerne in den Türmen der Bank nahe der Alten Oper in Frankfurt.

          Nicht so abgeklärt wie sonst

          Aber an diesem Tag wirkt er nicht so locker und abgeklärt wie sonst. Vielleicht nervt ihn einfach die Aufregung in der Öffentlichkeit, die die verschiedensten Formen von Insidertatbeständen rasch in einen Topf wirft. Vielleicht malt er sich im Geiste schon die Rücktrittsforderungen aus, die auf seinen Aufsichtsratsvorsitz bei Daimler-Chrysler zielen, nachdem schon Schrempp nolens volens gehen mußte. Vielleicht sorgt er sich um den Schaden, den selbst der amtierende Vorstandssprecher Josef Ackermann im Zuge der Ermittlungen nehmen könnte, kaum daß dieser nach dem Spruch des Bundesgerichtshofs im Fall Mannesmann am 21. Dezember wieder die Offensive zu gewinnen sucht. Immerhin ist Ackermann Koppers Mann an der Spitze der Bank.

          Aus der Zeitung habe er von den Vorwürfen erfahren, klagt der Machtmensch Kopper. Er habe sich keinen Gesetzesverstoß vorzuwerfen, sagt der Siebzigjährige in seiner robusten Art zu dem Verdacht, seinen Vertrauten Ackermann vorab über den Führungswechsel in Stuttgart informiert zu haben. Geduld mit seinen Kritikern gehört nicht zu den herausragenden Eigenschaften des Daimler-Aufsichtsratsvorsitzenden, der schon den Daueropponenten Ekkehard Wenger aus dem Saal einer Hauptversammlung des Automobilkonzerns tragen ließ. Und immer wieder läßt er erkennen, daß das Managerdasein viel zu stark in Gesetzen und Regularien gefangen ist. Kopper war stets eine Kämpfernatur, wenngleich die Abgeklärtheit des Alters heute stärker durchscheint.

          Späterer Verkauf gewinnmaximierend

          Der Daimler-Aufsichtsratschef, verheiratet in zweiter Ehe mit Brigitte Seebacher-Brandt, der Witwe des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, hat sich nach eigenen Worten auf Anfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zum Ablauf des Führungswechsels geäußert. Die Finanzaufsicht hat bisher keine Veranlassung gesehen, bei den Staatsanwälten vorstellig zu werden. Und dann wird der Mann grundsätzlich: Die Bank habe erst durch den Aktienverkauf nach der offiziellen Bekanntgabe von Schrempps Rücktritt zum Jahresende 2005 den Verkaufswert ihrer Aktien maximieren können.

          Hätte ihr eine Vorabinformation bei dem Verkaufsprozeß geholfen, bei dem sie durch den Abbau ihrer Daimler-Beteiligung von 10,4 auf 6,9 Prozent einen Buchgewinn von 300 Millionen Euro einfuhr? Wer so argumentiert, verkenne, wie schnell heute Aktienverkäufe durchgezogen werden können - vor allem dann, wenn sie, wie in diesem Fall, sowieso geplant seien, antwortet Kopper.

          Im Bankgeschäft ist der großgewachsene Manager zu Hause. Der Sohn eines Landwirts arbeitete sich von der Lehre 1954 in der Deutschen Bank ganz nach oben. Zwischen 1989 und 1997 war er Vorstandssprecher. Zum wichtigsten Posten außerhalb wurde der Aufsichtsratsvorsitz zunächst von Daimler-Benz und seit 1998 von Daimler-Chrysler. Auch die Antwort auf die letzte Frage bleibt Kopper nicht schuldig: Besaß oder besitzt er Aktien von Daimler-Chrysler? Eine, sagt er, die hänge er sich eines Tages über sein Sofa. Aber dort will er bis zum Amtsende 2007 nur selten ruhen.

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