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Plattform Heycar : Daimler will mit VW den Markt für Gebrauchtwagen aufmischen

Neu- und Gebrauchtwagen stehen bei einem Autohändler nebeneinander. Bild: dpa

Die Plattform Heycar soll die Plattformen Mobile.de und Autoscout 24 verdrängen – zumindest im Qualitätssegment. Schaffen es die zwei Automobilriesen, die online-erprobten Platzhirsche zu verdrängen?

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          Gebrauchte Autos findet man im Internet wie Sand am Meer. Wer nicht so recht weiß, was er will, schaut erst einmal bei den großen Gebrauchtwagenbörsen vorbei, allen voran Mobile.de und Autoscout 24. Das soll bald anders sein. Heycar soll bald die erste Adresse für Gebrauchtwagen im Internet werden, so jedenfalls das strategische Ziel von Volkswagen und Daimler. An der von Volkswagen vorigen Herbst gegründeten Plattform, die aktuell mehr als 300.000 Fahrzeuge anzeigt, hat sich jetzt auch Daimler beteiligt. Im Zuge einer Kapitalerhöhung übernehme Daimler 20 Prozent an dem Plattform-Betreiber Mobility Trader Holding GmbH, teilte der Stuttgarter Autohersteller mit. Noch steht die kartellrechtliche Genehmigung aus, aber der Vertrag mit Daimler wurde am Donnerstag unterschrieben.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Weitere Investoren dürften dazukommen, entsprechende Verhandlungen laufen schon. „Wir glauben, dass wir unseren Anspruch an Markenneutralität dadurch untermauern“, erklärt Christian Dahlheim, Vertriebs- und Marketingvorstand der Volkswagen Financial Services AG: „Wir haben uns mit Heycar von Beginn an als markenübergreifende Qualitätsplattform für Gebrauchtwagen aller Automobilmarken aufgestellt.“ Aktuell bieten mehr als tausend Händlergruppen an rund 3000 Standorten ihre Autos über Heycar an. Autos, die über Heycar vermittelt werden, dürfen höchsten acht Jahre alt sein und höchstens 150.000 Kilometer auf dem Tacho haben. Außerdem haben alle Fahrzeuge eine Garantie vom Händler, Hersteller oder Versicherer.

          Der strategische Sinn der Beteiligung an Heycar liegt darin, dass über die Plattform der direkte Zugang zu den Kunden möglich wird. Zwar hat Mercedes als erster Hersteller schon vorigen Sommer selbst eine Vertriebsplattform für Gebrauchtwagen des Konzerns gestartet. Diese jedoch dient quasi nur als Vermittler zu den einzelnen Händlern.

          Heycar bringt neue Möglichkeiten

          Mit Heycar sieht man jetzt ganz neue Möglichkeiten. Über die markenneutrale Plattform habe man mehr Chancen, auch Kunden zu gewinnen, die gar nicht an Mercedes gedacht hätten, erklärt ein Sprecher von Daimler Financial Services. Vor allem aber können die Plattform-Nutzer dann direkt angesprochen werden. „Ziel ist, alles aus einer Hand zu bieten: Finanzierung oder Leasing und auch Versicherungs- und Garantieangebote.“ Allerdings sei der Markt für den Direktkauf im Internet noch sehr klein.

          Das Gebrauchtwagen-Geschäft als Ganzes ist allerdings ein sehr großer Markt. Während im vergangenen Jahr in Deutschland 3,4 Millionen Neuwagen zugelassen wurden, sind 7 Millionen gebrauchte Autos verkauft worden, also mehr als doppelt so viele. Und während beim Neuwagen-Kauf etwa jeder zweite Mercedes-Kunde eine Finanzdienstleistung von Daimler in Anspruch nimmt, liegt die Quote für gebrauchte Fahrzeuge bei unter 20 Prozent.   

          Der Einstieg von Daimler in das von Volkswagen gegründete Unternehmen reiht sich ein in eine Reihe von gemeinsamen Aktivitäten der deutschen Autohersteller. Im vorigen Jahr beispielsweise haben BMW, Daimler und Audi für einen Milliardenbetrag den auf hochpräzise Karten spezialisierten Anbieter Here gekauft.

          BMW und Daimler sind außerdem aktuell damit befasst, ihre Mobilitätsdienstleistungen unter einem Dach zu bündeln, allen voran ihre Carsharing-Gesellschaften (Car2Go und Drive Now) sowie Angebote für Taxivermittlung oder die digitale Suche nach Parkplätzen oder Ladesäulen. Mit solchen konzertierten Aktionen versuchen sich die Hersteller nicht nur neue Geschäftsfelder zu erschließen (die aktuell ohnehin wenig Umsatz und keinen Gewinn bringen), sondern auch die auf Plattform-Ökonomie spezialisierten Konzerne wie Google oder Uber oder Didi auf Distanz zu halten.

          Das Geschäft von Heycar ist zwar bisher noch auf Deutschland beschränkt. Allerdings ist die Internationalisierung ausdrücklich schon eingeplant. So erhält Daimler Financial Services einen Sitz im Beirat nicht nur der deutschen, sondern jeder weiteren noch zu gründenden Landesgesellschaft. Geleitet wird Heycar mit Sitz in Berlin von Markus Kröger, der zuvor schon Führungspositionen bei anderen digitalen Unternehmen wie Paypal oder Delivery Hero innehatte.

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