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Hifi-Dienst Qobuz : Streaming für Fortgeschrittene

Aktuell beliebt unter Qobuz-Streamern: Norah Jones 2018 in Turin Bild: mauritius images / Alessandro Bosio / Alamy

Der kleine Musikdienst Qobuz hat bewusst Audiophile mit höherer Kaufkraft im Visier. Der jüngste Schritt von Apple und Amazon auf dem Gebiet HiFi macht das Leben für die Franzosen aber noch komplizierter.

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          Das digitale Pendant zum analogen Plattenladen, wo Musikliebhaber sich austauschen, bewusst Zeit zum Herumstöbern nehmen und nur allzu bereitwillig mehr Geld ausgeben als die monatlichen 9,99 Euro für ein Abo bei Spotify & Co: Der Reiz dieser Vermarktungsstrategie liegt für den französischen Musikdienst Qobuz auf der Hand, denn Vinyl erfreut sich seit Jahren einer wachsenden Beliebtheit. In den USA, dem größten Musikmarkt der Welt, hat der Umsatz mit Schallplatten 2020 erstmals seit mehr als 30 Jahren den mit im Vergleich günstigeren CDs überstiegen.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch in Deutschland geht es aufwärts, obgleich die CD hierzulande noch einen großen Vorsprung hat. Dieser Aufschwung findet freilich in einer Nische statt: 5,5 Prozent des Gesamtumsatzes von 1,79 Milliarden Euro machte der Vinyl-Absatz auf dem deutschen Markt für Musikaufnahmen zuletzt aus. Der große Wachstumstreiber ist und bleibt das Streaming, wo sich Qobuz als rein kostenpflichtiger Anbieter von verlustfreier – also nicht für kleinere Datenmengen komprimierter – Audio-Qualität ebenfalls in einer Nische bewegt.

          „Wir denken nicht in den Dimensionen von Spotify, Apple oder Amazon Music“, sagt Georges Fornay, der stellvertretende Geschäftsführer der Franzosen, daher rede man auch nur bedingt über Zahlen. Während Marktführer Spotify zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres 158 Millionen Abonnenten vermeldete, stammen die letzten Angaben von Qobuz aus dem April 2019. Fast 200.000 Abonnenten wurden damals der US-Branchenseite Variety genannt. Nicht zuletzt durch die kürzlich erfolgte Expansion in 6 neue Märkte – Australien, Neuseeland und die vier skandinavischen Länder – auf nunmehr 18 dürften es mittlerweile einige mehr sein.

          „Gibt eine Gruppe an Menschen, die nicht nur Wert auf bestmögliche Sound-Qualität legt“

          Um 33 Prozent sei die Nutzerzahl von 2019 auf 2020 gewachsen, heißt es von Qobuz. Der Fußabdruck des Dienstes auf dem Streamingmarkt dürfte dennoch weiter klar kleiner sein als der Vinyl-Marktanteil auf dem deutschen Markt für Musikaufnahmen. Dass mittlerweile die ärgsten Spotify-Konkurrenten Apple und Amazon Music HiFi-Qualität und mehr für den Streaming-Standardpreis von 9,99 Euro anbieten, macht das Leben für kleine Premiumdienste wie Qobuz oder auch Tidal nicht leichter. Ein hartes Pflaster ist das Streaminggeschäft ohnehin – allein schon da die verschiedenen Dienste in der Regel rund zwei Drittel bis 70 Prozent ihrer kompletten Einnahmen an die Rechteinhaber der Musik abtreten müssen. Qobuz stand so 2015 vor dem Aus, wurde aber letztlich vom Unterhaltungsunternehmen Xandrie übernommen, dessen Chef Denis Thébaud seitdem auch als Geschäftsführer fungiert. Im September 2020 erhielt Qobuz zuletzt 10 Millionen Euro frisches Kapital – unter anderem von einer Holding Thébauds.

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