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Hewlett Packard : Die Aufregung hält sich in Grenzen

  • -Aktualisiert am

„Sein Abgang ist keine Katastrophe”: Analysten glauben nicht, dass Hurds Rücktritt die Geschäftsstrategie von HP in Frage stellen wird Bild: REUTERS

Der Börsenwert von HP hatte sich während Mark Hurds Amtszeit fast verdoppelt, nun ist der Aktienkurs kräftig gefallen. Dennoch werden nach seinem Rücktritt wegen gefälschter Spesenabrechnungen keine gravierenden Veränderungen in der Strategie befürchtet.

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          Der überraschende Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Mark Hurd beim weltgrößten Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP) hat an der Wall Street und in der Branche für gespaltene Reaktionen gesorgt. Der Aktienkurs von HP reagierte am Freitag im nachbörslichen Handel der New Yorker Börse mit einem deutlichen Verlust von fast 10 Prozent auf die Nachricht.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Hurd war am Freitag auf Druck des Verwaltungsrats zurückgetreten, weil er Spesenrechnungen für zahlreiche Abendessen mit einer Lieferantin des Unternehmens gefälscht hatte. Hurd gab für die von HP gezahlten Essen die Namen anderer Personen an. Die Frau, die Marketing für Hewlett-Packard auf verschiedenen Veranstaltungen machte, hatte Hurd Ende Juni in einem Brief an sein Büro sexuelle Belästigung vorgeworfen. Das hatte eine interne Untersuchung bei HP ausgelöst. Die Ermittler legten Hurd keine Belästigung zur Last. Mit den gefälschten Abrechnungen verstieß er jedoch gegen den Verhaltenskodex von HP.

          Hurd wollte HP zu einem Rundumanbieter machen

          Analysten glauben indes nicht, dass der Rücktritt des als Manager bisher sehr respektierten Hurd die Geschäftsstrategie des Unternehmens in Frage stellen wird. „Sein Abgang ist keine Katastrophe“, sagte Analyst Dinesh Moorjani von der kleinen New Yorker Investmentbank Gleacher & Co. „Angesichts der Umstände ist das Ausmaß der Verunsicherung relativ niedrig. Das Unternehmen besteht nicht nur aus einem Mann“, sagte Moorjani. Shannon Cross, Geschäftsführerin der Analysegesellschaft Cross Research glaubt ebenfalls, dass für HP das Geschäft normal weiterlaufen wird. „Das ist kein Problem von HP. Es ist ein Problem des schlechten persönlichen Urteilsvermögens von Mark Hurd“, sagte Cross.

          Hurd war 2005 nach dem Rauswurf seiner Vorgängerin Carly Fiorina vom Technologieunternehmen NCR, einem Hersteller von Geldautomaten, zu HP gewechselt. Er hatte das damals unter schlechten Ergebnissen leidende Unternehmen mit Kostenkürzungen auf Effizienz getrimmt und mit mehreren Akquisitionen auf Wachstumskurs gebracht. Als Hurd die Führung übernahm, hatte sich der Konzern hauptsächlich auf Drucker und Personal-Computer konzentriert. Hurd wollte HP zu einem Rundumanbieter von Produkten für das zentrale Geschäft mit Unternehmenskunden machen. Unter seiner Ägide übernahm HP den Computerdienstleister EDS, den Netzwerkausrüster 3Com und zuletzt den Mobiltelefonhersteller Palm. Hurd hatte es bei Palm vornehmlich auf das Betriebssystem Web OS abgesehen. Die Software soll auch in anderen Produkten von HP angewendet werden, etwa beim geplanten Vorstoß in den Markt für Tablet-Computer wie der iPad des Konkurrenten Apple. An der Börse war Hurds Strategie gut angekommen. Der Börsenwert von HP hatte sich während seiner Amtszeit fast verdoppelt.

          „Tiefgreifender Unverstand“

          In einer Stellungnahme betonte Hurd, dass die Entscheidung für den Rücktritt in „keinster Weise die betriebliche Entwicklung oder die finanzielle Integrität“ des Unternehmens widerspiegele. „Es ist eine schmerzhafte Entscheidung nach fünf Jahren bei HP, aber ich glaube, dass es schwierig für mich wäre, als effizienter Unternehmensführer weiterzumachen“, sagte Hurd. Den Vorstandsvorsitz übernahm auf Interimsbasis der Finanzvorstand Cathie Lesjak. Sie soll das Unternehmen führen, bis ein permanenter Nachfolger für Hurd gefunden ist. Als möglicher Kandidat für den Vorstandsvorsitz gilt Todd Bradley, der bei HP für Personal Computer und mobile Geräte zuständig ist.

          Lesjak mahnte die Mitarbeiter, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. „Mark hat eine enge persönliche Beziehung mit der Lieferantin, die ein Interessenkonflikt war, nicht offengelegt, hat keine akkuraten Spesenabrechnungen gepflegt und Mittel des Unternehmens missbraucht“, sagte Lesjak. Nach Ansicht des HP-Chefjuristen Michael Holston habe Hurd einen „tiefgreifenden Unverstand“ gezeigt, der seine Glaubwürdigkeit untergraben habe. Die Identität der Lieferantin, die sich von der prominenten Frauenrechtlerin und Anwältin Gloria Allred vertreten lässt, wurde bisher nicht bekannt.

          HP schneidet besser ab als prognostiziert

          Nach Presseberichten hat der verheiratete Hurd die Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung mittlerweile in einem außergerichtlichen Vergleich beigelegt. Nach Allreds Angaben hatten ihre Klientin und Hurd keine Affäre. Die fraglichen Spesenabrechnungen sollen sich auf insgesamt höchstens 20.000 Dollar belaufen. Bevor die Anschuldigungen der Frau zu den internen Ermittlungen führten, hatte Hurd mit dem Verwaltungsrat über eine Verlängerung seines Vertrags verhandelt. Es ging um einen Drei-Jahres-Vertrag im Volumen von rund 100 Millionen Dollar. Hurd wird jetzt eine Abfindung von 12,2 Millionen Dollar in bar erhalten. Weitere Auszahlungen von Bonus und Aktienpaketen könnten diesen Betrag auf mehr als 35 Millionen Dollar steigern.

          Parallel zum Rücktritt von Hurd veröffentlichte HP vorläufige Ergebnisse für das abgelaufene zweite Quartal. Das Unternehmen übertraf mit einem Gewinn je Aktie von 1,08 Dollar aus dem laufenden Geschäft die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten, die mit einem Cent weniger gerechnet hatten. Auch mit dem Umsatz von 30,7 Milliarden Dollar schnitt HP besser ab als prognostiziert.

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