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Chef von Thyssen-Krupp : Ohne Affentanz und falsche Kumpelei

  • -Aktualisiert am

Hoch lebe die Ingenieurskunst! Heinrich Hiesinger hat sich vom Bauernhof an die Spitze von Thyssen-Krupp gearbeitet. Ein Ruhrbaron ist er deswegen nicht. Bild: Stefan Finger

Manager sind skrupellos? Wer das sagt, kennt Heinrich Hiesinger nicht. Der Chef von Thyssen-Krupp mag es aufrichtig. So hat er es auf dem Bauernhof gelernt.

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          Er raubt ihnen jetzt auch noch die Segelboote, samt dazugehörigem Steg und Restaurant. Die betriebseigene Jagd, der Firmenflieger, die schönen Direktoren-Titel auf den Visitenkarten – all das ist schon weg, sogar die reservierten Parkplätze in der Konzernzentrale sind abgeschafft. Das war das Schlimmste. „Das provozierte mit am meisten Widerstand.“ So erzählt es Heinrich Hiesinger, der Bauernbub von der schwäbischen Alb, der vor Jahren an die Ruhr gekommen ist, um Thyssen-Krupp, den ehedem prachtvollen Konzern, zu retten vor dem Untergang. Als Erstes hat der neue Vorstandsvorsitzende damals die Privilegien abgeschnitten, dann die Führung rausgeworfen. Der Vorstand ist neu, die Ebene darunter zu 90 Prozent.

          Jetzt, endlich, ist auch Schluss für den Kieler Yacht-Club, den sie einst für teures Geld gekauft hatten. „So etwas ist nicht mehr zeitgemäß, Kaufleute aus der Stadt übernehmen ihn samt der Gastronomie“, sagt Hiesinger hoch oben im Thyssen-Krupp-Hochhaus in Essen, gerade zurück von einer Roadshow an der amerikanischen Ostküste, wo er unterwegs war, um Investoren zu überzeugen von dem, was er bauen will aus dem Traditionsunternehmen; einen „integrierten Technologiekonzern“, der an der Spitze des Fortschritts marschiert: Hoch lebe die Ingenieurskunst!

          Ein unsentimentaler Unternehmensführer

          Das Ende für den Yacht-Club ist nur ein Symbol für die neue Zeit, ökonomisch nicht der Rede wert für den Milliarden-Konzern. Thyssen-Krupp ist hervorgegangen aus den Pionieren der Industrialisierung und dennoch gerade dabei, die Stahlwerke, seinen Stolz, auszugliedern und in eine Gemeinschaftsfirma einzubringen; mit Indern, der Familie Tata, als gleichberechtigten Eigentümern. Mit Sitz in Holland, wohl nahe Amsterdam. Der Konzern rückt damit ab von seiner Herkunft, das Geschäft mit Aufzügen, Auto- und sonstiger Industrie gewinnt weiter an Gewicht.

          Entlassungen? : Sorge bei Mitarbeitern von Thyssenkrupp

          Thyssen-Krupp kappt die Wurzeln, ist dieser Tage oft zu lesen. Damit wird dem Letzten klar: Dieser Heinrich Hiesinger ist ein ganz und gar unsentimentaler Unternehmensführer, ein Revolutionär der ruhigen Art und ziemlich genau das Gegenteil von einem „Ruhrbaron“, dem Macht wie Opulenz versprechenden Titel, nach dem sich die Manager an Rhein und Ruhr früher verzehrt haben. „Das bin ich nicht, das entspricht mir nicht, das könnte ich nicht, selbst wenn ich wollte“, sagt Hiesinger. Er ist 57 Jahre alt, ein hagerer Typ, der es klar, schnell und schnörkellos mag. Ohne „Affentanz“ der Untergebenen, wie er sagt, und ohne falsche Kumpelei: „Ich bin hier mit fast allen per Sie.“

          Hiesinger brachte andere Sitten in den Konzern

          Der Mann schafft Abstand zwischen sich und der Aufgabe. Er hat kein Handy am Bett, die Sekretärinnen sind angewiesen, die beruflichen Abendtermine auf drei pro Woche zu beschränken: „Ich brauche Auszeiten, Zeit für mich am Wochenende.“ Das ist vermutlich gesünder als die Haltung von Großmanagern, die sich für unersetzlich halten und darüber vergessen, dass die ihnen erbotene Verehrung nicht der Person gilt, sondern zuerst der Funktion. Und die ist endlich. Was aber gibt es Schöneres als einen freien, eigenständigen Kopf?

          Hiesinger hat förmlich gelitten, als er, der Neuankömmling bei Thyssen, sah, wie starre Hierarchien Menschen klein machen. Wie sie es nicht mehr wagen, selbst zu denken, erst recht nicht, zu widersprechen. Das hat er die Leute dann regelrecht einüben lassen. Als mit ihm andere Sitten einzogen in den Laden, wähnte er sich anfangs in Gefahr, als Weichei missverstanden zu werden. Das hat sich in der Zwischenzeit gelegt, es hat sich in der Mannschaft herumgesprochen: Nur weil der Mann selten laut wird, ist er kein Softie. „Die Leute wollen einen starken Chef“, sagt Hiesinger. „Ich bin fordernd, nur schreie ich nicht.“ Mit vielem kann man ihm kommen, wenn etwas nicht klappt, mit Klagen und Problemen, all das erträgt er, nur – bitte, bitte – keine Lügen: „Damit kann ich nicht umgehen. Wenn ich angelogen werde, dann wird’s gefährlich.“

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