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Banken polieren ihr Image auf : Hilfe, die Achtziger sind zurück

Zurück in die Achtziger Bild: Youtube/screenshot F.A.Z.

Können die Banken ihr verstaubtes Image mit Werbung loswerden? Mit verschiedenen Werbespots versuchen sie, junge Leute zu begeistern. Das sorgt meistens jedoch nur für Kopfschütteln.

          Kurz musste sich wohl jeder beim neuen Werbespot der Volks- und Raiffeisenbanken die Augen reiben: Zu besten Achtziger-Jahren-Synthesizer-Beats trällert die Sängerin – nur echt mit Dauerwelle und Stirnband – vor sich hin: „Let’s get digital.“ Also in etwa: „Lass uns digital werden.“ Dazu wird in engen Sportklamotten getanzt, sich in 8-Bit-Computerspiele gebeamt und nahezu jedes Klischee bedient, welches man sich über die achtziger Jahre vorstellen kann.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer solch ein Video macht, der muss sich über den Spott nicht wirklich wundern. Und natürlich ergoss er sich massenhaft über die Volks- und Raiffeisenbanken. Ob sich die Volks- und Raiffeisenbanken ein Mutmacher-Lied zur Digitalisierung geschrieben hätten, wurde gefragt, oder ob das Satire sei.

          So viel sei verraten: Es ist keine Satire und die Volks- und Raiffeisenbanken sind sehr angetan von ihrem Werbespot, der nur in den digitalen Medien ausgespielt wird und im Kino zu sehen sein wird. Er richtet sich ausdrücklich an 18- bis 22-Jährige, denn, so ein Sprecher, die achtziger Jahre seien ein Megatrend der Jugend – inklusive Schulterpolster, natürlich.

          Der Spot soll polarisieren und auch viral gehen, deswegen hat man sich Heimat Berlin als zuständige Werbeagentur dafür an die Seite geholt. Anders würde man heutzutage auch kaum noch die Zielgruppe erreichen, da man sie im Fernsehen nicht mehr ansprechen könne. „Was wir anbieten, ist zwar konkurrenzfähig, wird uns aber nicht zugetraut“, so der Sprecher.

          Viele Spots – viel Spott

          Mit diesem Problem scheinen die Volks- und Raiffeisenbanken nicht allein zu sein. Vor einigen Jahren grinsten für die Sparkassen zwei junge Männer in die Kamera: „Hi, wir sind die Lochis“, grüßten Roman und Heiko Lochmann in einem Werbespot für die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen die Zuschauer. Sie boxen sich, während sie ihre Namen sagen, betont locker in die Seiten.

          Die Sparkassen versuchen mit den beiden 17-jährigen Internet-Bekanntheiten, junge Kunden zu gewinnen. Im Vorjahr blödelte sich das Fernsehduo Joko & Klaas durch die Welt. Das Ziel war auch da sehr offensichtlich: jung zu wirken und cool zu sein – denn da hat die Sparkasse noch Nachholbedarf. Bei Markenimage und Kundenorientierung nehmen die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute ja bereits regelmäßig Spitzenpositionen ein.

          Und womit sollten die Sparkassen auch werben? Mit nahezu Nullzinsen lässt sich schlechter Begeisterung entfachen als für junge, hippe Bekanntheiten. Gegenüber dem Fachmagazin „Werben & Verkaufen“ klingt das von der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen so: „Das Thema Banken und Finanzen wirkt für Jugendliche zunächst eher weniger interessant, was wir mit dieser Influencer-Kampagne jedoch grundlegend ändern.“

          Ob das klappt? Zwar hatten die Lochis damals allein auf Youtube mehr als 2 Millionen Abonnenten. Aber was bei den Lochis locker wirken soll, zeigt viel mehr, was für schlechte Schauspieler sie sind, und ist ein Paradebeispiel dafür, wie verkrampft Jugendliche wirken können, wenn sie cool wirken wollen.

          Können selbst Kinder nicht helfen?

          Ähnlich, wenn auch aus anderen Gründen, geht die BayernLB vor. Sie sucht Nachwuchs. Im von der Agentur Jung von Matt konzipierten Spot empfängt die Autorin Ronja von Rönne Kinder zu einer Art Casting. Alle wollen Kosmonaut oder Designer werden, doch niemand will zur BayernLB. Rönne macht die Träumereien zunichte, besticht sie mit Gummibären und wirbt für eine Karriere bei der BayernLB.

          Der Spot ist ironisch gemeint und auch für die sozialen Medien ausgelegt. Bei vielen Beobachtern sorgte er aber genauso für Kopfschütteln wie die der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Sparkassen.

          Ob die Werbespots dabei helfen, cooler zu wirken, ist zumindest offen. Die Bezahlsysteme von Apple und Google wirken einfach frischer, die Internetbank N26 cooler, und Paypal wird wohl immer moderner als Paydirekt wirken.

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