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Henkel-Chef Rorsted : Rekordergebnis zum Geburtstag

  • -Aktualisiert am

49 Jahre alt ist der erfolgreiche Henkel-Chef geworden Bild: APN

Ein bisschen zu deutsch, zu bieder und zu wenig dynamisch sei der Ruf von Henkel, sagte Vorstandschef Rorsted einmal. Der Konzern mit Marken wie Persil und Schwarzkopf legte abermals einen Gewinn vor, hat aber noch nicht die Rendite der Wettbewerber.

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          Es ist sein Geburtstag, 49 Jahre wird er alt. Sein vielleicht schönstes Geschenk an diesem Tag hat der Henkel-Chef zur Bilanzpressekonferenz im Stammwerk Düsseldorf-Holthausen mitgebracht, nämlich den Jahresabschluss 2010. Denn dieser enthält eine Menge neuer Bestmarken für den Klebstoff-, Waschmittel- und Kosmetikkonzern: ein Plus von mehr als 36 Prozent beim bereinigten operativen Ergebnis, ein um mehr als 80 Prozent hochgeschnellter Jahresüberschuss, die historisch höchste Ausschüttung für die Aktionäre. Fünf Quartale in Folge hat Henkel jetzt eine bereinigte Ebit-Marge von 12 Prozent und mehr erzielt, so dass die für 2012 vorgegebene Zielrendite von 14 Prozent längst nicht mehr utopisch erscheint. Kein Wunder, dass das Geburtstagskind trotz ziemlich trüben Spätwinterwetters gute Laune mitgebracht hat.

          Schneller, rentabler und internationaler zu wachsen, lauteten Kasper Rorsteds Vorgaben für den Traditionskonzern bei seinem Einzug in die Henkel-Spitze vor drei Jahren. Heute kann der damals besonders im lokalen Umfeld recht kritisch beäugte, aus der schnelllebigen IT-Branche stammende Quereinsteiger eine ansehnliche Zwischenbilanz ziehen: Die Ebit-Marge ist seither um rund 2 Punkte nach oben geklettert. Der Konzern hat in allen Unternehmensbereichen Marktanteilsgewinne verbucht. Der Umsatzanteil der Wachstumsregionen wurde innerhalb von drei Jahren von einem guten Drittel auf mehr als 40 Prozent ausgebaut. Ein Fülle unbedeutender B-Marken wurde begraben, dafür das Portfolio der Top-Marken sehr viel stärker profiliert. Auch die Innovationsrate hat deutlich an Fahrt aufgenommen. Und schließlich hat sich die Henkel-Aktie in den vergangenen drei Jahren klar besser entwickelt als der Dax. Ein gutes Stück des Weges sei man schon gegangen.

          „One Henkel“

          Henkel habe aber auch noch einen weiten Weg vor sich und sei noch nicht am Ziel, hat der gebürtige Däne im November im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eingeräumt. Der Markenartikel-Konzern, zu dem ein bunter Strauß bekannter Marken wie Persil, Schwarzkopf, Pril, Pritt oder Loctite gehört, benötigt also einen guten Lauf, um den Renditeabstand zu Wettbewerbern wie Procter & Gamble oder Reckitt Benckiser zu verkürzen. Tempo halten sollte für den ausgeprägten Schnellsprecher (englisch wie deutsch) und frühmorgendlichen Dauerläufer freilich kein Fremdwort sein. Wie der freundlich und verbindlich daherkommende Manager, der bis zu seinem damals jähen Rauswurf als Europa-Chef von Hewlett-Packard eine schnelle und steile Karriere bei Oracle, Compaq und HP absolviert hatte, seinen Führungskräften kaum weniger abverlangen dürfte als sich selbst.

          „A brand like a friend“ lautete bis vor kurzem der ziemlich holprig gedichtete Leitspruch von Henkel. „Excellence is our passion“ heißt der neue Claim, der jetzt gemeinsam mit einem renovierten Schriftzug eingeführt wird und dem Konzern einen internationaleren, frischeren Anstrich geben soll. Aus Sicht von Rorsted fasst der neue Spruch das zusammen, wofür Henkel stehen soll, nämlich bei allem Tun stets Bestmarken anzustreben. Eine gemeinsame Unternehmenskultur mit klaren Visionen und Werten will er bei den aus mehr als 110 Nationen stammenden Mitarbeitern etablieren, und zwar vom Koch in der Kantine bis hin zum Vorstand. „Winning Culture“ oder „One Henkel“, wird das in Neudeutsch umschrieben. Am Außenauftritt zu feilen und die Marke Henkel international noch viel stärker zu kommunizieren ist für Rorsted nicht zuletzt deshalb wichtig, weil die Düsseldorfer im globalen Wettstreit um die besten Führungskräfte mithalten müssen. Der Ruf von Henkel sei noch ein bisschen zu deutsch, ein bisschen zu bieder und zu wenig dynamisch, hat er einmal selbstkritisch angemerkt.

          Internationalität und Geschlechtervielfalt

          Der Vater von vier Kindern, der in seinem eng getakteten Terminplan weit im Voraus Schulferien, Skiwochenenden oder Tennisrunden mit seinem Nachwuchs blockt, war einer der Ersten, die den Begriff Diversity ins Spiel gebracht haben. Internationale Vielfalt ist im Henkel-Vorstand heute gegeben. Zwar steht mit Simone Bagel-Trah, der Ururenkelin des Firmengründers Fritz Henkel, eine Frau an der Spitze des Aufsichtsrats. Im Vorstand ist die Geschlechtervielfalt aber noch nicht angekommen. Frauenquoten lehnt Rorsted ab. Allein die Leistung soll zählen. Indes macht bei Henkel der Anteil von Frauen in Führungspositionen schon 29 Prozent aus. Das lässt hoffen.

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