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Henning Kagermann : „SAP war ein schöner Abschnitt in meinem Leben“

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„Das Problem der Krise war nicht das 'Too big to fail', sondern das 'Too connected to fail'”: Henning Kagermann Bild: picture-alliance/ dpa

Ende Mai tritt Henning Kagermann als SAP-Chef ab. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er nochmals über das SAP-Geschäftsmodell, Aufsichtsratsposten und seinen Optimismus in der Krise.

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          Ende Mai tritt Henning Kagermann als SAP-Chef ab. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er nochmals über das SAP-Geschäftsmodell, Aufsichtsratsposten und seinen Optimismus in der Krise.

          Herr Kagermann, wie fühlt man sich, in diesen schwierigen Zeiten abzutreten, statt an einem Glanzpunkt?

          Die Zeiten sind leider, wie sie sind. Aber eigentlich ist es doch gut, dann abzutreten, wenn man all seine Ziele erreicht hat. Ich hinterlasse ein ordentliches Haus, meine Nachfolge ist bestens geregelt, und das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt.

          Immerhin werden erstmals in der Unternehmensgeschichte Stellen gestrichen...

          Als Vorstand muss man nun mal tun, was für das Unternehmen richtig ist. In dieser Situation ist das für die Zukunft der SAP leider das Richtige, also überlasse ich diese Aufgabe nicht anderen. Soll ich notwendige Entscheidungen aufschieben, nur damit ich sagen kann, in meiner Karriere ist das nicht passiert?

          Würden Sie sagen, die Krise hat Ihre Strategie für SAP bestätigt?

          Voll und ganz. Wir haben aus der ersten Krise 2003 gelernt: Das Unternehmen ist globalisiert, professionalisiert, das Produktportfolio transformiert, und wir sind allen Unkenrufen zum Trotz seit einigen Jahren Marktführer im Mittelstand.

          Und die Probleme bei der Mittelstandssoftware Business ByDesign?

          Das ist die einzige noch offene Baustelle, in der Tat.

          Wird das denn noch etwas?

          Die Tatsache, dass wir das Produkt auf unserer Kundenmesse Sapphire präsentieren, zeigt Ihnen, dass wir nicht mehr weit vom Erfolg weg sind. Auch diese Baustelle wird fertig werden.

          Das SAP-Geschäftsmodell kommt von allen Seiten unter Druck. Wird der Konzern je wieder zu alten Wachstumsraten zurückfinden können?

          Ich gehe fest davon aus, dass SAP auch wieder zweistellig wachsen wird.

          Woher soll denn das Wachstum kommen?

          Das Geschäftsmodell der SAP wird sich sicher schrittweise verändern. Das klassische Lizenzgeschäft wird für das Wachstum nicht mehr die ganz große Rolle spielen, dafür werden wiederkehrende Produkterlöse aus Subskription und Wartung immer wichtiger. Der Produktumsatz der SAP wird wieder zweistellig wachsen, davon bin ich überzeugt.

          Hat das klassische Softwaregeschäft neben der Software als Service auf Dauer überhaupt noch eine Chance?

          Ja, es wird langfristig zwei Typen von Kunden geben. Die einen werden Informationstechnologie weiterhin als strategisch für ihre Wettbewerbsfähigkeit ansehen und allenfalls einzelne Bereiche nach außen verlagern. Denen werden wir sogenannte "zeitlose Softwarelandschaften" bieten, die offen für Innovationen aller Art sind. Für andere hat IT nicht diesen strategischen Stellenwert; sie suchen kostengünstige, einfache Lösungen durch externe Betreiber und wollen trotzdem die ganze Breite der Geschäftssoftware nutzen. Für solche Kunden haben wir im Mittelstand SAP Business ByDesign entwickelt. In Zukunft wird es natürlich auch Mischformen geben. Sie sehen, die SAP ist für die gesamte Breite der Kundenanforderungen gut gerüstet.

          Nähert sich die Krise denn dem Ende?

          Was wir gerade erleben, ist nach meiner Einschätzung ein Wiederauffüllen von Lagerbeständen, ohne dass die Endverbrauchernachfrage tatsächlich angezogen hätte. Die meisten CEOs, mit denen ich spreche, gehen von einem "W"-Verlauf der Krise aus, es dürfte als nochmals nach unten gehen, bevor eine dauerhafte Erholung einsetzt. Aber genau wissen tut das heute niemand.

          Reagiert die Politik richtig?

          Ja, das Konjunkturpaket war richtig. Es war nicht so groß, wie von manchen Partnern in Europa gefordert, aber Deutschland kann auch nicht alles alleine schultern.

          Sehen Sie den Deutschlandfonds für notleidende Unternehmen ähnlich positiv?

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