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HGÜ-Leitungen : Im Gleichstrom durch Europa

HGÜ-Kabelverlegung an Land Bild: ABB

Zwischen Frankreich und Spanien wird eine neue unterirdische Stromleitung gebaut. Das Besondere daran: Die Leitungen nutzen Gleichstrom zum Transport, weil dabei die Übertragungsverluste geringer sind. Für den Stromtransport über weite Wege gilt die Technik als alternativlos. Siemens und ABB könnten davon künftig profitieren.

          Das erste Teilstück eines europäischen Netzes hochmoderner Stromautobahnen ist beschlossene Sache. In der französisch-spanischen Grenzregion hat eine neue Technik – umschrieben mit dem sperrigen Begriff „Hochspannungsgleichstromübertragung“ (HGÜ) – in Europa auf dem Festland Premiere, die zuvor nur in China oder Indien installiert worden war. Die Investitionen sind deutlich höher als in der herkömmlichen Übertragung. Dafür aber ist sie leistungsstärker und effizient. Das könnte helfen, den wachsenden Widerstand gegen den Bau der ungeliebten riesigen Stromleitungen zu mildern und die Fronten abzubauen. Denn HGÜ kann auch bestehende Trassen nutzen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          In der spanisch-französischen Grenzregion hielten sich die Widerstände jedenfalls in Grenzen, obwohl eine komplett neue Leitung gebaut wird. Im Sommer 2009 wurden Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Vor wenigen Wochen kam der Auftrag zum Bau. Rund 65 Kilometer wird die Stromautobahn lang sein und bis Ende 2013 zwischen dem französischen Baixas und dem spanischen Santa Llogala entstehen. In einem acht Kilometer langen Tunnel unterquert die vom französisch-spanischen Netzbetreiber Inelfe in Auftrag gegebene Strom-Hochgeschwindigkeitsstrecke gar die Pyrenäen. Von den 700 Millionen Euro Auftragswert wird der Siemens-Konzern die Hälfte etwa für den Bau von Umrichter erhalten. Die Bedeutung zeigt sich darin, dass die EU das Projekt mitfinanziert.

          Richtig aufgefallen ist das noch nicht. Dabei hat das Projekt Pilotcharakter für die erforderlichen Transporttrassen in Europa, auf denen einmal der in großen Mengen aus Wind und Sonne erzeugte Strom über den Kontinent umverteilt werden muss; produziert in abgelegenen Regionen, aber benötigt in entfernten Ballungszentren. Denn „Inelfe“ wird Bestandteil eines umfassenden Netzes sein; von Medgrid zum Beispiel. Das unter „Transgreen“ gegründete Gemeinschaftsunternehmen will 2020 Solarstrom aus Nordafrika nach Europa transportieren. Es gilt quasi als eine Vorstufe des sehr viel ehrgeizigeren Projektes Desertec, das bis 2050 gigantische Solar- und Windkraftwerke in den nordafrikanischen Staaten bauen und große Mengen des dort produzierten Stroms nach Europa liefern will

          Die Leitungen haben ihre Probe in China und Indien bestanden

          Die HGÜ-Trasse für Inelfe ist die erste, die auf dem europäischen Festland entsteht. Bis dato hat die Technologie ihre Probe in China oder Indien bestanden. Statt der gewohnten Übertragung von Dreh- oder Wechselstrom nutzt die HGÜ-Technik Gleichstrom zum Transport. Die Investitionen dafür sind aufwendiger, da der Strom für den Transport über teure Umrichter von Dreh- und Gleich- und dann wieder in Drehstrom gewandelt werden muss. Dafür sind die Übertragungsverluste um 30 bis 50 Prozent geringer.

          Dies zahlt sich besonders bei langen Distanzen aus. Dementsprechend sind die ersten großen HGÜ-Leitungen über Entfernungen von 1000 bis 3000 Kilometer in China und in Indien errichtet worden.

          „Das Projekt hat Modellcharakter“

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