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Hermes-Bürgschaften : Exportbürgschaft für jeden dritten Airbus

Abheben mit der Rückendeckung des Bundes Bild: AP

Hermesbürgschaften des Bundes helfen Exporteuren - zum Beispiel dem Flugzeugbauer Airbus, den Schiffsbauern oder der Stahlindustrie. Doch in der Krise steigen die Risiken für den Bund. Was passiert, wenn die Bürgschaften massenhaft in Anspruch genommen werden?

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          Der europäische Flugzeugbauer Airbus braucht in diesem Jahr deutlich mehr staatliche Garantien, um sein Geschäft am Laufen zu halten und vor Ausfallrisiken zu schützen. „Zusammen mit den Engländern und den Franzosen werden wir voraussichtlich jedes dritte Flugzeug absichern“, sagt Hans Janus im Gespräch mit der F.A.Z. Janus ist im Vorstand der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG für die Exportkreditbürgschaften des Bundes, die sogenannten Hermesdeckungen, zuständig. Im vergangenen Jahr seien 15 Prozent der Airbus-Auslieferungen abgesichert worden. Dass sich der Anteil im laufenden Turnus nun mehr als verdoppelt, spiegelt die deutlich gewachsenen Risiken in diesem Geschäft.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die Absicherung funktioniert auf zwei Arten. Wenn Airbus ein Flugzeug ausliefert, hat der Hersteller eine Forderung gegenüber dem Kunden. Je nach Bonität und Herkunft des Abnehmers wächst in Krisenzeiten die Gefahr, dass die Fluggesellschaft das Fluggerät nicht oder nicht mehr ganz bezahlen kann. Gegen dieses Ausfallrisiko kann sich Airbus mit Hilfe der Hermesdeckung - und gegen Zahlung einer Prämie - weitgehend absichern. Der zweite Weg führt über die Banken. Sie stellen dem Abnehmer einen Kredit zur Verfügung. Damit zahlt dieser seine bestellten Flugzeuge. Um sich vor einem möglichen Ausfall zu schützen, beantragt die Bank eine Bürgschaft.

          Der Bund könnte zum Besitzer einer ganzen Flugzeugflotte werden

          Dieser Tage kommen viele Exportgeschäfte überhaupt nur noch zustande, wenn sie derart über Hermes - und damit den Bund - abgesichert werden. In der Folge könnte der Bund allerdings theoretisch zum Besitzer einer ganzen Flugzeugflotte werden. Denn wenn der Käufer umfällt und die Forderung nicht mehr begleichen kann, wird Airbus vom Bund entschädigt - und das Flugzeug (es dient als Sicherheit) landet auf dem Hof der Bundesregierung. Anschließend müsste Euler Hermes, der als externer Dienstleister des Bundes agiert, versuchen, das Flugzeug ohne Verlust weiterzuverkaufen.

          Schlummern in diesen und all den anderen Hermesdeckungen nicht enorme finanzielle Risiken für den Bund? Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung Exportkreditgarantien in Höhe von 20,7 Milliarden Euro übernommen; 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bisher sieht Janus noch keine Auffälligkeiten in der Schadensentwicklung. „Aber das wird nicht so bleiben. Die Schadenszahlen werden hoch gehen. Davor haben wir die Berliner Ministerien bereits gewarnt.“

          „Für 2010 möchte ich meine Hand nicht ins Feuer legen“

          Janus wagt keine Schätzung, wie stark der Bund infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise nun mit seinen Bürgschaften in Anspruch genommen werden könnte. „Unser Schwerpunkt liegt in den Schwellenländern. Und die sind bisher vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen“, beschwichtigt Janus. Daher rechnet er 2009 nicht mit einer deutlichen Verschlechterung. „Aber für 2010 möchte ich meine Hand nicht ins Feuer legen.“

          Besorgt schaut Janus auf Märkte wie die Türkei. „Dort steigen die Schäden spürbar.“ Auch der flächendeckende Abschwung in Russland und der Ukraine bereitet ihm Kopfzerbrechen. Russland liegt mit 2,8 Milliarden Euro an der Spitze der Länder, für die der Bund im vergangenen Jahr Exportgarantien übernommen hat. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen Amerika, Indien, Türkei und China.

          Bestimmte Branchen bereiten Sorgen

          Doch stärker als über einzelne Länder macht sich Janus im Moment Sorgen über bestimmte Branchen wie den Schiffbau und die Stahlindustrie. „Dort geht das Neugeschäft zurück, bestehende Aufträge werden gestreckt oder geschoben.“ Dennoch erwartet Janus nicht, dass das Schadensvolumen in eine Dimension rückt, die das Instrument der Exportgarantien für den Bund wieder zu einem Verlustbringer macht. „Ich glaube, dass wir oberhalb der Nulllinie bleiben.“

          Die Hermesdeckungen waren für den Bund lange Zeit ein gewaltiges Verlustgeschäft. Ihren Tiefpunkt erreichten sie im Jahr 1996: Bis dahin hatte sich das finanzielle Defizit auf 13,5 Milliarden Euro addiert. In den Jahren danach hat Euler Hermes das Geld, das Länder wie Russland, Brasilien oder Nigeria Deutschland schuldeten, Schritt für Schritt zurückgeholt und so das Defizit bis 2004 ausgeglichen. In den vergangenen zehn Jahren brachten die Exportbürgschaften dem Bund unter dem Strich jeweils nur noch Gewinne und keine Verluste mehr ein. 2008 betrug der Überschuss 413 Millionen Euro.

          „Eine gewisse Risikobeteiligung ist gut“

          Janus ist von der Wirksamkeit dieses Instruments überzeugt. Die Hermesdeckungen leisteten einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Krise für die Exportwirtschaft nicht noch schlimmer werde. Damit der im Bundeshaushalt stehende Ermächtigungsrahmen von 117 Milliarden Euro stärker ausgeschöpft wird, hat die Regierung die Deckungsmöglichkeiten im Rahmen des Konjunkturpakets II noch erhöht. Die Finanzierung kann inzwischen zu 95 Prozent abgesichert werden, was manchen Banken freilich immer noch nicht reicht. Sie wollen am liebsten 100 Prozent. Janus hält davon nichts: „Eine gewisse Risikobeteiligung ist gut.“ Die zur Allianz-Gruppe gehörende Euler Hermes ist selbst nicht am Risiko beteiligt und hat auch keine originäre Entscheidungskompetenz. Die Entscheidungen über die Garantievergabe fällen die Ministerien für Wirtschaft, Finanzen und Außenwirtschaft sowie das Auswärtige Amt über einen interministeriellen Ausschuss (IMA).

          Bei Geschäften rund um den Wiederaufbau des Iraks würde Janus gerne aktiv werden. Aber wegen des unterentwickelten irakischen Bankwesens sei dies kaum möglich. Das Iran-Geschäft, das für Euler Hermes einst eine große Rolle spielte, habe sich in den vergangenen drei bis vier Jahren praktisch aufgelöst. Die Vermutung, dass dies vor allem mit politischem Druck aus Amerika zu tun habe, weist Janus zurück. Die verfehlte Wirtschaftspolitik der Regierung Ahmadineschad und deren Konfliktkurs mit dem Westen hätten die Geschäftsrisiken in Iran deutlich erhöht.

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