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Hewlett-Packard : Léo Apotheker wird neuer Chef

Überraschender neuer Posten: Léo Apotheker führt künftig Hewlett-Packard Bild: ddp

Bei SAP schied Léo Apotheker Anfang Februar 2010 nach weniger als einem Jahr an der Unternehmensspitze aus. Nun übernimmt er die Führung des amerikanischen Technologiekonzerns Hewlett-Packard als Nachfolger von Mark Hurd.

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          Der Deutsche Léo Apotheker, der frühere Vorstandssprecher des Softwarekonzerns SAP, leitet künftig Hewlett-Packard (HP), den größten Computerhersteller der Welt. Apotheker wird zum 1. November Vorstandsvorsitzender und „President“ von HP, zugleich bekommt er einen Sitz im Verwaltungsrat. Den Vorsitz in dem Gremium übernimmt Ray Lane, ein frühes Vorstandsmitglied des Softwarekonzerns Oracle. Zu Oracle ist inzwischen Mark Hurd gewechselt, der Vorgänger von Apotheker im Vorstandsvorsitz von HP.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Hurd war Anfang August wegen einer Beziehung zu einer für HP tätigen Beraterin und frisierter Spesenabrechnungen zurückgetreten. Apotheker will HP nun helfen, das Angebot auch um Software und Dienstleistungen zu erweitern. „HP sollte mehr wert sein als die Summe seiner Teile“, sagte Apotheker in einer Telefonkonferenz. „Und die Software ist der Klebstoff, der das möglich machen wird.“ Detailliert wollte Apotheker auf Fragen zur Strategie aber nicht eingehen. Trotz des stärkeren Fokus auf Software und Dienstleistungen werde weiterhin in alle Geschäftsbereiche investiert, versprach er.

          Im Februar musste Apotheker bei SAP gehen

          Bei SAP war Apotheker im Februar nach einem Dreivierteljahr an der Spitze überraschend zum Rücktritt gezwungen worden, nachdem er mit der forschen Einführung einer Wartungsgebühr viele Kunden verprellt hatte. In der Branche, aber auch unter Analysten wurde die Ernennung Apothekers auch deshalb mit einiger Überraschung aufgenommen: „SAP unterscheidet sich als Unternehmen stark von HP, das ist meine größte Sorge“, sagte Kim Caughy von Fort Pitt Capital stellvertretend für viele. „Die Ausrichtung von SAP ist eine ganz andere, die Kunden sind ganz verschieden. Wie gut kennt sich der Neue mit Hardware aus?“ Gerechnet wurde lange mit einem Nachfolger aus den Reihen des Computerherstellers. Als aussichtsreiche Kandidaten hatten PC-Chef Todd Bradley und Firmenkundenchefin Ann Livermore gegolten, da bei HP mit Hurd und seiner Vorgängerin Carly Fiorina die letzten beiden von außen kommenden Führungskräfte ihre Karriere mit einem Skandal beendeten.

          HP-Verwaltungsratsmitglied Robert Ryan begründete die Ernennung Apothekers in der Telefonkonferenz: Der ehemalige SAP-Chef sei der erste und einzige Kandidat gewesen, dem die Stelle angeboten worden sei. Apotheker habe umfassende Erfahrung in einer globalisierten Geschäftswelt, könne viele Erfolge nachweisen und zeichne sich durch eine Fokussierung auf den Kunden aus. An dieser Stelle dürften einige Zuhörer aus der Branche hellhörig geworden sein, hatte Apotheker bei SAP doch eben gerade dafür den Preis dafür zahlen müssen, dass dort die Kunden extrem verärgert worden waren. „Er war bei den Angestellten nie beliebt“, hieß es, als Apotheker SAP verlassen musste. Kritik gab es auch an seiner „steifen und direkten“ Art.

          Kurs der HP-Aktie verliert

          In Amerika will der 57 Jahre alte Apotheker, der bei SAP in Walldorf den ersten Stellenabbau der Unternehmensgeschichte durchgesetzt hatte, weiter auf Produktivitätssteigerungen setzen, ein Thema, das auch Hurd stark umgetrieben hatte: „Man kann nie effizient genug sein, und bei HP werden wir das Thema Effizienz weiter vorantreiben“, hatte Apotheker schon vor der Telefonkonferenz in einem Interview gesagt: „Daneben werden wir unser Augenmerk auch weiterhin auf Wachstum richten. Wir werden sowohl das eine als auch das andere tun.“ HP setzte im vergangenen Jahr 130 Milliarden Dollar um und beschäftigt mehr als 300 000 Mitarbeiter.

          Da HP ein Konzern ist, der auf der ganzen Welt Geschäfte macht, wird ein Argument für Apotheker gewesen sein, dass er fünf Sprachen fließend spricht und international ausgebildet ist: Er studierte Wirtschaft und Internationale Beziehungen an der Hebräischen Universität in Jerusalem. 2007 wurde er wegen seiner Leistungen für die französische Wirtschaft in die französische Ehrenlegion aufgenommen. 1988 ging Apotheker in die deutsche Provinz, zu SAP mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf. 20 Jahre war er dort insgesamt tätig. Apotheker gründete SAP Frankreich und SAP Belgien und leitete unter anderem die Geschäfte in Europa, im Nahen Osten, in Afrika und in Nordamerika. Von 2002 bis 2010 war er Vorstandsmitglied bei SAP. Im Mai 2009 übernahm er die alleinige Führung des Unternehmens, doch schon im Februar dieses Jahres musste er gehen.

          Die Telefonkonferenz beendete Apotheker mit den für diese Veranstaltungen üblichen Floskeln: Er schätze an HP die breitgefächerten Produkte und Dienstleistungen sowie seine finanzielle Stärke und die Führungsposition auf den Märkten. Kein anderes Unternehmen sei so gut positioniert, um den derzeitigen revolutionären Wandel auf dem Markt voranzutreiben und davon zu profitieren. Die Börse wartet das zunächst lieber ab: Der Kurs der HP-Aktie reagierte auf die Berufung Apothekers mit einem Verlust von mehr als 2 Prozent.

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