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Karstadt : „An harten Einschnitten führt kein Weg vorbei“

Karstadt in Schieflage Bild: dpa

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt hat gerade ihre Hoffnungsträgerin verloren. Handelsexperte Gerd Hessert sagt FAZ.NET, was nun bevorsteht.

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          Kurz nach dem überraschenden Abgang der Karstadt-Vorstandschefin Eva-Lotta Sjöstedt kursieren wilde Spekulationen über die Zukunft des angeschlagenen Essener Warenhauskonzerns. Im Blickpunkt steht dabei die Frage, ob sich Eigner Nicolas Berggruen aus dem Geschäft der verbliebenen 83 Karstadt-Häuser zurückziehen will. Die „Bild“-Zeitung berichtete, Berggruen verhandele über einen Verkauf an die Signa Holding des österreichischen Immobilieninvestors René Benko. Zu den angeblichen Gesprächen wollten sich am Freitag weder Signa noch Berggruen und Karstadt äußern.

          Christine Scharrenbroch
          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Nach Ansicht des Handelsexperten Gerd Hessert wäre ein Einstieg Benkos ins Karstadt-Stammgeschäft durchaus zu begrüßen. „Ich fände es gut, wenn überhaupt jemand die Sanierung in die Hand nimmt“, sagte der Lehrbeauftragte für Handelsmanagement an der Universität Leipzig gegenüber FAZ.NET. An einer harten Restrukturierung der Warenhauskette führe ohnehin kein Weg vorbei – unter welchem Besitzer auch immer.

          Kritik an Berggruen

          Um eine Zukunft zu haben, müsse sich das Unternehmen von etlichen Filialen trennen, fordert Hessert. Im Sinne der betroffenen Städte könne Benko als Immobilienentwickler dabei seine Ideen für eine Weiterverwertung der Standorte einbringen. Nur insgesamt 70 Warenhäuser haben nach einer Studie von Hessert hierzulande langfristige Überlebenschancen. Allein Kaufhof betreibt etwas mehr als 100 Filialen, dazu kommen die 83 Karstadt-Standorte. Allerdings hält es der Experte eher für unwahrscheinlich, dass sich Benko den Sanierungsfall tatsächlich ans Bein binden wird. „Karstadt ist so schwerfällig wie ein großer Tanker.“ Die Sanierung sei extrem aufwendig und erfordere erhebliche finanzielle Mittel.

          Die Investorengruppe um Benko und den israelischen Geschäftsmann Beny Steinmetz hält seit dem vergangenen Jahr schon die Mehrheit am operativen Geschäft der 28 Karstadt-Sporthäuser und der drei Premiumhäuser Kadewe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München. Darüber hinaus gehören Benko 20 Karstadt-Immobilien, darunter die drei Edelhäuser. Damit ist Signa mit Abstand der größte Vermieter der Warenhauskette, die selber keine einzige Immobilie mehr besitzt.

          Früheren Berichten zufolge soll Berggruen zudem Benko und Steinmetz eine Option eingeräumt haben, auch 75,1 Prozent des Karstadt-Stammgeschäfts zu einem Preis von 1 Euro zu übernehmen. Berggruen hatte Karstadt vor vier Jahren aus der Insolvenz heraus übernommen. Auch in diesem Jahr wird das Unternehmen nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Fanderl hohe Verluste machen. Am Montag hatte Sjöstedt nach weniger als einem Jahr das Handtuch geworfen. Wegen mangelnder Unterstützung übte sie herbe Kritik an Berggruen. Nach Sjöstedts Rücktritt hat Fanderl angekündigt, die Sanierung entschlossen und unverzüglich anzugehen.

          Die Gewerkschaft Verdi verlangt unterdessen von einem möglichen neuen Eigentümer Sicherheit für die Arbeitsplätze der Beschäftigten. „Sollten sich Medienberichte bestätigen, dass Herr Benko plant, die Mehrheit an der Karstadt Warenhaus GmbH zu übernehmen, dann ist er gefordert,
          den Beschäftigten ein Konzept vorzulegen, wie die Zukunft von
          Karstadt und den Beschäftigten gesichert werden kann. Ein solches Konzept hat der derzeitige Eigentümer Herr Berggruen bislang nicht vorgelegt“, sagte Stefanie Nutzenberger,
          Verdi-Bundesvorstandsmitglied für den Handel.


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