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Sorge um Arbeitsplätze : Hilferufe aus der Stahlindustrie

  • -Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung arbeitet am Hochofen. Bild: dpa

Unter den Mitarbeitern in der Stahlindustrie wächst die Angst um ihre Arbeitsplätze. Unterstützung ist nötig, aber die Fehler von gestern sollte die Politik vermeiden.

          3 Min.

          Die Serie von Hiobsbotschaften aus der Stahlindustrie reißt nicht ab. Quer durch die Branche werden, wie nun beim Stahlhändler Klöckner, Geschäftsprognosen gekappt. Unter den rund 85.000 deutschen Stahlarbeitern wächst die Furcht um ihre Arbeitsplätze. Im Saarland streichen Dillinger Hütte und Saarstahl bald jede fünfte Stelle, in Nordrhein-Westfalen muss der schwer angeschlagene Thyssen-Krupp-Konzern mindestens 2000 Jobs an den Hochöfen einsparen. Die Salzgitter AG als Nummer 2 wird das Geschäftsjahr mit einem dicken Verlust statt des prognostizierten Millionengewinns abschließen. Selbst Weltmarktführer Arcelor-Mittal ist unter die Räder geraten und hat die Produktion in seinen deutschen und anderen europäischen Werken kräftig zurückgefahren.

          Die Ursachen für die allgemeine Misere liegen teils in einer irrationalen Handels- und Industriepolitik. Von China bis Europa, überall in der Welt werden unrentable Werke künstlich am Leben gehalten. Durch die amerikanischen Schutzzölle hat sich die Lage seit dem vergangenen Jahr weiter zugespitzt, weil große Mengen Stahl aus China, Südkorea, Russland und anderswo nach Europa umgelenkt werden. Der Druck dürfte noch weiter wachsen, da die als Antwort auf die amerikanischen Zölle verhängten EU-Schutzmaßnahmen stufenweise gelockert werden. Gleichzeitig schrumpft der Absatz, weil Autoindustrie und Maschinenbau, die neben dem Bausektor wichtigsten Abnehmer der Stahlindustrie, Schwäche zeigen. Zu allem Überfluss bewegen sich die Erzpreise auf einem ungewöhnlich hohen Niveau, so dass die Margen noch schneller dahinschmelzen. Kurzfristige Besserung scheint nicht in Sicht. Unternehmen wie die österreichische Voestalpine, die mit ihren Spezialstählen noch vergleichsweise gut dasteht, stimmen Mitarbeiter und Anleger auf ein weiteres schwieriges Jahr ein.

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