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Staatsanwaltschaft ermittelt : Finanzaufsicht zeigt Hertha-Investor Windhorst an

Gehört ihm noch die Zukunft? Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hertha-Investor Lars Windhorst. Bild: Funke Foto Services

Eine Millionenzahlung von Lars Windhorst ist mit Verzögerung bei Hertha BSC eingetroffen. Doch jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den schillernden Investor, der sich zuversichtlich gibt.

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          Das schillernde Leben des Lars Windhorst ist an einem Tag um zwei Facetten reicher geworden. Einerseits hat der Investor, der einst als Wunderkind der deutschen Wirtschaft berühmt wurde und dann mit einer Privatinsolvenz und einer Bewährungsstrafe eine Bruchlandung hinlegte, wieder juristischen Ärger. Die Finanzaufsicht BaFin hat Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt.

          Gustav Theile
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          An­­derseits scheinen finanzielle Un­stimmigkeiten mit dem Fußballverein Hertha BSC, in den Windhorst insgesamt 374 Millionen Euro stecken will, vorerst ausgeräumt. Nach tagelangen Spekulationen – es war sogar von einer Pfändung die Rede – bestätigte Hertha am Montag, dass die nächste Tranche in Höhe von 35 Millionen Euro, die ei­gentlich am 1. Juli geplant war, eingegangen sei. Weitere knapp 30 Millionen Euro von Windhorst sollen bis zum 15. August fließen.

          Bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe

          Am gleichen Tag tat sich für Windhorst mit der Anzeige die nächste Baustelle auf. „Die BaFin hat Ende Mai Anzeige erstattet“, sagte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Berlin der F.A.Z. Eine Sprecherin der BaFin wollte die Anzeige nicht kommentieren. Es bestehe der Anfangsverdacht des Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ob dieser sich er­härte, sei offen. „Die Ermittlungen sind noch relativ frisch.“ Sollte sich die Tat nachweisen lassen und Windhorst verurteilt werden, drohe dem Investor ei­ne Geldstrafe oder eine Freiheits­strafe von bis zu fünf Jahren, sagte die Sprecherin.

          „Wir sind in konstruktiven Ge­sprächen mit der Staatsanwaltschaft und sehr optimistisch, dass das Verfahren eingestellt wird“, sagte ein Windhorst-Sprecher. Der Vorwurf lautet of­fen­bar: Das Unternehmen Evergreen Funding soll Bankgeschäfte durch­geführt haben, ohne eine Banklizenz zu halten. Evergreen ist ein Tochter­unternehmen von Windhorsts nieder­län­discher Investmentgesellschaft Tennor, die auch ein Berliner Büro unterhält.

          Laut einem Bericht der britischen Zei­tung Financial Times besteht der Ver­dacht, Evergreen habe Einlagen ent­­gegengenommen und Kredite vergeben, wofür eine Banklizenz notwendig wäre. Windhorst schrieb auf Twitter, man sei sich sicher, dass die Vorwürfe ohne Grundlage seien, weil weder Evergreen noch ein anderes Unternehmen der Gruppe regulierte Bankgeschäfte getätigt hätten. „Wir haben das der BaFin klar erklärt und sind perplex und enttäuscht, dass die BaFin sich dennoch entschieden hat, die Anzeige bei den Berliner Behörden einzureichen.„ Aus Tennor-Kreisen ist zu hören, Evergreen habe nur einen Kredit an ein an­deres ausländisches Tochterunternehmen von Tennor vergeben. Diese Ge­schäfte würden die Finanzaufsicht nichts angehen. Diese sei wegen des Wirecard-Skandals aktuell möglicherweise etwas übereifrig.

          Die Vorgeschichte mit H2O

          Auch wenn die BaFin die aktuelle Anzeige nicht kommentieren will, ist davon auszugehen, dass sie die Entwicklung bei Windhorsts Gesellschaften schon länger im Blick hat. Spätestens seit September 2020, als die französische Finanzaufsicht mehrere Fonds der Kapitalanlagegesellschaft H2O eingefroren hatte.

          Kurz darauf teilte die Vermögensverwaltungseinheit der französischen In­vest­mentbank Natixis mit, dass sie ih­ren H2O-Anteil von 50,1 Prozent an das H2O-Management verkaufen wird. Das Eingreifen der französischen Aufsicht wurde ausgelöst durch die hohen Investitionen in Anleihen von Windhorst-Gesellschaften.

          Diese Titel galten als illiquide und sol­len ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro gehabt haben, was Investoren im Jahr 2019 dazu veranlasst hatte, rund 8 Milliarden Euro aus H2O-Fonds abzuziehen. Für einen Vermögensverwalter mit einem Gesamtvolumen von derzeit 17,4 Milliarden Euro war das ein herber Schlag. Die französische Aufsicht begründete die Maßnahme mit "Bewertungsfragen" rund um die Windhorst-Anleihen. Ursprünglich hatte Lars Windhorst mit H2O vereinbart, die Anleihen zu einem Abschlag von rund 50 Prozent zurückzukaufen. Dies wollte er über eine Anleihe seiner Luxemburger Gesellschaft Evergreen Funding im Volumen von 1,25 Milliarden Euro finanzieren.

          Daran beteiligten sich Presseberichten zufolge die Unternehmer Friedrich Knapp und Ulrich Marseille mit insgesamt 500 Millionen Euro. Der Zins­kupon von 12,5 Prozent spiegelt das hohe Risiko von Windhorst wider. Zu diesen Konditionen werden am Anleihemarkt Insolvenzkandidaten gehandelt. Doch der Transaktion machte die französische Finanzaufsicht einen Strich durch die Rechnung. Danach einigte sich Windhorst mit H2O darauf, die Anleihen zu restrukturieren statt zurückzukaufen. Dazu benötigt er eine Brückenfinanzierung über 1,45 Milliarden Euro, die mit Beteiligungen der Tennor-Gruppe besichert sein soll. Es sind diese komplizierten Transaktionen rund um die Luxemburger Gesellschaft Evergreen, die nun in den Blick der BaFin geraten sein dürften.

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