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Volkswagen-Chef Herbert Diess : Der Antreiber

Als Mann mit Verstand und ohne Bauchgefühl beschreiben VW-Mitarbeiter den Konzernchef Herbert Diess. Bild: www.marco-urban.de

Seit April 2018 sitzt Herbert Diess auf dem Chefsessel von Volkswagen. Bei dem Wolfsburger Autobauer ist er angetreten, das Unternehmen radikal umzubauen. Das führt zu Streit. Und das ist nicht sein einziges Problem.

          7 Min.

          Den „Bericht des Vorstandes“ hat Volkswagen-Chef Herbert Diess gewohnt ruhig und professionell hinter sich gebracht, als er ihn am Donnerstag in Wolfsburg dem Aufsichtsrat des Konzerns vortrug. Wegen der Abstandsregeln in der Corona-Pandemie fand die Sitzung nicht im Markenhochhaus von VW auf dem Werksgelände statt, sondern einen Steinwurf entfernt in der Pilothalle, in der sonst die neuen Modelle von VW ihren letzten Schliff bekommen. Ein unfreiwillig symbolischer Ort war das für Diess. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte über Tage öffentlich den Druck auf den Vorstandschef erhöht. Interne Berichte über technische Pannen beim Vorzeigemodell von VW, dem neuen Golf 8, fanden den Weg in die Medien. Selbst Gerüchte über einen Putsch der Arbeitnehmervertreter gegen Diess machten die Runde.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          So souverän und ruhig Diess auch auftrat, jeder im Aufsichtsrat wusste: Da steht ein Spitzenmanager, der angezählt ist. „Das sollte ein Warnschuss sein, Diess gefügig zu machen“, sagen seine Freunde im Unternehmen. Seine Kritiker sagen: Der selbstbewusste Chef könne die Verantwortung für die Pannen beim Golf und die Probleme beim neuen Vorzeigeprojekt der Marke, dem Elektroauto ID 3, nicht länger auf andere schieben. Schließlich führt er das Unternehmen und trägt nach ihrer Ansicht auch die Verantwortung für das, was nicht läuft. „Er hat die richtige Analyse, scheitert aber an der Umsetzung“, ist selbst von Insidern zu hören, die Diess weiter stützen.

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